Avatar hat wieder ein wenig für Ärger gesorgt. Beiträge wie der bei io9 schlagen ja in die selbe Kerbe wie meine eigene Kritik dieses Films, und natürlich kommen die Dumpfbacken wieder aus dem Unterholz: Rasse sei kein Problem, bla bla, und überhaupt, es sei ein Unterhaltungsfilm, warum solle man darüber nachdenken?
Nun habe ich bei CHUD das Zitat eines Kommentars auf io9 gefunden, das so passend ist, dass ich es hier mal eindeutsche.
Von allen nervigen Kommentaren, die es so gibt, der nervigste ist auf jeden Fall dieses “Warum kannst du den Film nicht als das akzeptieren, was er ist? Warum kannst du nicht einfach Spaß haben? Warum musst du den analyiseren?”
Wenn du einen solchen Kommentar geschrieben hast, wenn du einen solchen Kommentar schreiben wolltest, hier oder anderswo, lass mich dir einen Rat geben: Halts Maul! Halt dein gottverdammtes Maul. HALTS. MAUL.
Erstens, wenn wir Kunst analysieren, wenn wir nach einer tieferen Bedeutung suchen, dann erfreuen wir uns daran, was Kunst ist. Denn das ist eine der Sachen mit Kunst, ob nun hochstehend oder niedrig, ob für die Masse oder elitär: bei der Produktion hat jemand sich Gedanken gemacht – selbst wenn der Gedanke war: “Lass uns das so gedankenlos wie möglich machen” – und als Resultat kann man irgendeinen Gedanken darin ausmachen. Das ist einer der Gründe, warum viele Künstler (einschließlich James Cameron) gerne über ihre Arbeit sprechen.
Okay, das heißt nicht, dass du über ein Kunstwerk nachdenken musst. Ich kenne keinen, der sagt, ein beliebiges Werk kann nur durch bewusste, aktive Analyse genossen werden – oder wenn sie das sagen, sind sie selbst ziemlich nervig. Und ich kenne viele Leute, die lieber nicht darüber nachdenken, was sie konsumieren, und mit denen habe ich auch keinen Streit. Ich habe auch keinen Streit mit Leuten, die den Gedanken eines anderen über Kunst nicht zustimmen. Das sollte selbstverständlich sein. Außerdem sollte selbstverständlich sein, ist es aber anscheinend nicht: Glaub mir, die Person, die dich so sehr damit nervt, dass sie über Kunst nachdenkt? Die hat deine revolutionäre “einfach genießen”-Strategie schon erwogen, weil sie eben überhaupt nicht revolutionär ist. Es ist der Basiszustand für die Mehrheit der Menschen.
Also, wenn du Mühen auf dich nimmst, um anderen zu sagen, sie sollten nicht so viel nachdenken – dass es eine gute Einstellung ist, die Fähigkeit zu Vernunft nicht zu nutzen, dass man diese Einstellung sogar aktiv fördern solle – sagst du nichts besonders intelligentes. Und solange du nicht auf einer parallelen Erde lebst, wo zu viele Leute zu viel und kritisch über die Welt um sich herum und über sich selbst nachdenken, hilfst du niemandem; im Gegenteil, du förderst den Verfall.
Und am allernervigsten daran ist, dass du selbst an der Diskussion teilnimmst, wenn du deine dummen, dummen Kommentare abgibst. Im Grunde sagst du: “Ich denke, die Leute sollten nicht so viel denken und ihre Gedanken mitteilen, und dass ist mein Gedanke, den ich mitteile.” Wenn du wirklich glaubst, dass Leute einen Film einfach nur genießen sollen, ohne darüber nachzudenken, warum zur Hölle hast du dann (1) auf den Beitrag geklickt, um ihn zu lesen, und (2) dir die Mühe gemacht, einen Kommentar zu schreiben? Wenn dich das so stört, GEH UND GUCK EIN VIDEO MIT SÜßEN KATZEN.
Dazu sei nur hinzuzufügen, dass es außerdem noch Spaß macht, Dinge zu analysieren und über sie nachzudenken. Ansonsten: Word!

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