Ich halte Barry Eisler für einen der besten Thriller-Autoren überhaupt. Seine Romane über den japanisch-amerikanischen Assassinen John Rain bestechen nicht nur durch den üblichen Mix aus exotischen Orten, heißem Sex und jeder Menge Action, sondern dadurch, dass er dieser Mischung richtig gute Figuren beifügt, allen voran natürlich die Hauptfigur. In seinem letzten Roman (und der bald erscheinenden Fortsetzung) widmet sich Eisler jedoch einer neuen Figur: dem Spezialagenten der US-Armee Ben Treven – sowie in Fault Line seinem Bruder Alex.

Fault Line (2009)
Ähnlich wie bei den Romane um John Rain ist Fault Line ein relativ standardmäßiger Thriller: die Protagonisten werden gejagt, sie verstecken sich und müssen herausfinden, warum man sie jagt, wer sie jagt und wie sie aus der Patsche wieder rauskommen. Und Ben Travers ist ein extrem fähiger Soldat, der seine Zeit damit verbringt, geheime Mordanschläge für die Regierung zu verüben, weshalb er in der Lage ist, Alex und Sarah zu beschützen.
Und ebenfalls ähnlich wie bei den Romanen um John Rain gibt es doch viel mehr als das zu genießen. Zunächst einmal besticht Eisler durch genaue Recherche und Details: wenn Ben beschreibt, wie man sich gegen Überfälle absichert, oder Webseiten empfiehlt, oder auch nur Istanbul beschreibt, dann wirkt das alles stimmig. Man hat tatsächlich das Gefühl, diese Romane fänden in unserer Welt statt.
Dazu kommt, dass Eisler seine Figuren nicht unpolitisch macht. So ist Ben ein rechtskonservativer Mensch, der seine Attentate mit der Sicherheit Amerikas begründet und “Liberale” für Naivlinge hält – gleichzeitig aber spendet er diversen Hilfsorganisationen und genießt es, mit diesen Organisationen reichen Anwälten ein schlechtes Gewissen zu machen. Und Sarah Husseini ist eine stolze US-Amerikanerin, die dennoch die Politik ihrer Regierung heftigst kritisiert – das Abhören der eigenen Bevölkerung, die Inhaftierung von Leuten ohne Anklage, Waterboarding, all diese auch im wirklichen Amerika stattfindenden Dinge dienen ihr als Munition und lassen sie und Ben schnell in Streit geraten.
Alex ist eher unpolitisch, aber dafür liegt zwischen ihm und Ben ein anderer tiefer Graben, denn Alex macht Ben für den Tod seiner Schwester und seiner Eltern verantwortlich. Die beiden Brüder sind nicht in der Lage, sich vernünftig zu unterhalten, was die Lage, in der sie sich befinden, nicht unbedingt einfacher macht. Diese zwischenmenschlichen Konflikte treiben die Geschichte mindestens ebenso voran wie die Thriller-Sachen und bereichern das Buch ungemein.
Meine einzigen Wermutstropfen sind eine doch eher wie erzwungener Sex beginnende Liebesszene und die Tatsache, dass es im Endeffekt nur eine weibliche Figur in diesem Buch gibt. Ansonsten spannende und gute Unterhaltung. Ich freue mich auf die Fortsetzung.

Post a Comment