AVATAR!!!!!!!! in 3D

Okay, das wird eine lange Vorrede. Zuerst gibts was aus dem Kino, dann im nächsten Absatz geht es um 3D. Dann danach im Absatz um die Technik. Und dann erst um den Film. Zum Kino: Im Vorprogramm liefen nicht nur schnarchige Trailer (Drachen zähmen war nur deshalb nicht das doofste, weil Die Konferenz der Tiere so schmerzhaft unhip war, wie es nur geht), sondern auch eine Werbung von ARD und ZDF, in der spielende und tobende Kinder gezeigt wurden. Dann kam die Stimme “Kinder wollen entdecken” und dann ARD und ZDF. Irgendwie wirkte das wie ein Anti-Spot: Kinder wollen entdecken, wenn sie das abtöten möchten, setzen sie die vor die Glotze. Laut losgelacht habe ich dann bei diesem Ültje-Spot. Wer, der geistig noch halbwegs gesund war, hielt das für eine gute Idee?

Avatar (2009)

Avatar (2009)

Zu 3D: 3D ist ein Gimmick. Im schlimmsten Fall (der Trailer zu Burtons Alice lässt das vermuten) wird da Zeug in Richtung Kamera geworfen, des Effektes wegen. Im besten Fall (Avatar ist so ein Fall) ist es einfach nur der gleiche Film mit etwas Tiefenschärfe, dafür anstrengenderem Sehen. Der Unterschied zu einem 2D-Film, ist vernachlässigbar. Dafür zahlt man aber mehr Geld – auch für die Brille, wenn man die aber wieder mitbringt, kriegt man trotzdem eine neue, man kann also nichts sparen, sondern die Devise für jeden einzelnen Besucher in allen 3D-Kinos heißt: nachher wegschmeißen, das Plastikding. Das ist SUPER für die Umwelt.

Zur Technik: Das vorneweg, Avatar ist ein verdammtes technisches Wunderwerk. James Cameron kann endlich die meiste Zeit Computern Befehle geben und braucht kaum noch Schauspieler, und die Farbenpracht, das Welten- und Kreaturendesign waren wirklich verblüffend. Auch weiß Cameron im Gegensatz zu anderen Leuten (*hust*Michael Bay*hust*), wie man Action… ach, wie man einen Film inszeniert und vernünftig mit Einstellungen umgeht, selbst wenn die komplett gerendert sind. Das einzige Manko war noch, dass alle Kreaturen haarlos waren, wohl wegen der Prozessorstärke. Ansonsten schon atemberaubend.

Zum Film: 162 Minuten?! Ich sage euch, als da plötzlich das Licht anging und ich realisierte, dass ich erst etwa die Hälfte des Films hinter mir hatte – ich wäre fast gegangen. Viel zu viel zu viel zu lange. Viel zu lange. Zu lange. Zuuuu laaange.

Cameron-Checkliste: frotzelnde Latino-Braut – Check. Große mechanische Exoskelette / Roboter: Check. Sigourney Weaver: Check. Komische zukunftsfeindliche Aussage: Check.

James Cameron ist es hoch anzurechnen, dass er aus seinem teuren Spektakel nicht ein simples Geballere machen will. Stattdessen behandeln die ersten etwas mehr als anderthalb Stunden nur unsere Hauptfigur Jake (Sam Worthington), wie er durch seinen Avatar die fremde Welt der Na’vi (Apostrophe machen aus allem totaal fantasievolle Namen) erkundet. Cameron will eine Geschichte erzählen. Super!

Nur… was für eine Geschichte: Da gibt es ein paar dunkelhäutige Wilde (die Na’vi werden von Schwarzen oder Indianern gespielt). Diese werden von den bösen Weißen wegen ihrer Bodenschätze bedrängt. Aber es gibt auch ein paar Wissenschaftler die (mit Avataren, Na’vi-Körpern, die sie geistig fernsteuern) das Naturvolk untersuchen. Und die Na’vi sind so naturverbunden, dass sie sogar wirklich mit der Erde und den Tieren kommunizieren können. Echt! Aber die Wissenschaftler sind zu verblendet in ihrem szientistischen Denken, da muss schon der ungebildete Marine Jake kommen, um das Vertrauen der einfachen Wilden zu erlangen.

Jake wird denn auch nach einer gefährlichen Initiation in den Stamm aufgenommen und darf sich dann, wie es sich für Männer gehört, eine Frau wählen. Er wählt die Tochter des Häuptlings – natürlich gibt es einen männlichen Häuptling und eine weibliche Hexe – und die findet ihn auch ganz toll, so wie Pocahontas. Dann greifen aber die bösen Weißen an, und die Wilden schießen vergebens mit Pfeilen auf die Metallmaschinen der Weißen, ohne zu merken, dass das keinen Sinn hat. Zum Glück ist der Weiße Jake ein viel besserer Wilder als die Wilden selbst und außerdem der Auserwählte, um die Stämme zu vereinen und in den Krieg gegen die Weißen zu führen.

Ächz. So eine paternalistische Rotzkacke, die schlimmsten Dschungelklischees vereint. Natürlich ist das alles von Trommelmusik und afrikanischen Gesängen untermalt – halt! Die Musik der Na’vi wurde eigens komponiert und klingt nur afrikanisch? Pfft. Die Wilden tragen auch nur Lendenschurze und so Ketten, die immer und überall die Nippel – und nur die Nippel – der Frauen verbergen. Es gibt ein Ritual, in dem alle Na’vi sich in den Boden einstöpseln und dann singen, ganz wie bei den Naturvölkern. Sie fauchen natürlich auch und haben Indianer-Kampfschreie (siehe Karl-May-Filme). Und sie brauchen den dummen Marine, der sie rettet, weil sie das alleine nicht können, und Wissenschaft oder Fortschritt das natürlich auch nicht können.

Der Bodenschatz der Na’vi ist übrigens “Unobtanium”. Ehrlich: “Nichtzukriegendes”. Da kann man das auch gleich MacGuffin nennen. Aber in Wahrheit ist der Schatz der Na’vi ihr Wald, der ist nämlich wie ein Gehirn vernetzt, und lebt!

Cameron hat am Ende genau eine Chance, noch halbwegs die Kurve zu kratzen, wenn er die Sache nämlich zur Tragödie macht. Wenn die gut ausgerüsteten Marines die dummen Wilden einfach niederschießen. Aber dann wehrt sich die Erde selbst und hilft, und es gibt also die große Göttin, und alles wird gut, wie im echten Leben. Ewoks besiegen das Imperium. Wenn sie ein Weißer anführt und ihnen sagt, was sie zu tun haben.

Noch eine Frage: Sam Worthington macht seine Sache recht gut, auch wenn es darum geht, Rollstuhl zu fahren. Wenn man einem Charakter aber eine so nutzlose Motivation mitgibt (er hätte auch genauso gut laufen können) – warum nimmt man dann nicht einen echten Rollstuhlfahrer? Aber wer die Wilden von Schwarzen (und einem Indianer) spielen lässt…

Wohlgemerkt glaube ich, dass James Cameron eine naturverbundene Umweltbotschaft verfilmen wollte, und Fortschritt ist bei ihm ohnehin oft der Bösewicht. Aber wenn er sich nicht klar ist, wie abgedroschen und problematisch der Plot ist, macht das die Sache auch nicht besser.

Technisch ist das Ding grandios, aber die Story ist sowas von durchgenudelt und altbekannt und, wenn man drüber nachdenkt, sogar ärgerlich, dass 160 Minuten einfach zuuuuuuu laaaaaaang sind. Langweilig ists. Keinesfalls unterste Schublade, aber die Lobreden in der Presse zeigen nur, dass Filmkritiker ruhig sterben dürfen. Sie haben nämlich keine Ahnung.

Comments 13

  1. avatar Anonymous wrote:

    Du Vollidiot! Du bist der de keine Ahnung hat!

    Posted 27 Dec 2009 at 18:58
  2. avatar Patrick wrote:

    Du hast mich überzeugt!

    Posted 27 Dec 2009 at 19:46
  3. avatar Anonymous wrote:

    Ich bereue es, den Mist hier gelesen zu haben.

    Posted 31 Dec 2009 at 01:50
  4. avatar Patrick wrote:

    Das tut mir leid. Aber mit deinen detaillierten Angaben kann ich den Text super verbessern. Danke dafür!

    Posted 31 Dec 2009 at 11:41
  5. avatar chriss wrote:

    die meinung ist scheiße nicht der text

    Posted 04 Jan 2010 at 17:18
  6. avatar Patrick wrote:

    Ach so, na dann hast du mich gerade natürlich eines Besseren belehrt. Danke!

    Posted 04 Jan 2010 at 17:46
  7. avatar Fredey wrote:

    Also, eins muss man dir lassen: überzeugend und unterhaltsam formulieren kannst du… Wenn man den Film gesehen hat ist das “überzeugend” allerdings schnell dahin! Wenn der Film so schlecht ist, wie du sagst, wie lautet dann deine Erklärung für die alle Rekorde brechende Zuschauerzahl und die fast ausnahmslose Begeisterung für den Film? Unerklärlicher Massenwahn? Ich weiß nicht ob du es dir mal durch den Kopf hast gehen lassen, aber was die Menschen heutzutage beschäftigt, sind genau die Dinge, die du als “banal” und “durchgenudelt” bezeichnest. Wie würde sonst der immer wieder vorkommende Erfolg neuer Liebesfilme und -komödien zu erklären sein? Ist das kein “durchgenudeltes” Thema?

    Also, ICH finde den Film, und zwar sowohl die technische Umsetzung als auch die Themen und die Handlung, gelungen und sehenswert und wer ihn noch nicht gesehen hat, der sollte sich von diesem Artikel nicht davon abhalten lassen! Trust me ;)

    Posted 25 Feb 2010 at 21:51
  8. avatar Patrick wrote:

    Oh je… Erfolge sagen leider nur sehr wenig über Qualität aus. Im Falle von Avatar ist der Erfolg m.E. den folgenden Dingen geschuldet:

    1) ist er technisch wirklich herausragend, und viele Leute sehen ihn mindestens einmal, einfach weil man in “gesehen haben muss”
    2) ist er oberflächlich anspruchsvoll, was bedeutet, dass Leute sich ähnlich wie bei Matrix klug vorkommen, weil sie erkennen, dass man die Natur nicht unnötig schädigen sollte
    3) ist der Film ein Phänomen an sich, über das überall geschrieben wird, was bedeutet, dass auch noch der soziale Druck entsteht, in den Film zu gehen, selbst wenn man normalerweise nicht gehen würde, einfach um mitreden zu können. Die Oscar- und andere Preisnominierungen tun da ihr Übriges – es ist ein Selbstläufer.

    Aber welchen Film hat Avatar abgelöst? Titantic. Und wer spricht heute noch bewundernd von Titanic? Genau, keiner. Und in fünf Jahren, wenn die Technik von Avatar normal ist, spricht auch hiervon keiner mehr.

    Posted 25 Feb 2010 at 23:18
  9. avatar Anonymous wrote:

    noch son trottel-.-
    avtar is so ziemlich der beste film den es gibt^^

    Posted 02 Mar 2010 at 18:09
  10. avatar till nr.10 wrote:

    wo gibt es avatar in 3d???

    Posted 07 Mar 2010 at 09:03
  11. avatar till nr.10 wrote:

    könntet ihr mal das mir sagen:-)

    Posted 07 Mar 2010 at 09:05
  12. avatar Patrick wrote:

    :)

    Ernsthaft, in den großen Multiplex-Kinos (Cinemaxx, UCI oder wasweißich) gibt es wahrscheinlich auch eine 3D-Version dieses Films zu sehen.

    Posted 07 Mar 2010 at 13:38
  13. avatar Kylearan wrote:

    Kurz zwei Dinge, die ich sagen möchte.

    1. Ich fand die Handlung nicht so schlimm, denn die Erwartungshaltung war die an Unterhaltung primär durch technische Brillianz. Also voll erfüllt.
    (Gut, ich schaue mir auch sonst gerne Filme und Serien an, die du als Müll empfindest. Ich passe also nahezu perfekt in die Cameron-Zielgruppe. Sigourney Weaver – CHECK).

    Übrigens fand ich den Film nicht zu lang, auch nicht beim zweiten Mal und dem Wissen, nur wenige Stunden später wieder geweckt zu werden.

    2. Ich finde Titanic gut, wenngleich mich da das technische Boohey um die – zugegebenermaßen und erwartungsgemäß triviale – Geschichte gestört hat. Für mich gilt halt KISS (Keep It Simple, Stupid.)

    PS: Anonym solchen Mist zu schreiben finde ich erbärmlich.

    Kylearan

    Posted 01 Apr 2010 at 17:37

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