Zehn Jahre, zehn Filme: 8

Dies ist Teil 4 von 11 der Serie 10 Jahre Film

Es sollte klar sein, dass bei der Fülle von hervorragenden Filmen eine Liste, die sich auf zehn Filme beschränken muss, zwangsläufig aufgrund von persönlichem Geschmack entsteht. Bislang hatten wir zwei Filme, die mich berührten und beschäftigten. Auf Platz acht allerdings setze ich einen Film, der mich als intellektuelle Übung anspricht, einen Film, der ein ganzes, verhasstes Genre dekonstruiert und vorführt.

Vorhang auf!

Observe and Report (2008)

Observe and Report (2008)

Der Shopping-Center King wird von Seth Rogen dargestellt, der sich in den Komödien von Judd Apatow bereits dadurch hervorgetan hat, keine Schmerzgrenze zu haben. Nur dass Apatow das Genre der romantischen Komödie dadurch für Männer interessant gemacht hat, indem er darin nicht nur körperlich unattraktiven Männern perfekte Frauen zuschustert, die eigentlich viel zu gut für die Jungs sind, aber trotzdem bleiben. Frauen und Anerkennung sind die beiden Anhängsel, die bei Apatow Männer zu Siegern machen – Frauen als eigene Figuren: eher nein. Dieses Streben nach Anerkennung wird in plumpen Komödien wie Kaufhaus-Cop noch verstärkt, wo der “normal dumme Bürger” zum Helden wird.

Shopping-Center King nimmt diese beiden Komödienformen nun und seziert sie. Dazu bedient Regisseur Jody Hill sich ausgerechnet Rogen, dem Apatow-Helden, der auch noch körperlich dem Kaufhaus-Cop Kevin James ähnelt. Rogen als bipolarer Ronnie vergewaltigt eine Betrunkene, schlägt einen Räuber tot und lebt seine Heldenfantasie bis zum Ende aus. Mit jeder Minute Film rücken wir Ronnie stärker auf die Pelle, werden weiter auf seine Seite gezogen und sehen gleichzeitig die Abgründe, die sich in seiner Psyche auftun.

Am Ende ist klar: die Kaufhaus-Rambos mit ihrem Traum vom Polizistendasein sind nur deshalb keine Gefahr für die Öffentlichkeit, weil sie latenten Respekt vor dem Gesetz haben – beziehungsweise der mit dem Gesetz verbunden Macht – und weil sie ihre Pillen nehmen. Diese ungebildeten Soziopathen will man nicht zum Retter oder Beschützer haben. In den letzten Momenten ist es, als wende sich Ronnie direkt ans Publikum und fragte mit blutigem Lächeln: »Findet ihr das komisch?«

Die Antwort ist nein, das ist nicht komisch, aber zu viele Leute lachen zu oft über diesen Mist, weil er so weichgespült serviert wird. Ob Jody Hill nun dachte, dass er die ultimative Komödie schaffe, oder ob er bewusst das Genre zerstört, ist dabei unerheblich. Er zerstört es. Er zeigt in letzter Konsequenz, was da eigentlich als harmlose Unterhaltung über die Leinwände läuft, wie rassistisch, sexistisch, verdummend und verrohend das ist. South Park hat das ultimative Statement zu Scientology und den Mormonen abgegeben. Shopping-Center King ist das ultimative Statement zu Loser-Komödien und Judd Apatow. Ein Schlag ins Gesicht der dumpfen Masse.

Jetzt bitte noch jemand, der das für Michael Bay macht.

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