Arschlöcher und Constance McMillen

Constance McMillen ist eine siebzehnjährige, die in Fulton, Mississippi zur Schule geht. Am Ende der Schulzeit steht in den USA ja die “Prom” an, eine Art Debütantenball, bei dem früher vielleicht der Eintritt ins Erwachsenenleben gefeiert wird, heute aber gilt, möglichst kindisch zu sein. Constance wollte jedenfalls mit ihrer Freundin zum Abschlussball gehen, eine der beiden Mädels im schwarzen Anzug. Das untersagte die Schule und, als es so aussah, als würde Constance ihren Besuch gerichtlich erzwingen, sagte die Schule den Ball einfach ab.

Leider war das noch nicht das Ende.

Zum einen geschah es, dass der Humanistenverband über einen Spender 20.000 Dollar an die ACLU, eine Bürgerrechtsorganisation spenden wollte, um damit einen Abschlussball zu finanzieren. Die ACLU wollte zuerst kein Geld von Atheisten annehmen, dann sagte sie aber, sie würde die Spende doch annehmen – aber nur anonym. Aber das nur nebenbei.

Denn die richtigen Arschlöcher waren woanders. In einer Aktion, die 1965 auch schon mit ungeliebten Schwarzen durchgeführt wurde, hat man Constance zum dann privat organisierten Abschlussball eingeladen. Constance – und sieben andere. Der Rest der Klasse feierte ohne sie an anderer Stelle den wirklichen Ball. Eltern, Klassenkameraden, Lieferanten von Schmuck und Büffet – alle hielten dicht, um Constance nicht einzuweihen. Nicht auszudenken, wenn sie doch hätte mit allen feiern können!

Constance reagierte gelassen und wies darauf hin, dass zwei der ebenfalls zur falschen Adresse geschickten Schüler eine Lernbehinderung hätten, und so wenigstens “feiern konnten, ohne dass man sich über sie lustig macht”. Was für Arschlöcher müssen das bitte sein – die Lesbe und die Lernbehinderten können alleine feiern?

Und in den Kommentaren hier tauchte sogar eine Schülerin auf, die dies sagte (Kommentar 8):

Wir wollten eine Drama-freie Veranstaltung, um drei tolle und ein schlimmes Jahr zu feiern und wenig Aufsehen erregen. Wir wollten das tun, ohne den Hauptgrund für das Schlimme dabei zu haben. Was Leute nicht verstehen, dass ein Großteil der Schuld bei Constance zu finden ist, nicht ihrer Behandlung durch die Schule, sondern ihre verrückte Sucht nach Aufmerksamkeit
(…)
Vergiss es, wir haben genauso viel Recht wie du, eine Feier für uns selbst zu machen. Also haben wir das getan, und jetzt kriegen wir Ärger, weil das Ego der armen Connie verletzt ist. Sie spielt sich als Lesbe auf um zu beweisen, dass sie IMMER das kriegt, was sie will. Dieses Mal haben wir das nicht zugelassen.
(…)
Wir haben die Muskeln der Mehrheit spielen lassen und wir werden die Konsequenzen ertragen.

So lesen sich Arschlöcher.

Constance will mit ihrer Freundin zum Abschlussball, und das ist dann erstens ihre Sucht nach Aufmerksamkeit und zweitens spielt sie sich als Lesbe auf. Und die Muskeln der Mehrheit sind nicht eingliedernd, sondern ausgliedernd.

Als Schüler an der Schule wäre ich schon nach der Entscheidung, den Ball abzusagen, nur noch im Kleid zum Unterricht erschienen – und dann wäre ich stolz darauf gewesen, dass mich diese Typen nicht auf ihrem geheimen Ball hätten haben wollen. Zum Glück verhält sich Constance da sehr souverän – andere Menschen könnten unter so einem Druck auch zusammenbrechen. Und dann wollte es wieder keiner gewesen sein.

Hier ist Constance bei Ellen DeGeneres:

Link für Gesichtsbüchler

Comments 5

  1. avatar Lia wrote:

    Sag, hast du von den Amis, speziell aus dieser Gegend, etwas anderes erwartet? Die haben ja sogar ein Problem damit, Spenden von Atheisten anzunehmen. Wie sollen sie dann bitte Homosexualität (die ja eine schreckliche Sünde ist) zulassen können. Noch dazu bei einer jungen Frau, die ja sowieso enthaltsam leben sollte bis sie verheiratet ist. Natürlich mit einem Mann, nur das ist gottgefällig. Allerdings lebe ich in Österreich. Auch hier ist der gesellschaftliche Druck in dieser Hinsicht noch recht groß. Je weiter westlich, desto weniger Homosexuelle wagen es, offen und fröhlich in den Tag hinein zu leben. Ganz zu schweigen, dass dort ein junger Mensch in diesem Alter offen zugeben würde, schwul oder lesbisch zu sein. In Deutschland ist das ja schon ein wenig anders, aber das Gesetz bezüglich der Verpartnerung wurde hier grad eben mal durchgedrückt. Gegen den massiven Widerstand diverser Parteioberheinis und katholischer Bischöfe (klar, die haben ja auch anderes zu tun). Ich bewundere diese Constance, dass sie so gelassen an die Sache ran geht. In dem Alter hätte ich das ganz bestimmt nicht geschafft.

    Dass da auch lernbehinderte Jugendliche betroffen waren, finde ich noch einen Tick interessanter. Constances Fall liegt klar auf der Hand: Homosexualität ist eine Sünde und damit als Grund für den Ausschluss allgemein akzaptabel (in einer Gesellschaft, die Enthaltsamkeit von hormongebeutelten, durchgeknallten Anfangs-Erwachsenen verlangt, weil Sex und Kondome das Böse darstellen). Aber die Begründung für den Ausschluss der Lernbehinderten würde ich doch zu gerne mal hören (oder lesen). Ist eine Lernbehinderung nun auch eine Sünde oder stellt sie gar eine Strafe Gottes für eine schreckliche Sünde dar? In Amerika wundert mich manchmal rein gar nichts mehr.

    Posted 08 Apr 2010 at 20:02
  2. avatar Patrick wrote:

    Nee, die Lernbehinderten waren eben die sozialen Außenseiter, da haben sich diese Idioten wahrscheinlich noch kaputt gelacht bei dem Gedanken, Constance mit den “Doofen” feiern zu lassen.

    Posted 08 Apr 2010 at 20:07
  3. avatar Jogurtbecher wrote:

    Ich habe diesen Artikel auch im Spiegel gelesen und war einfach nur baff. Aber eigentlich wundert es mich nicht wirklich und auch in unseren achso aufgeklärten Deutschland finden ähnliche Diskriminierungen täglich statt. Es ist kein typisch Amerikanisches Phänonem wie gerade hier gerne getan wird.

    Natürlich hätte ich an den internen Ball auch nicht teilgenommen da er eine himmelsschreiende Ungerechtigkeit darstellt und nur aufzeigt was für Arschlöcher (deine Bezeichnung ist da sehr korrekt) die anderen Eltern und Schüler sind. Aber das schreibe ich jetzt unter der Prämisse von meinen 24 Jahren und meine Umständen wie ich aufgewachsen bin. Die meisten der dortigen Schüler sind pupertierende 17 jährige die in einer bigotten heuchlerischen Atmosphäre aufgewachsen sind. Wer weiß wie wir an ihrer Stelle unter diesen Umständen reagiert hätten.

    Posted 09 Apr 2010 at 14:26
  4. avatar Patrick wrote:

    …und mein erster geblockter Kommentar, weil sich “delay” unbedingt über Constances Gewicht auslassen musste. Da dies hier weder Constances blog ist noch sie hier liest, gibt es für mich keinen Grund, dieser Meinungsäußerung (Beleidigung) Gehör zu verschaffen. Tschüs!

    Posted 18 Apr 2010 at 13:19
  5. avatar Lia wrote:

    Eine gute Reaktion. ;-)

    Posted 18 Apr 2010 at 17:37

Post a Comment

Your email is never published nor shared. Required fields are marked *