Irgendwann in den Sechzigern. Jenny (Carey Mulligan) ist sechzehn, hat gute Noten (außer Latein), spielt Cello und ist auf dem besten Wege, die Uni von Oxford zu besuchen, wo sie hofft, endlich selbst denken zu dürfen und die Musik zu hören, die sie will – ihr Vater will “keinen französischen Gesang” aus ihrem Zimmer hören. Nach einem Schulkonzert trifft sie den charmanten Lebemann David (Peter Sarsgaard). David bringt sie zu richtigen Konzerten und in rauchige Bars, er zeigt ihr “das wahre Leben”. Und Jenny ist verzaubert…

An Education (2009)
An Education erzählt allerdings auch von den Konsequenzen dieser Abkürzungen; am Ende sieht der vermeintlich langweilige Weg wie der Bessere aus, um sich zu verwirklichen. Diese realistische Wende ist vielleicht in Filmen halbwegs zu erwarten, aber dennoch ein krasser Gegensatz zu der Glitzerwelt, die anderswo vorgegaukelt werden und bei denen man nach dem Finale nichts mehr von den vermeintlichen Stars erfährt. Die Welt, die David Jenny zeigt, ist verführerisch und sicher nicht »böse«, aber wer sich nur in ihr aufhält, der reagiert schockiert, dass jemand Bücher lesen könnte, oder wenn jemand eine andere Sprache spricht.
Und das ist das Besondere an diesem Film: er zeigt beide Alternativen und verdeutlicht, dass es Alternativen sind, mit unterschiedlichen Folgen und Nebenwirkungen. David ist kein verführerischer Teufel, kein wirklicher Bösewicht, auch wenn er es mit dem Gesetz und der Wahrheit nicht so genau nimmt. Und Jennys Eltern sind altmodisch und verstaubt, aber keine fanatisch konservativen Idioten.
Neben diesen story- und drehbüchlerischen Details stimmt auch die Besetzung. Carey Mulligan erinnert an eine brünette Michelle Williams, ist in ihren Szenen mit David ebenso unschuldig wie sie in den Szenen mit ihren Schulfreundinnen die Frau von Welt gibt, ein Teenager eben. Peter Sarsgaard spielt den Dandy mit einer Form von Bodenständigkeit, die den Charakter realistisch macht; Alfred Molina und Cara Seymour sind ein tolles Reihenhaus-Elternpaar, und Davids Freunde sind durch Dominic Cooper und Rosamund Pike ebenfalls gut charakterisiert. Vor allem Pike als fast schon klassische Blondine, die sich in Jennys Gegenwart zwar manchmal unwohl fühlt – Jenny ist weitaus klüger und belesener –, aber sie dennoch in ihr Herz schließt, ist eine sehenswerte Nebenfigur, während Cooper den besorgten Freund geben darf.
An Education ist tatsächlich eine Besonderheit: ein Film, der ebensogut der Club der Toten Dichter oder Mona Lisa Smile oder sonst eine verlogene Fabel auf den Wert der Selbstständigkeit hätte werden können, den man sich ansieht und denkt, so würde das in Wahrheit nicht passieren. An Education ist natürlich auch ein Film mit entsprechenden Zugeständnissen, aber ein Film, bei dem es auch zum Happy End gehören kann, sich nicht völlig dem System zu verschließen.

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