Jakob Augstein schreibt einen guten Kommentar zur Reihe der Süddeutschen mit dem Thema: Wozu noch Journalismus? Auch Stefan Niggemeier hat einen Beitrag in dieser Reihe. Fazit lässt sich bei beiden wohl so zusammenfassen: » Nicht gebraucht wird nur schlechter Journalismus.«
Genau. Das sollten sich die »Hüter des Abendlandes«, die das Internet verteufeln, dreimal hinter die Ohren schreiben.
Man sieht jetzt gerade wieder, was Journalismus bedeutet: bei den Olympischen Spielen. Wo beispielsweise beim Biathlon bereits seit Jahren eine eigentlich für diese Leistung zu junge Magdalena Neuner Siege einfährt – normalerweise ist die Leistungsspitze in diesem Sport Ende 20 erreicht, Neuner lief schon mit 20 allen davon. Wo jetzt eine Slowakin, die noch nie ein Weltcuprennen gewann, Gold holt, aus dem Nichts aufs Podest. Doping darf nicht mal angedeutet oder nachgefragt werden, ebenso wenig bei österreichischen Läufern, die allesamt plötzlich schneller laufen als in den Jahren zuvor. Dabei sind auch bei den Deutschen Dopingproben nicht so lückenlos und sicher, wie man immer gesagt bekommt – gedopt sind ja wenn, eh nur immer die Anderen.
Oder auch abseits dieser Frage: Was ist mit den Inuit, die gegen die Vereinnahmung ihrer Kultur bei den olympischen Spielen protestieren und ein falsches Bild kritisieren – denn die Inuit leben in der kanadischen Gesellschaft überwiegend in Armut. Was ist mit den Korruptionsvorwürfen beim Eiskunstlaufen und anderen Sportarten?
Der Todesfall in der Bobbahn wird nur als emotionale Story inszeniert. Fragen, weil die Strecke seit Jahren im Gerede ist wegen Sicherheitsmängeln? Natürlich nicht. Wie Jens Weinreich sagt:
Tur mir leid, aber ich nenne das zynisch. Sie warten nicht einmal 24 Stunden. Sie haben gar nichts geklärt. Sie fahren weiter.
- Das System macht nie Fehler.
- An der Bahn kann es genauso wenig liegen wie am System.
- Nur der Einzelne macht Fehler. Das ist tragisch. Ein Unfall. Hat nicht mit dem System zu tun. Es gelten also die Punkte 1 und 2.
Das System macht nie Fehler, nur der Einzelne. Das ist immer so in totalitären Systemen.
Man könnte angesichts des schlechten Schnees auch mal ansprechen, dass Kanada zu einem der größten weltweiten Klimasünder gehört. Aber selbst, wenn all das nicht thematisiert wird…
Was ist mir Erklärungen von Sportarten? Wie wäre es beim Skispringen mal damit, nicht nur Superzeitlupen zu zeigen, sondern dazu was zu erklären? Man hört nur »zu aggressiv reingesprungen«, »gut weggekommen« oder sonst etwas. Wie wäre es, mit Hilfe von Bildschirmmalereien wie z.B. beim Fußball zu zeigen, was ein guter Absprungwinkel ist, woran man erkennt, ob jemand gut abspringt, was die Folgen davon sind, dass man aggressiv reinspringt?
Oder wie wäre es in Interviews mal nicht nur mit den ewig gleichen Fragen: »Woran hats gelegen? Haben Sie das schon realisiert? Wie haben Sie sich da gefühlt? Was sagen sie zu ihrem Mitstreiter oder ihrer Mitstreiterin?« Persönlichere Fragen, relevantere Fragen, kritischere Fragen. Warum haben deutsche Biathleten keine Schießtrainer oder Psychologen?
Oder einfach nur mal wirklich berichten. Da wird plötzlich ein Biathlet genannt, der angeblich seit 12 Jahren im Weltcup läuft und m.W. noch kein einziges Mal im Bild war, weil man lieber Stars durch den Wald laufen lässt als Unbekannte beim Schießen zeigt – oder auch nur deren Schießergebnisse einblendet. Das interessiert ja eh keinen (außer mir)?
Journalismus ist was anderes – hier werden hunderte von Leuten nach Kanada geflogen, um Sportler zu beweihräuchern und sich anzubiedern. Und darauf kann ich auch verzichten. Mit Freuden.

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