Zehn Jahre, ein Film

Dies ist Teil 11 von 11 der Serie 10 Jahre Film

Paul Thomas Anderson. Charlie Kaufman. Hayao Miyazaki. Einer fehlt da ganz bestimmt noch, die Frage ist nur, gehört der da rein, und vor allem: so weit vorne? Überhaupt – habe ich nicht gerade noch geschrieben, das wäre kein so guter Film, wie man erhoffen könnte? Waren die anderen dann noch schlechter? Was ist los? Bin ich nur noch Fanboy? Behaupte ich wirklich, dieser Film ist besser als alles, was davor kam?

Ehrlich? Quentin Tarantino?

Inglourious Basterds (2009)

Inglourious Basterds (2009)

So schnell kann das gehen. Seit meiner ursprünglichen Kritik habe ich Inglourious Basterds noch drei Mal gesehen. Ich kann ehrlich sagen: ich lag falsch. Dieser Film ist ein Meisterwerk, wie es nicht im Buche steht, soll heißen: wo Charlie Kaufman einen unzugänglichen Film für ein paar komische Typen macht, da setzt sich Tarantino hin und macht Massenkino, und trotzdem genial.

Inglourious Basterds spielt mit den Genres und zitiert wie wild, aber das Besondere an Tarantino ist, dass er all sein Filmwissen nicht einfach nur auf die Leinwand schmeißt, sondern auch etwas damit macht, es transformiert, es sich zu eigen macht. Er macht etwas Neues damit. Hier macht er einen Actionfilm, der weitgehend auf Action verzichtet, einen Kriegsfilm, der Fantasieelemente enthält, einen Film über das Kino, in dem ein Kino abbrennt. Vor allem aber macht er einen brutalen Genrefilm, in dem die Brutalität des Genres seziert wird.

Bevor der Bärenjude dem deutschen Nazi den Kopf einschlägt, gibt der Deutsche sich als Träger des Tapferkeitsordens zu erkennen, und plötzlich ist dieser Nazi kein Judenmörder, sondern ein Held, der seinem Tod ins Auge sieht. Man kann dem wilden Bärenjuden gar nicht zujubeln, wie er mehrfach auf den Schädel und den Körper einprügelt, so sehr die Basterds auch jubeln. Und man kann am Ende nicht umhin, den Propagandafilm im Film mit dem Film selbst zu vergleichen und sich als Publikum ein wenig schuldig zu fühlen. Tarantino inszeniert Gewalt cineastisch, dass es eine Freude ist, und erinnert trotzdem daran, dass es Gewalt ist – genial.

Dazu die langen, spannungsschweren Einstellungen, die Dialoge – im Original gucken! –, Christoph Waltz, die ganze Besetzung, und Christoph Waltz. Waltz ist der Held des Films, und auch das erscheint gewollt. Je öfter ich Inglourious Basterds sehe, desto mehr erkennt man, dass Tarantino sich bei diesem Film im Griff hat, seine Instinkte einschränkt und der Sache dienen lässt, und es entsteht eine Sammlung von fünf Kurzfilmen, die sich als Puzzleteile ineinander fügen. Kein Moment, den man nicht genießen kann, dazu eine dominierende Frauenrolle und der Leinwandtot von Diane Kruger.

Dieser Film, meine lieben Leser, wird in fünfzig Jahren in jeder Filmklasse behandelt. Darauf wette ich.

Das Kino rettet die Welt. Der beste Film des Jahrzehnts heißt Inglourious Basterds.

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Comments 2

  1. avatar Florian Fiegel wrote:

    Bisher nur einmal gesehen. Aber: Ja, der Streifen ist wirklich ein Meisterwerk. Ob er in 50 Jahren noch in den Büchern steht: Wer weiß, vielleicht kommt da noch was größeres … ;)

    Posted 30 Dec 2009 at 11:39
  2. avatar Patrick wrote:

    Das will ich hoffen, aber Citizen Kane oder Casablanca oder so ist ja auch nicht “out” :)

    Posted 30 Dec 2009 at 11:46

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