Mit dem sechsten Film des Jahrzehntsrückblicks haben wir den ersten Film erreicht, in dem ich mich ganz persönlich angesprochen fühlte. Dieser Film ist einer der wenigen, denen ich zusprechen würde, meine Ansichten und Meinungen entscheidend beeinflusst zu haben. In ihm steckt ein Mantra, das mich bestärkt, das mich so gut vertritt, dass ich dem Zitat eigentlich kaum noch etwas hinzuzufügen habe. Der Gigant aus dem All ist großartig, Die Unglaublichen hat ansatzweise eine ähnliche Größe, aber mit diesem Film hat sich Brad Bird für mich zum respektablen Autoren entwickelt. Und all das mit Trickfilmen.

Ratatouille (2007)
»In gewisser Weise ist die Arbeit eines Kritikers leicht. Wir riskieren wenig, aber genießen dabei unsere Macht über jene, die sich und ihre Werke unserem Urteil stellen. Wir ziehen Gewinn aus negativen Kritiken – sie machen Spaß, beim Schreiben wie beim Lesen.
Dennoch müssen wir Kritiker der bitteren Wahrheit ins Auge sehen, dass selbst durchschnittliches Werk im Grunde genommen bedeutsamer ist als unsere Kritik. Manchmal aber riskiert ein Kritiker wirklich etwas, und zwar bei der Entdeckung und Verteidigung des Neuen.
Gestern Abend habe ich etwas Neues erlebt: ein außergewöhnliches Gericht aus völlig unerwarteter Quelle. Es ist eine krasse Untertreibung, wenn ich sage, dass die Mahlzeit und ihr Macher meine Vorurteile infrage stellten.
Sie haben mich in meinem tiefsten Inneren erschüttert. Ich habe nie ein Geheimnis aus meiner Abneigung gegen das berühmte Motto des Küchenchefs Gusteau gemacht: ›Jeder kann kochen.‹ Aber erst jetzt verstehe ich wirklich, was er meinte. Nicht jeder kann ein großer Künstler werden, aber ein großer Künstler kann von überall herkommen.«
Ja, ja, ja! Das ist es, die Essenz, Kunst und Kritik im Kommentar einer Trickfigur. Als Konsument und Kritiker möchte ich nichts anderes, als dass der Künstler ein Thema aufgreift, ein Medium, irgendwas – und damit etwas Besonderes schafft, etwas Neues, etwas Persönliches, etwas Überraschendes. Die meisten Filme sind das genaue Gegenteil: bis ins Detail durchgerechnet und nach Formular gedreht, Massenfertigung, Pappe.
Gleichzeitig beantwortet dies den ewigen Vorwurf, elitär zu sein: Es geht nicht darum, einen bestimmten Hintergrund zu haben, eine bestimmte Ausbildung oder sonst etwas. Es geht nur darum, das Besondere zu feiern. Wie gesagt, Ansätze dazu gibt es auch in Die Unglaublichen: »Wenn jeder etwas Besonderes ist, ist dann nicht niemand mehr etwas Besonderes?« Michael Bay ist nun mal nicht dasselbe wie Hitchcock. Jeder kann theoretisch ein großer Künstler werden – aber nicht jeder ist einer.
Und die Arbeit eines Kritikers ist vielleicht im Tagesgeschäft, Michael Bay niederzumachen, einfach weil die Zahl der Michael Bays so vergleichsweise groß ist. Leider läuft es oft andersherum, dass der plumpe Mainstream halt so mitläuft und gegen die Ausreißer dann Kampagnen gefahren werden. Nur mal Ute Lemper fragen. Denn die Aufgabe eines Kritikers ist es, das Neue zu verteidigen. Das können Comics wie V wie Vendetta sein, oder Filme wie Chihiros Reise ins Zauberland. Verteidigung des Neuen und Besonderen sowohl gegen die Masse als auch gegen die Snobs.
Wie gesagt, eigentlich steht das schon in Anton Egos Zitat. Darüberhinaus ist Ratatouille nett, aber es ist eindeutig dieses Element der Geschichte, das auf den ersten Blick “bessere” Filme aus dieser Liste verdrängt hat. Danke, Brad Bird.

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