Wo die Wilden Kerle wohnen

Der elfjährige Max (Max Records) fühlt sich vernachlässigt, sowohl von seiner Schwester als auch von seiner Mutter. Eines Abends läuft er davon. Er findet ein Boot und fährt ein Jahr und einen Tag übers Meer, bis er auf die Insel kommt, wo die wilden Kerle wohnen. Die werden mehr oder weniger angeführt von Carol (James Gandolfini), dem stärksten und aufbrausendsten dieser riesigen, plüschigen Monster. Max schafft es, sie davon zu überzeugen, ihn zu ihrem König zu machen: er werde die Einsamkeit besiegen und alles wieder gutmachen. Und so beginnt seine Herrschaft.

Wo die Wilden Kerle wohnen (2009)

Wo die Wilden Kerle wohnen ist ein erwachsener Kinderfilm. Das soll nicht heißen, dass es ein Kinderfilm ist, der eher Erwachsenen zusagen wird (Mr Fox lässt grüßen), sondern ein Film mit einer erwachsenen Sicht auf Kinder und Kindheit. Kindheit ist furchterregend, gefährlich, aber auch einfach und schön. Kinder sind sanft und lieb, aber auch brutal und nervig. Sie haben keinen Blick auf Konsequenzen, bis diese bezahlt werden müssen.

In Wo die Wilden Kerle wohnen wird das nicht geschönt. Die Kerle haben allesamt kindliche Gemüter, und wenn sie mit Max toben, vergisst der Film niemals, wie schnell hier auch etwas wirklich schief gehen könnte. Die Bedrohung ist immer da – die früheren Könige wurden von den Kerlen stets gefressen –, aber auch sehr lustige, befreiende, melancholische, einsame Momente.

Das Besondere dieses Films ist es, nichts zu erklären. Er zeigt einfach nur. Wir lernen nicht, Max besser zu verstehen, wir erkennen nicht, wie genau die Kerle mit Max korrespondieren und welche Lektion denn wann gelernt wird – oder ob überhaupt eine gelernt wird. Der Film lässt die Fragen offen, er zeigt nur die Abenteuer, die Max mit den Kerlen erlebt.

Wo die Wilden Kerle wohnen ist ein Film, den Hollywood eigentlich so gar nicht macht. So was geht nicht, müsste man sagen, aber Spike Jonze hat anscheinend niemanden gefragt, ob es denn ginge. Er hat es einfach gemacht, einen Film, der sowohl oberflächlich funktioniert als auch Dinge offen lässt, der direkt anspricht und trotzdem überdacht werden kann, ein Kunstwerk, das sich einfacher Interpretation entzieht und trotzdem nicht für einen elitären Kreis ist.

Die Bildsprache, die Effekte der Kerle, ist fantastisch im besten Sinne von Fantasy: hohe Bäume, weite Wüsten, unendliche Küsten, die Kerle sind knuffig und bedrohlich und zugleich unbeholfener Teddy und Monster.

Wo die Wilden Kerle wohnen ist ein wirklich beeindruckender Film. Ansehen.

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