Facebook-Konkurrenz, privatsphärig

Google möchte also sozialen Medien Konkurrenz machen und hat Buzz gestartet. Und gleich bewiesen, wie man ohne bösen Willen richtig dämlich sein kann.

Buzz hat eine besonders nutzerfreundliche Einstellung: die am häufigsten genutzten Mailkontakte werden automatisch als “Freunde” gerechnet und erhalten Zugriff auf die privateren Daten und Beiträge des Mitglieds.

Benutzerfreundlich, und dumm.

Ali Arbia beschreibt, dass von dieser Regelung Dissidenten betroffen sind, also Leute, die bspw. im Iran gegen das Regime agieren und sich organisieren:

Man wurde gleich mit den häufigsten (Chat)-Kontakten (was bei gmail bequem aus dem Briefkasten heraus funktioniert) kurzgeschlossen. Diese ungefragte Dienstleistung löste nicht nur Begeisterung aus. Dummerweise ist diese Liste gleich öffentlich. Es braucht zuerst das zutun des Besitzers des Buzz Accounts um dies zu entfernen. Das ist mehr als unschön und kann sogar höchst gefährlich sein. Wenn man nämlich als Dissident in einem autoritären Regime ein Kontaktnetz per e-mail pflegt.

Auf der einen Seite wird also plötzlich öffentlich, mit wem man korrespondiert. Das kann im Falle von Dissidenten gefährlich sein, aber auch sonst ärgerlich, weil man nicht alle Bereiche des eigenen Lebens öffentlich machen will, aber trotzdem Mails oder Chats durchführt.

Ebenfalls auf persönlicher Ebene findet sich dieser Beitrag auf Occupation: Girl (eigene Übersetzung):

Wisst ihr, wer mein dritthäufigster Kontakt ist?

Mein mich misshandelnder Exmann.

Darum ist es SO AUFREGEND, Google, dass du meinen häufigsten Kontakten AUTOMATISCH Zugriff auf meinen Reader gewährt hast, inklusive all der Kommentare, die ich abgegeben habe, um sie mit meinem Freund zu teilen, vor dem ich KEINEN GRUND hatte, meinen Aufenthaltsort oder meine Arbeitsstelle zu verheimlichen und das auch nicht tat.
[...]
Oh ja, wahrscheinlich könnte ich bei Buzz austreten – was ich zu Beginn gemacht habe, auch wenn das anscheinend keinen Unterschied gemacht hat, ob ich Buzz jetzt nutze oder nicht –, aber sobald ich das tat, hatten alle Arten von Leuten meinen Reader abonniert, und ich kann sie nicht blockieren, weil ich Buzz nicht benutze!

Hier stehen also auch persönliche Gefahren im Vordergrund, denn Stalker und andere unangenehme Zeitgenossen haben ja einen häufigen Mailkontakt und können so plötzlich noch besser stalken oder Informationen bekommen, und ein prügelnder Exmann stellt durchaus eine Gefahr nicht nur für das psychologische, sondern auch das körperliche Wohlergehen dar.

Insofern: toll gemacht, Google. Richtig toll gemacht.

Comments 1

  1. avatar Google wrote:

    Jeder der sich mit Google etwas mehr beschäftigt muss doch wissen wie sie mit Daten umgehen, deshalb selbst schuld.

    Posted 21 Feb 2010 at 10:09

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