Zehn Jahre, zehn Filme: 9

Dies ist Teil 3 von 11 der Serie 10 Jahre Film

Stephenie Meyer, Laurell K. Hamilton, Charlaine Harris und zig Nachahmer_innen: sie alle beschreiben (mit mehr oder weniger literarischem Anspruch) Vampire als sexy Biester. Vampire sind wieder in. Ich kam also fast nicht umhin, zu den Filmen des Jahrzehnts auch einen Vampirfilm zu zählen. Da ich Durst noch nicht gesehen habe, kann man sich ja vorstellen, welcher Film nach dem Umbruch wartet.


So finster die Nacht (2008)

So finster die Nacht (2008)

Lât den rätte komma inSo finster die Nacht – ist ein Vampirfilm, ohne ein Vampirfilm zu sein. Wie ich in meiner Kritik bereits ausführte, wollte der Regisseur möglichst alle Hinweise auf Vampirismus entfernen, und heraus kommt ein Film, der immer noch eindeutig mit dem Mythos arbeitet, aber auf eine besondere, eigenwillige Art.

Hier ist der unsterbliche Vampir ein Monstrum – und einsam. Die Blut- und Gewalttaten kann man nicht schön reden, sie sind blutig und gewalttätig. Gleichzeitig wird aber auch Oskar Opfer von Gewalt, die immer mehr eskaliert, und seine Gewaltfantasien wiederum bedürfen keines Vampirs, um blutig zu sein. Oskar ist ein Außenseiter und ihm wiederfährt, was Außenseitern eben wiederfährt. Seine Eltern können ihn nicht auffangen – aber das Monster kann es.

Und wie tragisch die Vorstellung, dass ein im Kindesalter zum Vampir gewordenes Gehirn nicht altert, also nicht reift, immer im Kindesalter verhaftet bleibt, eine ewige Adoleszenz. Diese androgyne Kreatur, die sich einen Kinderschänder als Gehilfen hält, weil sie alleine als Kind nicht reisen kann, ohne aufzufallen. Es ist mehr Liebesgeschichte als Freundschaft, was sich zwischen Oskar und Eli abspielt, obwohl die beiden eigentlich dafür noch zu jung sind. Eine Liebesgeschichte, die für die beiden lebensrettend ist, für die Welt jedoch eher das Gegenteil bedeutet.

All das vor der düsteren, melancholischen Kulisse Schwedens, gefühlvoll inszeniert und von Kinderdarstellern erstaunlich umgesetzt. Kindheit, Erwachsenenwerden, Grausamkeit, Einsamkeit – und neben all diesen Themen fängt der Film auch noch Bilder ein, die das Genre definieren. Wenn Eli demonstriert, was passiert, wenn sie uneingeladen eine Wohnung betritt – scheiß auf die unsichtbare Wand bei Buffy.

In So finster die Nacht gibt es kein Happy End, für niemanden. Und trotzdem ist der Film nicht deprimierend. Am Ende ist es Oskar, der alleine in die Zukunft fährt, ein Kind, das sich verdächtig macht, und in einem Koffer das einzige Wesen transportiert, dem er sich nahe fühlt.

Ein virtuous inszenierter Film mit unterkühlter Stimmung, aber unter dem Eis brodelt das Blut. Ein Film, der berührt.

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