Wissenschaftsdenken und -journalismus

Als Leser des Humanistischen Pressedienstes hatte ich heute ein Problem. Gleich zwei Nachrichten in Online-Zeitungen wurden da verlinkt, die ziemlich furchtbar waren. So furchtbar, dass es schwierig ist, dazu was zu formulieren. Da ist einerseits der Kommentar Wahn und Wissenschaft. Darin wird vom islamischen Opferfest gesprochen und von einer hinduistischen Entsprechung. Beide Feiern beinhalten Tieropfer, um Gott / die Götter genügsam zu stimmen.

Und dann…

Allerdings hat die säkulare, angeblich aufgeklärte Gesellschaft wenig Grund, solch atavistisches Brauchtum zu verdammen. Allein die Millionen Tiere, die alljährlich in dubiosen Versuchen geopfert werden, verbieten dies.

Sprachlos machte mich da nicht die Tierversuchskritik – die gibt es ja in uninformierten Kreisen sehr häufig. Dass die allermeisten Tierversuche streng reglementiert sind und keineswegs leichtfertig unternommen werden, ist dabei egal. Dass Tierversuche fast ausschließlich bedeuten, dass die Alternative ein Test am Menschen gewesen wäre (und der nächste Schritt ist), ebenso. Dass es ein ethisches Abwägen zwischen dem Interesse des Tieres, nicht zu leiden, und der möglichen Verhinderung menschlichen Leids ist, auch.

Nein, sprachlos macht mich, dass da jemand tatsächlich Tierversuche mit ihrer wissenschaftlichen Indikation, die einem bestimmten, plausiblen Forschungszweck dienen, mit religiösen Opferschlachtungen vermischt, deren Ziel es ist, unbestimmte und implausible Gotteswesen zu unbestimmten Reaktionen zu veranlassen. Genauso gut könnte man die Praxis, ein Schälchen Reiswein für die Ahnen aufzustellen, damit vergleichen, Instrumente mit Alkohol zu sterilisieren. Weil bei beidem Alkohol im Spiel ist. Ein derart unqualifzierter Schwachsinn sollte sich in egal welcher Zeitung eigentlich nicht finden.

Dann las ich allerdings den zweiten Artikel: Evolution ist eine heidnische Religion. Ich konnte jetzt nicht feststellen, dass der “Zürcher Oberländer Anzeiger” eine Nischenzeitung irgendwelcher Fanatiker ist, daher macht mich dieser Artikel ebenso sprachlos. Berichtet wird von einem Treffen zum Verhältnis Evolution und Kreationismus, gesponsert von einer konservativen Partei:

Die Evolutionstheorie widerspreche grundlegend den Gesetzen der Naturwissenschaft und sei eine heidnische Religion, behauptete Liebi während seines Referats.

Es ist ein kurzer Text, dieser Artikel, der komplett einseitig die Argumente des Kreationisten im Konjunktiv wiederholt. Da steht unwidersprochen, die Evolutionstheorie widerspreche grundlegend den Gesetzen der Naturwissenschaft. In einer Zeitung. Unwidersprochen.

Es geht also noch schlimmer als im Neuen Deutschland. Wie gesagt, sprachlos.

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