Die Zukunft heißt Papier

Ich hatte ja schon mal dargelegt, wo für mich die Vorteile von E-Books liegen und dass ich darauf wartete, dass diese Vorteile auch genützt würden. Dabei hatte ich betont, dass Bücher und E-Books eben unterschiedliche Qualitäten haben und einander durchaus nicht ersetzen müssen, sondern ergänzen können.

Für gedruckte Sachen gilt das natürlich auch, und hier ist meine Vision von einer gedruckten Zukunft.

Elektronische Publikationen bedeuten Vernetzung. Wie wir in den sozialen Netzwerken sehen ist der große Vorteil elektronischer Kommunikation der Aspekt der Gemeinsamkeit. Ich sehe, was meine Freunde auf facebook tun. Ich skype mit Leuten auf der anderen Seite der Welt. Ich verschicke meine Lieblingslieder per E-Mail. Und so weiter.

Die Nachteile erleben wir auch gerade: das Verschwinden von Privatheit. Meine Daten sind mehr oder weniger öffentlich. Wer sich die Mühe macht, kann meine Spuren auf den verschiedenen Seiten finden, die ich schreibe oder kommentiere. Und natürlich sind Computer hervorragende Kopiermaschinen – die E-Mail mit meinem Lieblingslied ist ja in Wahrheit eine E-Mail mit der Kopie meines Lieblingsliedes.

Hier tut sich eine Nische auf für Druckerzeugnisse. Denn ein Buch gehört immer nur mir. Ich muss es verleihen, wenn ich es weitergeben will. Ich kann es nicht einfach kopieren – zumindest nicht so schnell wie bei einem E-Book.

Was also nun, wenn man Papier als Privatheit verkaufte? Ein Stück Papier kann ich demjenigen zu lesen geben, der es lesen soll, und dann vernichten. Ein Tagebuch mit Schloss davor ist sicherer als ein Blog mit Passwort. Ich muss Sex-Seiten nicht aus meinem Verlauf löschen, sondern kann die Zeitschriften unter meinem Bett verstecken. Ich kann mich zu konspirativen Treffen verabreden, ohne dafür twitter zu nutzen.

Ich glaube nicht, dass sich Privatheit auf Dauer im Netz etablieren wird – zumindest nicht universell. Eher wird es wohl einzelne, streng zugangsbeschränkte Enklaven geben, innerhalb derer wiederum die typische Öffentlichkeit des Netzes gilt. Diese Öffentlichkeit ist der Vorteil des Internets und wird wohl auch bestehen bleiben, selbst wenn Regierungen rund um die Welt bemüht sind, sie einzugrenzen.

Insofern sollte man die physische Welt vielleicht noch stärker als »private Welt« verstehen, in der Geheimnisse noch halbwegs geheim gehalten werden können. Ich habe mich damit abgefunden, dass das, was ich im Netz verbreite, öffentlich zugänglich ist. Was nicht öffentlich sein soll, bleibt offline.

Vielleicht ist das die Chance für Papierdruck. Kauf deine eigene Privatkopie. Hinterlasse keine Spuren, wenn du diese Zeitung liest. Schreib einen geheimen Brief. Investiere in die Zukunft, und die Zukunft heißt: Papier.

Comments 1

  1. avatar Lia wrote:

    Du hast nicht Unrecht. Muss ich mal genauer durchdenken. Aber das Internet ist ja wirklich öffentlicher Raum, in dem nichts Privates geheim bleibt. Zumindest nicht auf Dauer. Da könnte so manche altmodische Art der Datenübermittlung eine Rennaissance erleben.

    Posted 15 May 2010 at 21:00

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