Kathryn Bigelows Oscar

Ja, Kathryn Bigelow ist die erste Frau, die den Oscar für die Beste Regie gewonnen hat. Ist jetzt alles gut? Eher nicht. Der Oscar ist nichts, wenn nicht eine Aussage für den aktuellen Gesprächsstand in Hollywood. Man kann davon ausgehen, dass längst nicht jeder Stimmberechtigte alle nominierten Filme gesehen hat, geschweige denn wirklich darüber nachdachte, welche Regieleistung die beste war. Hurt Locker und Bigelow haben nur aus einem Grund gewonnen: Sie waren zu präsent in der gegenwärtigen Stimmungsmache.

Mit dem Oscar konnte Hollywood zeigen, dass sie gar nichts gegen weibliche Regisseure haben. Mit anderen Worten wurde es einfach Zeit, dass eine Frau gewinnt, und zwar so sehr, dass die Stimmberechtigten ständig aus den Medien hörten, dass es einfach mal Zeit wurde; so sehr, dass die Oscarverleihung einen Tag vor dem Internationalen Frauentag stattfand; so sehr, dass nach ihrem Sieg das Orchester I am woman spielte – am Ende gewann Kathryn Bigelow nicht obwohl, sondern gerade weil sie eine Frau ist.

Das ist um so schader, als dass Hurt Locker tatsächlich ein guter Film ist und Bigelow es deswegen – und auch wegen ihrer bisherigen Filmkarriere, die ja bei den Oscars auch wichtig ist – auch sonst verdient gehabt hätte, zu gewinnen (auch wenn mein diesjähriger Favorit Tarantino war).

Es ist ebenfalls kein Zeichen für Wandel, zumindest nicht schnell. Eine Studie von 100 Filmen stieß auf 3% weibliche Regisseure, 11 % Drehbuchautorinnen und 20% Produzentinnen in Hollywood. Das gibt sich nicht so leicht.

Für 2010 sieht die Sache ohnehin nicht gut aus: CNN untersuchte 25 kommende Blockbuster – nur 3 haben weibliche Hauptrollen –, und Moviefone sah sich die 50 größten Filme an und nur 5 haben weibliche Hauptrollen, ein Film davon ist animiert.

Diese Filme beinhalten auch noch Sex in the City 2 und die Fortsetzung von Twilight. Trotz guter Besucherzahlen von normalen Dramen mit weiblichen Hauptrollen also auch noch der typische Kitsch dabei. Die Alien-Reihe ist immer noch eine der größten Blockbusterreihen überhaupt. Titanic hat Millionen eingespielt, auch von Männern. Letztes Jahr erst haben Precious, The Blind Side, It’s Complicated Kohle gemacht.

Trotzdem gilt in Hollywood immer noch die Idee, dass grundsätzlich Filme erst einmal am weißen, männlichen Teenager ausgerichtet werden müssen, und nur Filme mit spezieller Botschaft dann an andere Märkte gehen. Das heißt, dass Filme immer Abstriche machen, um diesen weißen jungen Männern zu gefallen – nicht nur G I Joe, sondern auch alle “normalen” Filme.

Das ist ärgerlich und führt sogar zu schlechteren Filmen, weil sie nicht so variantenreich sein können – daran wird auch Kathryn Bigelow nichts oder nur wenig ändern. Der Weg ist noch lang, bis der Bechdel-Test eingestampft werden kann – ein Test, der eigentlich selbstverständlich bestanden werden sollte, und doch ist es soo schwer.

Der geht nämlich so: Der Film (der Comic, usw.) braucht:
- 2 Frauen, die
- reden, und zwar
- über etwas anderes als Männer.

Für Männer gibt es das dauernd, aber die meisten Filme haben genau eine wichtige Frauenrolle und dann vielleicht noch eine kleine weibliche Nebenrolle, mit der man sich über Männer unterhalten kann. Für Rassen gilt übrigens:
- mindestens 2 wichtige Figuren, die nicht kaukasisch sind,
- obwohl der Film (o.ä.) nicht ethniespezifisch ist.

Also keine Ghettokomödie oder Prince of Persia – obwohl sogar da die persischen Helden von Kaukasiern gespielt werden.

Also, Kathryn Bigelow, Glückwunsch – aber lasst uns nicht vergessen, dass der Oscar nur eine Statue ist.

Post a Comment

Your email is never published nor shared. Required fields are marked *