Erste Aufgabe: Trailer gucken1
Zweite Aufgabe: weiterlesen.
Eins: Ich kann gar nicht sagen, wie oft mir das passiert ist. Da ist eine gutaussehende Kommilitonin, aber eine oberflächliche und egoistische Nuss, die ich darum zuerst total unsympathisch finde, aber nach einigen gemeinsamen Seminaren verliebe ich mich in sie. Kommt eigentlich täglich vor. So auch in Leap Year, wo sich die beiden überhaupt nichts gemeinsam habenden Hauptfiguren zwangsläufig darüber verlieben, dass sie sein Auto schrottet und das ganze Dorf vom Stromnetz nimmt.
Zwei: “Frauen und Autos”
Drei: “Frauen und Technik”
Vier: Ich möchte einmal einen Film sehen, in dem ein Typ, eine Frau oder ein Paar vom Land in die Stadt kommen und beeindruckt sind: Wir können ins Kino gehen, ins Theater, die Oper, es gibt eine Bibliothek, ein Krankenhaus, ich kann alles in meiner Nähe einkaufen, ich kann meine Arbeit mit E-Mail von zu Hause erledigen, ich kann Lieder im Internet kaufen, ich kann mit der ganzen Welt kommunizieren, ich kann Dinge in wenigen Minuten nachschlagen, ich kann mit meinem Handy Hilfe holen und wenn ich ein Gerät in die Steckdose stecke, verliert nicht der ganze Ort den Strom? Stattdessen werden in Filmen immer Yuppies vom einfachen Leben überzeugt. Geht doch nichts darüber, sein Haus selbst in Stand zu halten, wenn man noch nie einen Hammer in der Hand hatte.
Fünf: Dazu kommt, dass hier mal wieder (ich kann ad hoc eine ganze Reihe ähnlicher Filme nennen) eine erfolgreiche Geschäftsfrau vom einfachen Leben überzeugt wird und am Ende zu ihrem Mann aufs Land zieht, wo sie wahrscheinlich zum ersten Mal selbst kocht und eine Familie großziehen wird, wie das eben alle Frauen wollen und sollten. Oder glaubt irgendjemand, dass der irische Typ am Ende zu ihr in die Großstadt zieht, wo sie ihre Karriere hat?
Sechs: Und jetzt zur Hauptidee des Films. Diese Frau will einen Heiratsantrag, sie ist – wie alle Frauen – völlig von der Idee des Heiratens besessen und will endlich einem Mann gehören. Der schnallt das aber nicht. Zum Glück dürfen in Irland alle vier Jahre am 29. Februar auch mal die Frauen einen Antrag machen. Diese lustigen Iren und ihre Sitten, dass die tatsächlich einmal alle 1460 Tage die Welt umkehren und so was erlauben! Also muss sie natürlich nach Irland zu ihrem Freund fliegen, um dem einen Antrag zu machen.
Sieben: Wie das so ist, stürzt das Flugzeug fast ab, und wie Frauen so sind, denkt sie die ganze Zeit: “Ich werde nicht sterben, ohne verlobt zu sein!” Denn das ist das Einzige, was für Frauen zählt.
Acht: Sie lernt also einen komischen Typen kennen und erlebt mit dem komische Sachen, was dann natürlich dazu führt, dass sie die ganzen Jahre, die sie mit ihrem Freund zusammen war, sofort vergisst und diesen Mann, von dem sie nichts weiß (außer, dass er ihre Idee für die »dümmste hält, die er je gehört hat«), zu der »EINEN WAHREN LIEBE« ernennt. Siehe auch hier.
Neun: Am Ende wird ihr Leben dadurch erfüllt, dass die Beiden heiraten – oder bezweifelt das jemand? Frauen sind nämlich zurecht heiratsversessen.
Zehn: Vorhersage: Der Freund hat eine Affäre in Dublin, damit die Heldin a) ohne schlechtes Gewissen mit ihm Schluss machen kann und b) das Publikum nicht mehr darüber nachdenken muss, wie der sich bei der Sache fühlt.
Na gut, zehn gilt vielleicht nicht als etwas, das der Trailer beinhaltet. Aber trotzdem.
Gestern habe ich Whip It! gesehen, und die Ahnung, dass dieser Mist, der das weibliche Zielpublikum für dumm verkauft – die Heldin wird im Trailer explizit mit »Kuh« assoziiert – mehr Geld einspielen wird als der gerade genannte lustige, unterhaltsame und einfach Spaß machende Film ist traurig. Sehr, sehr traurig.
- via Fünf Filmfreunde [↩]

Comments 2
Der Typ ist aus Wales. Sie landet doch in Wales nicht Irland (hört man auch an seinem Akzent).
Posted 11 Jan 2010 at 18:12 ¶Aber ihr Lover ist in Dublin. Sie muss nur über Wales eine “Umleitung” fahren.
Posted 11 Jan 2010 at 18:16 ¶Post a Comment