Taken

Zwei Momente muss ich mir für eine Besprechung von Taken von der Seele reden. Der erste Moment kommt, als die siebzehnjährige Kim (Maggie Grace) ihren Vater Bryan (Liam Neeson) bittet, in Paris Urlaub zu machen. Denn dies ist der Moment in der Geschichte, in der Taken sich als rechtskonservative Wichsvorlage outet. Bryan, der nicht nur seinen Job für seine halbwegs undankbare Tochter aufgegeben hat, sondern auch seine ganze Zeit nur damit verbringt, ihr, seiner Exfrau und dem neuen Ehemann hinterher zu spionieren – er ist immerhin ein ehemaliger Geheimagent –, warnt Kim vor Europa. Es sei nicht sicher, schon gar nicht für zwei siebzehnjährige Mädchen. Die Welt ist ein böser Ort, und wenn Bryan verlangt, dass seine Tochter sich nach jeder Aktivität telefonisch bei ihm meldet und ihm alle Adressen und Telefonnummern mitteilt, wo sie vielleicht zu erreichen sein könnte… dann ist das nicht übertriebenes Stalking, sondern gerechtfertigt.

Denn kaum eine Stunde nach der Ankunft in Paris wird Kim samt ihrer Freundin von Mädchenhändlern entführt.

Taken (2008)

Taken (2008)

Um die Story von Taken zu schlucken, muss man akzeptieren, dass Europa und insbesondere Frankreich ein korruptes Nest von Unmenschen ist, denn jeder. einzelne. Mann, dem Bryan begegnet, steckt in dem Verbrechenssumpf mit drin, der davon lebt, dass junge Touristinnen geraubt, drogensüchtig gemacht und prostitutiert werden. Junge, gut situierte Amerikanerinnen sind in Paris in höchster Gefahr.

Das ist der eine Moment. Der andere Moment kommt, als Bryan einen der Entführer endlich in seiner Gewalt hat und binnen kürzester Zeit ein Geständnis erfoltert und nützliche Informationen bekommt. Das geht mir in Zeiten von Guantanamo und “extraordinary rendition” echt auf den Zeiger. Folter funktioniert nicht. Folter schafft keine verlässlichen Ergebnisse. Und wenn man schon kurzfristig versucht, etwas zu erpressen, dann wird die Androhung von Schmerz viel, viel besser als das Zufügen desselben. Was ein Spezialagent wissen sollte.

Aber nein, Taken tut nur eins: an unser Echsenhirn appellieren. Die Gegenspieler sind allesamt lebensunwerte Monstren, die ruhig gefoltert oder getötet werden können, ohne moralische Zweifel aufkommen zu lassen, und nebenbei sehen wir ein paar junge Modelerscheinungen in schmutzigen und knappen Outfits, damit man seine eigene Retterfantasie spielen lassen kann – aber bloß nichts sexuelles, denn Bryan ist ein Vater und damit asexuell. Auch geht er nicht etwa gegen Menschenhandel vor, sondern er will nur seine eigene Tochter retten. Der Rest ist eigentlich ziemlich egal und nur nebensächlich tragisch.

Das alles klingt ziemlich negativ, und das soll es auch. Aber ich muss auch zugeben, dass Taken diese eine Sache, auf die es aus ist (die Sache mit dem Echsenhirn), ziemlich gut macht. Liam Neeson ist eine krasse Sau und kompromisslos, und wie er im Alleingang diese ganze korrupte Mischpoke aufmischt, ist gut inszeniert. Und ganz am Ende darf Daddy dann sogar der Held sein, natürlich auf amerikanischem Boden. Und ja, mir ist bewusst, dass die Filmateure keine Amis sind – es sind Franzosen, was den Film fast schon zu einer nationalen Abrechnung macht –, aber auch Roland Emmerich macht unsäglichen patriotischen Scheiß, ohne Ami zu sein.

Ganz so schlimm ist es hier nicht. Taken ist ein Film in Ausleihqualität mit ziemlich üblem Unterton. Wenn man den ignorieren kann, kann man hier unterhalten werden. Mir gelang dies nur in einzelnen Momenten. Immerhin, so was kann Transformers nicht von sich behaupten.

Post a Comment

Your email is never published nor shared. Required fields are marked *