Darf ich Ihnen das Internet vorstellen?

Gerne wird ja behauptet, dass Politiker_innen den Bezug zu ihren Wähler_innen verloren haben (wenn sie ihn denn je hatten). Gerade, wenn es um moderne Technologie geht, haben die Damen und Herren so ihre Probleme (gell?). Dem wollten die Republikaner in den USA entgegenwirken, und da es nicht genug ist, über die Zahl der Facebook-Freunde zu reden und die Zahl der Tweets zu vergleichen, haben sie eine Seite ins Leben gerufen, wo jeder seine Eingaben machen kann, was denn mögliche Parteipolitik anginge.

Ohne Moderation. Ich wiederhole: ohne Moderation (mit Ausnahme von Obszönitäten).

Was folgte, war ein Lehrstück in Sachen »Poe«. Ein Poe ist eine Äußerung, die man nur schwer als satirisch erkennen kann, weil es genug ernst gemeinte Äußerungen gibt, die ebenso absurd oder absurder sind. Man sehe sich zum Vergleich Stephen Colbert und Glenn Beck an – wer von den beiden ist der Komiker? Bei den Republikanern gab es also entsprechend folgende Eingaben:

  • (Arbeitsbeschaffung): Man sollte Illegalen Einwanderern ein »I« auf die Brust tätowieren.
  • (Nationale Sicherheit): Baut eine Burgmauer entlang der Grenze.
  • (Traditionelle Werte): »Legalisiert Marihuana weil, also, Alkohol ist legal. Mann. Echt.«

Und so weiter. Der beste Vorschlag aus dem Artikel beschäftigt sich jedoch mit der Ölkatastrophe. Um den Umweltfanatikern nicht das Feld zu überlassen, müsse man die Sache anders verpacken: »BP schafft eine neue Rasse schnellerer Delfine. Die können zwar nicht gegen Fische anderer Nationen antreten, aber dafür fliegen sie geradezu durch das Wasser. Schnelle Fische = gut.«

Inzwischen gibt es sicher noch mehr hervorragende und schwer von echten Eingaben zu unterscheidende Ideen auf der Seite. Willkommen im Internet, Republikaner.

Und wer glaubt, dass das oben übertrieben war, hier ein Zitat aus dem Artikel:

Damit Sie nicht denken, dass die Republikaner gerade erst das Netz entdecken, ließ die Abgeordnete Cathy McMorris Rodgers (Wash.) verlauten, dass »Republikanische Abgeordnete mehr als fünf mal so viele Tweets haben wie die Demokraten im Haus. Vorsitzender Boehner hat fast fünf Mal so viele Facebook-Freunde wie Nancy Pelosi.« Boehner grinste und zeigte zwei nach oben gestreckte Daumen.

Abgeordneter Mike Pence (Ind.) trug zur Diskussion bei, indem er zwei Mal die falsche Adresse für die neue Seite herausgab.

Vielleicht sollten Politiker einfach nicht versuchen, sich volksnah zu geben. Und hier noch eine kleine Anleitung für das Internet:

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