Was macht Pornos aus? Für diesen Beitrag das Folgende: in Pornos zählt nichts mit Ausnahme des Sexaktes. Alle Dialogszenen, wenn es sie überhaupt gibt, dienen nur dazu, zum Sex zu kommen, wie diese bekannte Szene zeigt. Der Sex wiederum wird immer extremer, unrealistischer, anstrengender, um das bequeme Konsumentenhirn noch zu erreichen. Nur wenige Pornofilme versuchen überhaupt, den Sex in ernsthafte Handlungen zu fassen – vor allem in den Siebzigern sind hier Beispiele zu nennen – oder versuchen es umgekehrt ernstzunehmende Filme, expliziten Sex zu zeigen (z.B. Catherine Breillats Romance XXX), und noch weniger Filmen gelingt das auch. Womit wir bei der Analogie sind:
Hollywood produziert Pornofilme.
Der einzige Unterschied ist, dass es bei den Mainstream-Filmen nicht um Sex geht. Hostel geht es um blutige Folterszenen1. Transformers geht es um Action – oder besser um Effekte. Und es gilt jeweils, dass die Effekte extremer sein müssen, noch krasser, und dadurch – wie David Foster Wallace richtig ausführte – den Teufelskreis vollenden: weil diese Dinge Geld kosten, muss der Rest des Films, also Handlung und Darsteller, möglichst bekannten Mustern folgen. Dadurch zählen aber die Effekte noch mehr, wenn es um den Erfolg eines Films geht, und müssen daher wieder extremer werden, damit teurer, damit der Rest vorhersagbarer.
Wie bei Pornofilmen gibt es auch hier Filme, die versuchen, den Sex, der keiner ist, in eine vernünftige Story einzubetten. Iron Man gelingt dies bis eine gute halbe Stunde vor Schluss, die Batman-Filme von Christopher Nolan versuchen dies auch. Saw scheitert an der grotesk verzahnten Story, aber auch hier ist der Versuch zumindest ehrenwert. Das sind die Entsprechungen von Filmen wie bspw. L’Image oder The Devil in Miss Jones. Terminator 2 hat es geschafft, die Kurve zu kriegen, Avatar sieht so aus, als habe er nicht mal versucht, nicht geradeaus zu fliegen.
Das wäre alles noch akzeptabel, und ich könnte (vielleicht) sogar akzeptieren, dass Leute gerne ins Kino gehen, um sich folterlich oder auch herzschmerzlich zudröhnen zu lassen. Mit einem winzigen Problem: Ich behaupte bei Pornoschnippseln, bei denen es um Sex geht, nicht, dass sich die Dialoge sehen lassen können. Ich schreibe Pornofilmen keine Qualität zu – niemand würde Rocco takes Paris als guten Film verteidigen. Das kommt aber bei Effektporno wie Transformers vor.
In gewisser Weise hilft es mir, dass ich erkannt habe, dass sich da nur Leute echauffieren, die sich schämen, Pornos zu gucken. Die alte Playboy-Ausrede: “Ich lese das wegen der Artikel.”2 Nein, in den Kinosälen der Blockbuster findet in der Regel nur Massenselbstbefriedigung statt, verbunden mit leichter Scham im Abgang. Okay, aber bitte erzähl mir dann nicht, diese Filme taugten was.
Und ein weiteres Phänomen von Pornofilmen findet sich hier auch: die meisten dieser Filme sind überhaupt nicht sexy3. Der Sex geht so gerade für das durch, was man so braucht, aber das wars auch. Darum muss es ja immer extremer werden, weil die Neuheit die Bindung und das Zwischenmenschliche ersetzt, das eben in diesen Produktionen nicht erreicht werden kann.
Ebenso bei Mainstream-Pornos, in denen beispielsweise die Action so isoliert und unpersönlich daherkommt, dass sich nur noch dann etwas regt, wenn ein Auto durch einen Wolkenkratzer fährt, das Äquivalent von Triple Penetration. In diesen Mainstream-Pornos wird selbst der Action-Akt zerfasert und ohne Kunstfertigkeit inszeniert, weil alle wissen, dass es nur darauf ankommt, Großaufnahmen zu machen und laut genug zu stöhnen bzw. zu ballern. Noch schlimmer wird es dann, wenn für die richtige Altersfreigabe auch noch darauf verzichtet wird, ganz Hardcore zu werden, und zwar Hunderte sterben, aber nichts spritzen darf, weder Blut noch sonstwas.
Aber okay, die Analogie ist wohl genug strapaziert. Es bleibt der Aufruf an die Leute, die sich Transformers und andere, scheinbar den Untergang unserer Zivilisation andeutenden Filme ansehen: Gebt wenigstens zu, dass es Pornos sind, und tut nicht so, als hättet ihr einen wirklichen Film gesehen. Und gebt auch zu, wenn die Actionszenen scheiße sind, auch wenn da vielleicht ein Roboter die Beine hinter den Kopf steckt und ein anderer aus der größten Wumme ballert, die ihr je gesehen habt. Extrem heißt nicht unbedingt handwerklich gut. Und schließlich noch verzeiht bitte Megan Fox und Shia LaBoef, wenn sie in zehn Jahren reumütig zugeben, sie hätten es nur fürs Geld getan.
- Insofern handelt es sich zwar um “Folterporno”, aber ich will damit nicht sagen, dass den Zuschauern bei den Folterungen zwangsläufig einer abgeht. Es geht nur um die Stellung (ha!) der Folterszenen in der Hierarchie der Filmbestandteile [↩]
- ich weiß nicht, wie das heute ist, aber damals hatte Playboy sogar wirklich gute Artikel, aber trotzdem… [↩]
- es gibt natürlich Ausnahmen – meistens dann mit echten Paaren oder Solisten, denen man den Spaß ansieht [↩]

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