Immer wieder schön, wenn in einer Diskussion um Religion die olle Kamelle kommt, Religion sei die Quelle unserer Moral. Nicht nur, dass eine nette Studie wenig überraschend zu dem Ergebnis kommt, dass “Gottes Wille” verdächtig genau mit den jeweiligen Ansichten des Gläubigen übereinstimmt und nur als Rechtfertigung dient. Nein, auch die vielen, vielen unmoralischen Taten und Aussagen von angeblich ach so gläubigen Menschen führen diese Idee ad absurdum. Diesmal hat moralischer Verfall in Indonesion für eine Naturkatastrophe gesorgt. In Uganda sollen Homosexuelle mit lebenslänglich oder gar der Todesstrafe belegt werden – eine überwiegend christliche Nation. Von den Kirchen und dem Papst hört man aber nur Aufregung um das Kruzifix-Urteil in Italien (oder vielleicht noch die Türme in der Schweiz), und in Spanien droht die Kirche Politikern, die Abtreibung unterstützen, sie nicht mehr zum Abendmahl zuzulassen.
Ach ja, und dann ist da noch Irland. Der Bericht über die Missbrauchstaten an Kindern unter kirchlicher Aufsicht ist erschienen, und er berichtet von vielhundertfachen Fällen von Missbräuchen, die allesamt totgeschwiegen wurden, solange es ging. Nicht einmal, als 1995 endlich ein Erzbischof die Polizei an die kirchlichen Akten ließ, machte er sie alle zugänglich, sondern nur 17 – obwohl zu diesem Zeitpunkt über mindestens 29 Priester Akten bestanden. Manche Priester wurden über hundert Mal auffällig.
Über diese Fälle zu schweigen ging auch moralisch in Ordnung, so die Kirche, denn da wurde nicht gelogen – und wir dürfen nicht vergessen, es gibt zwar das Gebot, kein falsches Zeugnis abzulegen, aber kein Gebot, keine Kinder zu missbrauchen. Denn es gibt den Geheimen Vorbehalt, der es erlaubt, Informationen zurückzuhalten, ohne zu lügen. Das sah dann so aus:
Auf die Frage nach Schweigegeldern für Missbrauchsfälle antwortete ein Kardinal: “Es wird kein Geld aufgewandt, um Missbrauchsopfer zum Schweigen zu bringen.” Das stimmte auch, weil der Kardinal im Präsens sprach, und die Gelder in der Vergangenheit benutzt wurden – also keine Lüge. Ebenso die Aussage: “Wir kooperieren mit der Polizei” – keine Lüge, weil nicht gesagt wurde, das man vollständig kooperiere. Was man eindeutig nicht tat.
Ganz ehrlich: Es gibt allenfalls einen deistisch-zurückhaltenden Gott. Die Bibel ist ein Buch, das alles rechtfertigen kann. Andere Glaubensrichtungen sind ebenso anfällig für Missbrauch und Unmoral. Glaube bewirkt ganz eindeutig nicht, dass Menschen sich gut verhalten, sondern (s.o.) sie rechtfertigen ihre eigenen Ansichten.
Es wird Zeit, dass die vielen aufrichtigen, guten Menschen, die sich als Christen verstehen, endlich einsehen, dass sie ihre Güte sich selbst verdanken, und diesen altertümlichen Aberglauben endlich abtun. Damit sich die ganzen Arschlöcher nicht mehr hinter der vermeintlichen Popularität ihrer Glaubensrichtung verstecken können und die Hierarchien in sich zusammenfallen.
Nicht jeder Atheist ist ein Humanist, geschweige denn ein guter. Aber wenigstens tun wir nicht so. Wir verkünden keine eine Wahrheit, kein göttliches Wissen. Uns darf man kritisieren, ohne lästerlich zu sein.
Es gibt1 keinen Gott, wie er von unseren Religionen erkannt würde, aber der Glaube an ihn sorgt immer noch jeden Tag für großen Schaden. Da ist Homöopathie nichts gegen. Und das ist traurig. Darum zum Abschluss was lustiges, ein Cartoon.

- mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit [↩]

Comments 2
Humanisten verkünden keine “eine Wahrheit”, nur wenn sie über den Klimawandel schreiben;-)
Posted 08 Dec 2009 at 18:25 ¶Hehe, aber das tue ich ja nicht als “Humanist”, sondern als verkündigter Prophet der Warmen Erde *g*
Posted 08 Dec 2009 at 18:32 ¶Post a Comment