Vier Wochen zu spät kommt diese Kritik, denn Drachenzähmen leicht gemacht ist schon seit März in den Kinos. Sollte er bei euch noch laufen, daher gleich zu Anfang mein Aufruf: Ansehen! Das ist vielleicht der beste Film des Jahres!
Die Story: Hicks ist der Sohn des Wikingerkönigs Haudrauf, der zum Leidwesen seines Vaters eher ein Talent für Erfindungen als Axtkämpfe in die Wiege gelegt bekam. Und als jemand, der wahrscheinlich niemals einen Drachen töten wird, ist auch die Liebe der jungen Astrid eher ein Wunschtraum. Aber dann fängt Hicks tatsächlich einen Drachen, sogar einen der gefürchteten Nachtschatten – aber er bringt es nicht übers Herz, ihn zu töten. Stattdessen freundet er sich mit dem Tier an… und wird zum begnadeten Drachenzähmer.

Drachenzähmen leicht gemacht (2010)
Aber trotzdem… trotzdem…
Wenn die Wikinger in den Krieg ziehen, ziehen die Frauen selbstverständlicherweise mit, und Astrid sowie das andere Mädchen, die den Drachenkampf lernen, werden wegen ihres Geschlechts nicht ausgesondert. Ebensowenig übrigens, wie dies mit den behinderten Figuren geschieht: der Drache Zahnlos kann vielleicht nur mit Prothese fliegen, aber das wars auch. Und der Schmied, bei dem Hicks in die Lehre geht, hat eine Hand und ein Bein verloren, geht aber mit in den Krieg und hat außerdem nicht nur einen Hammer und eine Axt als Prothese, sondern sogar einen Bierhumpen! Großartig. Und zumindest eine leichte anti-rassistische Botschaft gibt es natürlich auch, wenn Hicks und sein Drache sich anfreunden – das sollte aber, weil die Drachen eher tierhaft sind, nicht zu weit verfolgt werden.
In dieser Form spielt also Drachenzähmen leicht gemacht nicht nur bei den Wikingern, sondern tatsächlich in einer scheinbar postsexistischen Gesellschaft, in der Behinderte ganz normal Teil des Alltags sind.
Und das ist doppelt gut, gerade weil der Film ansonsten so toll ist. Der Film ist spannend, lustig, actionreich. Die Animation ist hervorragend (2D reicht völlig und ist vielleicht sogar besser, weil 3D ja immer mit Farbverlust einhergeht und es hier wirklich bunt ist). Die unterschiedlichen Drachenarten sind zugleich furchterregend und niedlich und sehr fantasievoll – ich will die auch als Haustiere! Alle! Und ich glaube, der Film enthält weder einen Furzwitz noch einen aktuellen Pophit als musikalische Untermalung, sondern erzählt einfach eine tolle Geschichte.
Ja, vielleicht könnte das mit den Frauen etwas besser sein, indem z.B. nicht Hicks Mutter tot wäre, sondern sein Vater, und seine Mutter vielleicht die Königin? Aber wenn das auch noch wäre, dann hätte ich ja gar nichts mehr zu meckern.
So musste ich mehrmals laut lachen, klatschte sogar, und stellte kurz vor Schluss fest, dass ich richtig gefesselt und angesichts der Spannung ungeduldig war, wie es weitergehen würde.
Drachenzähmen leicht gemacht erzählt, in der Mitgefühl die Welt rettet, in der Ingenieure Helden sind, in der Einfallsreichtum, Teamwork und Planung zum Erfolg führen, in der alle zusammenhalten, und in der man Drachen als Haustiere halten kann. Super!

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