Okay, schaffen wir das erst Mal aus dem Weg: In Ricky Gervais’ Welt gibt es keine Lügen. Warum daraus dann folgt, dass Leute sich davon erzählen, was für ein großes Geschäft sie gerade auf der Toilette hinterlassen haben, ist mir absolut unklar. Tut es aber. Insofern ist die Welt, in der die Erfindung der Lüge spielt, eine Welt von Menschen, die ihr Hirn auf der Zunge tragen.
Bis Mark Bellison die erste Lüge erfindet.

Die Erfindung der Lüge (2009)
Wie in romantischen Komödien üblich gibt es dabei einen Rivalen und bleiben die Charaktere trotzdem relativ flach – und hier ist es, wo mich die Erfindung der Lüge wirklich enttäuschte. Mark ist noch als guter Mensch zu identifizieren, die anderen Figuren wären nur sehr schwer mehr als eindimensional zu beschreiben. Auch bleibt der Effekt dieser neuen Erfindung »Lüge« seltsam schwammig – Mark kann alles erzählen, was er will, und die Menschen glauben ihm. Gibt es wirklich niemanden, der angesichts anders lautender Beweise zweifelt?
Insofern ist der stärkste Teil des Films tatsächlich der, der sich mit Religion beschäftigt, mit ihrem tröstenden Effekt, und auch mit schädlichen Wirkungen ganz ohne Religionskriege. Hier dringt eine humanistische Botschaft aus einem Film heraus, der ansonsten über die meiste Zeit eine halbwegs amüsante High-Concept-Komödie ist.
Alles andere ist wenig bemerkenswert, und so bleibt eine manchmal intelligente und zugegeben unterhaltsame, aber niemals grandiose Filmerfahrung, von der man sich mehr erhofft hat als nur die Zehn Gebote auf Pizzakartons. Nichts gegen Pizzakartons, aber trotzdem. Ein wenig mehr Biss und Zynismus hätte der Erfindung der Lüge sehr gut zu Gesicht gestanden.

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