Da man ja überall mit Klimaskeptikern zu tun bekommt, hier mal in Kopie ein kurzer Austauch per E-Mail von mir, mit einer_einem Bekannten, der_die natürlich anonym bleibt. Seine Einlassungen als Zitat eingerückt – wenn er_sie mich zitiert, ein Zitat im Zitat. Eine Einlassung von einer dritten Person formatiere ich als Zitat, kursiv.
Da die gesamte Diskussion knapp 5000 Worte umfasst, habe ich sie aufgeteilt. Heute gehts los.
Zur Vorgeschichte: ich hatte auf die YouTube-Videos zur Klimawissenschaft hingewiesen.
Natürlich kann man die aktuellen Erkenntnisse darstellen, und natürlich
führt das zu dem Denkmodell, das diejenigen, die diese Erkenntnisse
zusammenstellen, gerade haben. Wie sollte es anders sein? Dieser Satz
spricht m.E. Bände über die Denkweise:Jedenfalls eine sehr angenehme Präsentation, die das, was wir wissen, gut
einordnet zu dem, was wir vielleicht nicht wissen.Patrick, “was wir wissen” stellst Du uneingeschränkt, “was wir nicht wissen”
versiehst Du mit einem “vielleicht”. Für mich ist das nicht
wissenschaftlich. Ich hab mal gelernt, daß man Sachen wie
“Fehlerfortpflanzungsgesetz” ernst nehmen muß, und daß man auf der Basis der
Beobachtung eines einzigen Prozesses keine wissenschaftliche Theorie
aufbauen darf:– Welche Sicherheit hat es, wenn ein Mediziner den Krankenverlauf eines
einzigen Patienten über zig-Jahre beobachtet und daraus eine Theorie
entwickelt?
– Welche Sicherheit hat es, wenn die Klimaforscher die Entwicklung der
letzten 100 Jahre (einigermaßen brauchbar) aufgezeichnet haben und daraus
eine Theorie entwickeln?Nach üblichen Maßstäben müßte jeder Wissenschaftler jede Erkenntnis, die auf
nur einer einzigen Beobachtung eines einzigen Prozesses beruht, höchst
unsicher ansehen. Doch die Klimaforscher können ja nur einen Prozess und den
auch nur einmal beobachten. Sie kommen aus diesem Dilemma nie heraus und
werden prinzipiell immer höchst unsichere Aussagen machen – weil es gar
nicht anders möglich ist. Karl Popper hätte die Vorhersagen der
Klimaforscher vermutlich als völlig unwissenschaftlich angesehen, weil sie
ihrer Natur nach nicht widerlegbar sind. Ist Klimaforschung demnach
überhaupt eine Wissenschaft?
Das gleiche könnte man dann auch gegen die Evolutionstheorie anführen. Das Problem mit dieser Argumentation ist leider relativ offensichtlich.
Das Argument lautet ja: Die Wissenschaft beobachtet zwangsläufig nur das eine Klima auf unserem Planeten, also kann ihre Theorie nicht durch Messungen von anderen Planeten bestätigt / widerlegt werden.
Leider ist das zwar korrekt, aber seeehr vereinfacht gedacht, und auch der Grund, warum Karl Popper kein Problem mit der Klimawissenschaft hatte.
Zunächst die Analogie zur Evolutionstheorie: Hier haben wir Laborexperimente und Beobachtungen aus der Natur, wir haben geologische Beobachtungen und Messungen, Funde von Fossilien und Genvergleiche – obwohl wir nur die Evolutionstheorie der Erde betrachten, gibt es eine Vielzahl von verschiedenen Beobachtungswegen, die die Evolutionstheorie nicht widerlegen, sondern – auch wichtig – ihre Vorhersagen bestätigen.
Ähnlich ist es bei den Klimaforschern. Dort gibt es Modelle sowie Messungen von Satelliten, aus Eisschichten, aus Pflanzenmaterial, Laborexperimente zu Auswirkungen und “direkte” Beobachtungen aus der Natur, die allesamt auf die gleiche Schlussfolgerung hindeuten. Es werden Theorien aufgestellt, deren Vorhersagen bestätigt werden – oder auch nicht. Beispielsweise haben sich durch Messungen die Theorie, dass Sonneneinstrahlung für den Klimawandel der letzten Jahre verantwortlich ist, nicht bestätigt. Es sind diese verschiedenen Forschungsmethoden, die zusammenwirken, um der Theorie der globalen Erwärmung und der anthropogenen Ursache durch CO2-Ausstoß ihre Stärke zu geben.
Seriöse wissenschaftliche Gegenmeinungen werden gehört, getestet, und bislang abgelegt. Unseriöse Sachen und PR-Methoden (siehe auch DeSmogBlog.com) bleiben leider erhalten.
Insofern ist diese Kritik leider keine, die auf den Klimawandel zutrifft – das einzige, was man dadurch sagen könnte, ist, dass auf anderen Planeten das Klima womöglich anders funktioniere. Das hat aber für uns keine Relevanz, denn wir leben nicht auf Alpha Centauri Proxima, sondern der Erde. Und auf der Erde laufen die Wege eben in eine Richtung.
[Morgen gehts weiter.]

Trackbacks & Pingbacks 1
[...] interessiert vielleicht auch dieser längere Mailwechsel, den ich auf meinem Blog publiziert habe. Der Link führt zum ersten [...]
Post a Comment