Über den Tod von Journalisten im Irak

Vor zwei Tagen verlinkte ich das Video von wikileaks, in dem us-amerikanische Soldaten aus dem Hubschrauber heraus eine Gruppe von Menschen beschießt. Dabei fallen Machosprüche und dumme Witze, zwei Journalisten für Reuters werden erschossen und, als ein Lieferwagen beschossen wird, werden Kinder verletzt.

Das Video ist hart anzusehen und es ist zu verstehen, dass das US-Militär versuchte, es geheim zu halten: der Tod der Journalisten, verletzte Kinder, die Sprüche der Soldaten. Der Angriff auf den Lieferwagen ist zumindest grenzwertig nach Genfer Konvention. Und es ist insgesamt schwer anzusehen, weil da eben Menschen erschossen werden.

Und darum gehts mir.

Was auf dem Video zu sehen ist, ist m.E. kein besonders großes Vergehen. Die Soldaten wurden gerufen, weil ein Konvoi beschossen wurde. Sie sehen vermeintliche Bewaffnung bei den Leuten am Boden, erhalten Schießerlaubnis und schießen. Dabei geht eben auch was schief.

In einer idealen Welt würden Soldaten vielleicht vorsichtiger oder respektvoller sein. Aber Vorsicht bedeutet, dass man womöglich selbst erschossen wird, oder ein Freund wird erschossen, weil man nicht entschlossen genug war. Und Respekt bedeutet, sich der Tragweite des Tötens bewusst zu werden, was weiteres Töten erschwert. Einer von fünf Soldaten kehrt nach der ersten Einsatzzeit im Krieg mit posttraumatischen Stresssymptomen zurück. Diese Leute sind zumeist zum vierten oder fünften Mal da unten, in ständigem Stress, umgeben von ebenfalls gestressten Leuten. Wer da nicht verrückt wird, ist die Ausnahme, und in so einer Situation passieren auch Fehler.

Der Punkt ist nicht, dass dies ein Einzelfall war oder besonderer Fehler. Der Punkt ist, dass so etwas ständig passiert. Wenn Krieg in einem Gebiet geführt wird, das nicht überschaubar ist, in dem Zivilisten wohnen, dann passiert so was. Und noch schlimmere Sachen, wie Blackwater (jetzt Xe) wieder und wieder beweisen zu wollen scheint.

Seht euch das Video an und sagt nicht: diese Soldaten machen einen Fehler. Sondern erkennt, dass das der Alltag im Krieg ist. Das heißt es, wenn wir Soldaten in Städte schicken aus welchen Gründen auch immer. Das ist die Verantwortung, die wir alle tragen sollten. Im Krieg sterben Menschen, und im Krieg werden auch Unschuldige und Kinder verletzt.

Die Soldaten müssen zur Rechenschaft gezogen werden, aber wir sollten auch erkennen, dass sie das schwächste Glied sind. Sie haben beschissene Bedingungen mit einer beschissenen Aufgabe und wir verlangen eigentlich das Unmögliche, und das einzige Zugeständnis, das wir ihnen machen, ist wegzugucken, solange es geht. Und wenn dann so ein Video auftaucht, geht es halt nicht mehr.

Man wird aber lange warten dürfen, um das System oder die Befehlsstruktur oder gar den ganzen Einsatz in Frage gestellt zu sehen. Gibt es angesichts der deutschen “Leistungen” in Afghanistan ernsthafte Überlegungen zur Rechenschaft oder gar dem Truppenabzug? Die Leute am Schalthebel sind immun, wie üblich.

Darum vergegenwärtigt euch bei diesem Video: was da passiert, ist schlimm. Aber es ist auch Alltag. Es ist nichts Besonderes. Es ist einfach Krieg.

Wir leben im einundzwanzigsten Jahrhundert. Eigentlich sollten wir langsam über solche Anwandlungen hinweg kommen. Oder?

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  1. From Blackwater Watch » Blog Archive » Derangierte Einsichten – Über den Tod von Journalisten im Irak on 09 Apr 2010 at 06:07

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