Ich hatte vor einiger Zeit bereits einen Link zur Pressemitteilung der Stadt Köthen bekommen:
Im Rahmen der IBA Stadtumbau 2010 werden in Köthen homöopathische Leitsätze auf die Stadtplanung angewendet. Experimentelle Interventionen nach homöopathischem Prinzip und eine stadtplanerische Interpretation von Samuel Hahnemanns Arbeitsplatz lassen Schnittmengen zwischen Homöopathie und Stadtentwicklung plastisch werden.
Homöopathie bedeutet, Substanzen, die ein bestimmtes Symptom auslösen (Simile-Prinzip) vielfach in Wasser zu verdünnen, damit dieses dann eine Heilwirkung bekommt (Potenzieren) – abgesehen davon, dass das reine Magie ist und mit Medizin, Physik oder Chemie nichts zu tun hat, wie wendet man so etwas auf Stadtplanung an? Man nehme einen Eisensplitter aus einem Schlagbohrer, der Löcher in den Asphalt bohren kann, und verdünne den so lange, bis man das Wasser genug potenziert hat, um es über die Straße zu gießen und die Löcher zu füllen?
Nee. So sieht das aus, wenn homöopathische Stadtplanung betrieben wird hinter dem Link gibts Bilder)1:
Den Anfang der Therapie machte, wie in der Homöopathie üblich, eine Anamnese. Ein Team aus Stadtplanern und homöopathischen Ärzten führte dazu Gespräche mit den Bewohnern der Ludwigstraße – den “Patienten”. Da diese die Situation in der Straße als gar nicht so schlimm einstuften, griffen die Therapeuten auf das homöopathische Prinzip der “Impulssetzung” zurück. “Wir klebten an alle Häuser ein Plakat mit der Info: Dieses Haus wird abgerissen”, berichtet Kösters. Die Anwohner der Ludwigstraße sollten erkennen, wie prekär die Lage ist. “Es gab aber kaum eine Reaktion – unser Mittel war falsch gewählt.”
Also habe man einen noch stärkeren Impuls gesetzt und an einem dunklen Dezemberabend für 15 Minuten die Straßenlaternen an der Ludwigstraße ausgeschaltet – getreu dem homöopathischen Prinzip der “Erstverschlimmerung” durch temporäre Verstärkung der Symptome, um so den Körper des Patienten – hier die Bewohner der Ludwigstraße – dazu zu bringen, selbst für einen Ausgleich zu sorgen. Und siehe da: Diesmal passten Mittel und Dosierung. “Auf der anschließenden Anwohnerversammlung tobte sprichwörtlich der Volkszorn, die Apathie war durchbrochen.” In den folgenden Wochen seien an die 50 verschiedene Projektvorschläge und Anfragen bei der Stadt eingegangen, wie der Verfall der Ludwigstraße gestoppt und der drohende Abriss vieler Wohnhäuser verhindert werden konnte.
Ohne Scheiß. Was sagt man dazu? Wie karikiert man das? Wie kritisiert man so etwas, wenn die Leute so eine Aktion anscheinend durchgewunken haben – dann sind die eh denkimmun, oder?
Ich… fassungslos. Da klebt man Plakate an Hauswände und dann schaltet man großflächig den Strom ab und nennt das nicht nur homöopathisch, sondern klopft sich für dieses Vorgehen auch noch auf die Schulter?
Demnächst in skeptischen Diskussionen: »Doch, Homöopathie wirkt. Frag nur mal die Leute in Köthen, denen hat man homöopathisch den Strom abgeschaltet und Plakate an die Hauswände geklebt, und schon gings der Stadt besser.«
Ansonsten vielleicht keine schlechte Idee. Die Städte sind ja alle pleite, wenn da eine Verdünnung des Budgets um das Zehntausendfache dazu führt, dass man viel mehr getan kriegt, hat die Homöopathie vielleicht doch noch eine Chance.
Ist das Dummheit, Unaufgeklärtheit, beides? Oder was ganz anderes?

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