Zehn Jahre, zehn Filme: 7

Dies ist Teil 5 von 11 der Serie 10 Jahre Film

Manchmal tun deutsche Filmtitel richtig weh, z.B. in den Titeln für die einzelnen Folgen bei Buffy, die mit den offensichtlichsten Beschreibungen daherkommen. Aber selbst die sind meistens besser als das, was der deutsche Verleih sich zu dem nun folgenden Film überlegt hat. Das grenzt an Schadensersatzpflicht. Ein Film über die Entführung eines kleinen Kindes, in dem Kindesmord und Kindesmissbrauch ständige Bedrohung sind – und der Titel? »Kein Kinderspiel«. Da war wohl jemand besoffen. Ich werde also im Folgenden nur den englischen Titel verwenden.

Gone Baby Gone (2007)

Gone Baby Gone (2007)

Gone Baby Gone – der Titel erzählt von dem verschwundenen Kind aber auch davon, dass es bereits zu spät ist: »It’s gone, baby. Gone.« Erinnert ihr euch, wie Zodiac gelobt wurde, weil es die Obsession der Leute zeigt, die nicht davon ablassen kann, ein Verbrechen zu untersuchen? Jetzt ist die Zeit, darüber müde zu lächeln. Denn letzten Endes ist es nur das eigene Leben, dass die Helden von Michael Manns Film ruinieren, und wann ist es in der Wirklichkeit jemals so einfach?

Gone Baby Gone beschreibt den Zorn, den fühlende Menschen angesichts von Verbrechen gegen Kinder empfinden. Der Weg ist schon von vielen Filmen begangen wurden, zuletzt z.B. von The Brave One (auch, wenn dort kein Kind vorkommt): Das Opfer oder der Zeuge eines Verbrechens begibt sich in die Unterwelt und begeht später selbst Verbrechen. Gemeinhin wird dieser Abstieg entweder rückhaltlos vom Film gestützt (Jodie Foster) oder als verbrecherisch dargestellt. Harte Fragen, geradezu Dilemmata, kommen in Filmen nicht vor – oder besser: sie kommen vor und haben eine eindeutige Lösung.

Anders hier. Ist es rechtens, einem Verbrecher eine Knarre in die Hand zu drücken, damit sein Tod Notwehr war? Kann man einer schlechten Mutter das Kind wegnehmen, oder hat diese ein Recht darauf, es zu erziehen? Heiligt der Zweck die Mittel? Ist der Zweck überhaupt so heilig, wie man glaubt? Wer hat das Recht, so etwas zu entscheiden, wenn das Recht selbst (das Gesetz) es nicht tut?

Fragen, die offen gelassen werden. Die Figuren im Film beantworten sie, aber es bleibt offen, ob diese Antwort, die für sie die richtige ist, auch wirklich als richtige oder gute Tat bezeichnet werden kann (nicht unbedingt dasselbe).

Gone Baby Gone ist der seltene Film, der moralische Fragen stellt und dem Zuschauer tatsächlich zutraut, selbst ein Urteil zu fällen. In dem richtig und falsch nicht im Drehbuch stehen. Und bei all dem ist es ein spannender Thriller, die Jagd nach einem Kindesentführer, das Eintauchen in die Unterwelt und ein Bild der Arbeiterklasse in New Jersey. Gerade, weil der Film als Film so gut funktioniert, treffen seine Spitzen so genau. Ein kleines, feines Filmjuwel.

Series NavigationZehn Jahre, zehn Filme: 8Zehn Jahre, zehn Filme: 6

Post a Comment

Your email is never published nor shared. Required fields are marked *