The Thick of It

Wenn es eine Hauptfigur in der britischen Comedy The Thick of It gibt, ist es Malcolm Tucker. Der Schotte ist Chef-Spindoktor für Downing Street Nummer 10, also die britische Regierung, und Tuckers Gesetz lautet: »If some cunt can fuck something up, that cunt will pick the worst possible time to fucking fuck up because that cunt’s a cunt.«

Nur so als Warnung: in dieser Serie wird geflucht.

The Thick of It zeigt die Korridore der Politik, wie Regierung und Opposition versuchen, Journalisten zu managen, Probleme zu umgehen und sich gegenseitig auszustechen. Dazu gehören Machtspiele und Mobbing im Büro und vor allem Malcolm Tuckers Pyramiden aus Beleidigungen. Selbst die sympathischeren Figuren sind nicht wirklich sympathisch. Dafür sind die Dialoge klasse, weil sich da ständig Leute was an den Kopf werfen, und kaum jemand um eine Antwort verlegen ist.

Und keiner hält Politik für ein ehrenwertes Amt, um das Land zu verbessern, es gibt fast überhaupt keine Ideale. Es gibt nur den Kampf um Macht und mediale Vorherrschaft. Freundschaften? Jeder kann jeden jederzeit verraten. Loyalität? Nur offiziell.

Im Endeffekt aber kommt es dem sehr nahe, was man als Laie so glaubt, wie Politik gemacht wird. Eine unliebsame Zahl wird bekannt? Dann schmeißen wir die Journalisten mit Statistiken zu, bis sie die Zahl nicht mehr richtig einordnen können. Ein Politiker verhaspelt sich? Werfen wir jemand anderen der Presse zum Fraß vor. Dass gelogen wird, ist ohnehin klar.

Die Momente, in denen dann Wähler mit ins Spiel kommen, sind auch nicht besonders schmeichelhaft für diese. Wähler sind nervig und oft ziemlich verrückt, aber ihre Anliegen werden außerdem nicht mal ansatzweise von der Politik erhört. Selbst ein kaputtes Einwanderungssystem ist nur eine Schlagzeile, hat nur dann einen Wert, wenn man damit punkten kann, ansonsten interessiert sich niemand für Einwanderer, die darin gefangen sind. Und wenn dann doch jemand ein Interesse hat, muss er wahrscheinlich im Auftrag der Regierung doch das Gegenteil befürworten.

Es ist zynisch, dramatisiert, und doch irgendwie echt, und dafür sorgen nicht nur die grandiosen Darsteller und die dokumentarische Kamera, die dem Ganzen den Fernsehcharakter nehmen, sondern auch die Idee, dass Politik eben nur so funktionieren kann.

Einzig Lobbyisten kommen vielleicht zu kurz, aber wie gesagt, wird in The Thick of It nicht Politik gemacht – das wäre ein anderer Flur –, sondern Spin fabriziert. Die Lobbyisten sind bei den wichtigen Politikern, die Kamera ist bei den PR-Leuten und den Politikern aus der zweiten Reihe.

Dass all das urkomisch ist, sollte vielleicht zu denken geben, aber das ist es. Man schüttelt mit dem Kopf, hat ein schlechtes Gewissen, spürt einen gewissen Unmut über den vermuteten Wahrheitsgehalt, und doch lacht man, wenn Tuckers Kollege Jamie McDonald jemanden warnt, er werde ihm seinen iPod in den Hintern rammen und dann, um Musikstücke zu wechseln, ihm auf die Eier schlagen.

Und so wird miteinander umgegangen:

Also alles Leute, die ständig lieb zueinander sind. Trotzdem eine Empfehlung von mir, da einfach zu unterhaltsam. »Fuck that, thinking, logic, reason, talking…« Satire muss bissig sein, und The Thick of It ist ein gottverdammter Rottweiler mit Tollwut.

Für Neugierige beginnt die erste Folge der ersten Staffel hier:

(Die Reihenfolge ist: Staffel 1 [3 Folgen], Staffel 2 [3 Folgen], Rise of the Nutters, Spinners and Losers, Opposition Extra [Online-Bonus], Staffel 3 [8 Folgen])

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