Geht doch nichts über eindeutige Filmtitel, bloß nichts subtiles wie z.B. The Hurt Locker, der Spind der Schmerzen. Nicht mal, wenn es um einen Film geht, der die Situation von Soldaten im Irakkrieg thematisiert, kann man auf reißerische Namensnennung verzichten. Tödliches Kommando heißt also der Film von Kathryn Bigelow. Seis drum.

Tödliches Kommando (2009)
Über zwei Stunden hautnahe Filmaufnahmen legen dar, unter welchem Druck die Soldaten stehen, wie feindlich ihnen ihre Umwelt begegnet und erscheinen muss, in der jeder Versuch, nett oder vertrauensselig zu sein, gleich bestraft wird. Hier kann jeden Augenblick eine Bombe hochgehen oder ein Scharfschütze deinen Kameraden niederstrecken, ob du dich nun auf Protokolle verlässt, den Tod an jeder Ecke siehst oder einfach nicht drüber nachdenkst.
Kathryn Bigelow zeigt hier eine Männerwelt – weibliche Soldaten, obwohl sie in der Wirklichkeit existieren, kommen nicht vor –, deren Härte als Schutz fungiert, und sie zeigt einen Krieg, der körperlich Unversehrte dennoch zu Opfern macht. Ihre Kamera folgt in die engen Jeeps, die dunklen Ecken und die hell gestrichenen Baracken, in denen die Männer warten, bis sie wieder in den Einsatz gerufen werden, einen Einsatz, den die Seelsorger im Lager nicht nachvollziehen können. Vor dem Camp warten ältere Verkäufer, die kein Englisch sprechen, und kleine Kinder, die »Yo Motherfucker, want to buy the newest shit?« von sich geben, und wenn man einen Iraker trifft, der mehrere Sprachen spricht, sich als Professor ausgibt und einen einlädt, dann kann man dem gar nicht trauen – zu ungewöhnlich ist so eine Figur in dieser Hölle.
Über weite Strecken von Tödliches Kommando vergisst man, dass man einen Film sieht und keine Dokumentation, aber in Zeiten der eingebetteten Journalisten wäre keine Dokumentation so ehrlich, so echt. Es gibt keine merkliche Autorenstimme, die ein Ziel vor Augen hat – außer dem Ziel, diese Welt zu schildern. Und so kann man über vieles den Kopf schütteln, man kann den Einsatz für richtig halten – aber für folgenlos und einfach, für einen sauberen Friedenseinsatz, dafür kann man ihn nicht halten, wenn im Lager die Soldaten beinahe aufeinander losgehen, während vor dem Lager schon die nächste Bombe improvisiert wird.
Vielleicht wird sie diesmal in einer Leiche versteckt, oder einem unschuldigen Mann um die Brust gekettet, oder sie ist in einem Auto, oder einem Müllsack, oder im Boden vergraben? Vielleicht steht irgendwo jemand mit einem Zünder oder einem Scharfschützengewehr – oder nur jemand mit einer Videokamera. Und vielleicht kommt jemand mit einem Taxi durch die Sperre gefahren, ohne dass man weiß, ob das ein Anschlag sein soll. Wie soll man reagieren? Soll man schießen? Beides könnte die falsche Entscheidung sein. Der Tod lauert ebenso nah wie Bigelows Kamera.
Sehenswert.

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[...] ist um so schader, als dass Hurt Locker tatsächlich ein guter Film ist und Bigelow es deswegen – und auch wegen ihrer bisherigen Filmkarriere, die ja bei den [...]
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