Eines der größten Probleme in feministischer Diskussion sind essentialistische Argumente – vielleicht besser bekannt als biologistische Argumente. Im Grunde lautet jedes dieser Argumente: “Männer bzw. Frauen sind eben so.” Typisch ist diese Argumentation z.B., wenn man auf die Unterschiede in mathematischen Fähigkeiten zu sprechen kommt. Jungs sind eben besser in Mathe.
Wirklich?
Wie sich zeigt, stimmt das, je nachdem, wie man misst, zumindest für die USA. Denn es zeigt sich, dass sowohl die besten als auch die schlechtesten Testergebnisse von Jungs stammen. Durchschnittlich sind aber beide Geschlechter gleich leistungsfähig.
Außerdem zeigt sich, dass in Ländern, in denen Frauen nicht traditionell schlecht in Mathe sein sollen, auch nicht schlecht in Mathe sind. Mit anderen Worten macht es sehr wohl einen Unterschied, ob man eine Aufgabe löst, von der man weiß, dass man sie nur schlecht lösen können soll – und zwar gut möglich sogar einen größeren Unterscheid als jeder vermeintliche Geschlechtsunterschied.
Mathe kann schwer sein. Aber diese Schwierigkeiten sind zum allergrößten Teil geschlechtsunabhängig.
Und das ist dann auch i.d.R. die Wahrheit, egal was man für ein Beispiel nimmt – mögliche geschlechtsspezifische biologische Einflüsse sind wesentlich geringer als die individuelle Variation (Einzelpersonen können hier und da talentiert sein), und der sozialisierende Einfluss wird dabei unterschätzt. Frauen sind jedoch wahrscheinlich nicht aufgrund evolutionärer Mutationen genetisch auf Schuhkauf eingestellt – egal, was Mario Barth dazu sagt. Und sie sind auch nicht per se schlecht(er) in Mathe.

Comments 5
Ach, lieber Patrick, ich glaube nicht, dass die Bescheidenheit der Frauen das Problem ist, deren Leistung leidet ja nur unter Vorurteilen, wirklich bedenklich ist aber die Arroganz so vieler Männer. Vor allem dann, wenn sie unberechtigt ist. Während man für einen Beitrag wie deinen gerade noch als “Frauenversteher” belächelt wird, gibt es für einen Perspektivwechsel viel heftigere Reaktionen, denn als Frau obliegt es mir eben nicht nur devot nicht rechnen zu können und nebenbei eben auch nicht, es überhaupt ganz anders zu sehen. Wenn Mädchen nämlich nun doch nicht schlecht(er) in Mathe sind (als sich manche Männer das wünschen), dann heißt das aber auch, dass Jungs nicht per Geschlecht gut (besser) sind – also Erwartungen in sie nicht erfüllen können – führt das zu anderen, weit weit heftigeren, Reaktionen als die Erkenntnis besser zu sein als man erwartet hat. Ich glaube aber, dass eine solche Konfrontation, eine Aufklärung der Männerschaft über unberechtigte Arroganz (wo sie denn auftritt) unvermeidbar ist. Es reicht – mE- also nicht, zu vermitteln, dass Mädchen (nun doch) besser sind als man (wer?) erwartet hat, sondern vielmehr, dass Jungs wahrscheinlich genau so oft, kein Mathe können und/oder schlechter als Mädchen. Ja, und es würde helfen, denn die männliche Arroganz, etwas zu verteilen, damit nicht nur Feministinnen diese Last schultern, wäre hilfreich.
MfG
Die Unaussprechliche
Posted 17 Mar 2010 at 07:13 ¶Ja, das wollte ich eigentlich auch ausdrücken: Jungs und Mädchen tun sich da nix, also sind sie auch genauso oft von Matheproblemem geplagt wie mit Mathetalenten ausgestattet. Nur dass man Mädchen dann eben andauernd vermittelt, dass sie bestimmt schlecht in Mathe sind, und das dann zur selbsterfüllenden Prophezeiung wird.
Posted 17 Mar 2010 at 13:55 ¶Naja, und man vermittelt den Jungs, dass sie bestimmt gut in Mathe (Logik, Politik, Wissenschaft und und und) sind, und das dann zur enttäuschten Erwartung wird, wenn sie von einem Mädchen übertrumpft werden. Den Mädchen Selbstbewußtsein zu geben, ist heute üblich – aber wer minimiert den Jungs die enttäuschten Erwartungen, dann doch irgendwann im Leben von einer Mädchen/Frau überrundet zu werden? Wer nimmt den Jungs die Angst vor dem Zurückbleiben, wo es doch Teil ihrer geschlechtlichen Identität ist, besser als ein Mädchen zu sein? Ein Mädchen erwartet nicht viel mehr vom Leben als ein bisschen Glück, ein Junge erwartet die ganze Welt und fängt an zu wildern, wenn es nur die halbe ist.
Wenn ein Mädchen schlecht in Mathe ist (oder schlechter ist als es sein müßte), dann verzweifelt es kaum, denn schlußendlich arbeitet es ja doch nur halbtags um den Kindern Mittag zu machen und bei den Hausaufgaben zu helfen. Aber wenn ein Junge schlechter als ein Mädchen ist, dass er doch zu ernähren, zu leiten und anzuweisen hätte, dann geht ihm wohl der Kamm ganz gewaltig hoch…
So mal salopp dahingewitzelt.
Sich aber mit dieser Form der Aufklärung unbeliebt zu machen, obliegt aber mE. vor allem Männern, denn Feministinnen verstärken das Problem nur: Für die vom Leben und von ihren Leistungen enttäuschten Kronprinzen sind sie der Feind.
MfG
Ich
Posted 17 Mar 2010 at 22:52 ¶Hm, könnte sein, aber ich weiß nicht, ob das nicht zu psychoanalytisch / freudianisch wird. Die erste Auswirkung von Vertrauen und positiven Erwartungen ist ja i.d.R. erst einmal eine Leistungssteigerung. Daraus dann als Spätfolge Frustration zu machen und die zeternden Maskulinisten zu Geschlechtsversagern… ich weiß nicht.
Posted 17 Mar 2010 at 22:56 ¶Es war simpel.
Die Erfüllung jener geschlechterspezifischen Erwartungen (aus Vorurteilen), dass Jungs besser sind als Mädchen (zBsp. in Mathe) hängen aber nicht nur vom eigenen Leistungsvermögen ab, sondern auch vom Umfeld. Bisher war ja nicht selten, dass auch die schlechten Jungs noch besser waren als Mädchen oder zumindest konnten diese dann dafür sorgen, dass die wenigen besseren Mädchen irgendwann zu kurz kamen. Aber die Chance, wirklich nachweislich und ohne jeden Zweifel im Vergleich zu einem Mädchen, später Frau, ziemlich blöd auszusehen, steigen mit jedem Tag. Die Mechanismen, um Frauen nieder zu halten, griffen ja wie Zahnräder ineinander und eines davon war, ihnen einzureden, sie wären ohnehin für viele Sachen zu doof. Andere erledigten den Rest dann von selbst. Auch eine (potenzielle) Nobelpreisträgerin wird höchstwahrscheinlich irgendwann in Mutterschutz und Elternschutz und sie wird Einkommensverluste hinnehmen, andere Prioritäten setzen…sowas eben. Die Gesellschaft, so wie sie ist, ist für Männer gemacht. Nach fragwürdigen Vorgaben, ohne jeden Zweifel, aber ein Mann findet sich da schneller ein (auch wenn er darunter nicht glücklich wird) als eine Frau, denn der Mann hat ja immernoch die Frau, die viele Probleme für ihn löst, zBsp. die Kinderbetreuung. Was ich sagen will, frustriert werden die “Kronprinzen” gleich zweimal: Einmal weil sie dem eigenen Anforderungsprofil (Mein Haus, mein Auto, meine Yacht..) nur immer schwerer gerecht werden können und dann weil auch noch Frauen an ihnen vorbeiziehen, weil sie anspruchsloser, streßresistenter und preiswerter sind und freier in ihrer Entscheidung.
Maskulisten müssen daraus nun nicht unbedingt werden, aber Glückspilze sind es bestimmt auch nicht.
Posted 18 Mar 2010 at 00:39 ¶Trackbacks & Pingbacks 1
[...] zum anderen Feminist ist und von Biologismus [...]
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