Der Online-Ableger der SZ verwirrt mich durch homoerotische Liebeserklärungen. Verteidigungsminister von Guttenberg hat dort anscheinend einen sehr fanatischen Fanclub, denn neben “VIP-Klick: Guttenberg schlägt sie alle”, “Wie sexy ist der Minister?” und “Gestatten, Bundes-Womanizer” gibt es auch die Stilkritik: Guttenberg, selbstleuchtend, die mich religiös werden und beten lässt, dass es sich dabei um eine Satire der Medienberichterstattung handelt.
Oder eben um besagte Liebeserklärung.
Er trug eine sehr schöne dunkle Jacke von Loro Piana, natürlich 100 Prozent Kaschmir, mit elfenbeinfarbenem Innenfutter. Sein grauer Turtleneck, mutmaßlich ebenfalls Kaschmir, harmonierte farblich und sogar stilistisch mit der schwarzen Splitterschutzweste. Die feste Freizeithose im Farbton desert tan bot mit ihren praktischen aufgenähten Seitentaschen einen dezenten Kontrapunkt.
Sie signalisierte, dass der Hindukusch jenseits von Obi liegt. Außerdem passte sie zu den dunkelbraunen Wildleder-Clarks. Kein Zweifel, dies ist der eleganteste Minister, der jemals Regionen besuchte, in denen es zu kriegsähnlichen Auseinandersetzungen kommt.
Verdient jemand mit so etwas Geld? Damit, den Besuch eines Verteidigungsministers dort, wo Deutschland Krieg führt, wo täglich Menschen sterben – auch in deutschen Bombardements – einzig unter dem Gesichtspunkt von Anzüglichkeiten zu sehen?
Ich weiß gar nicht, wie man da Kritik üben soll, so sehr sprengt dieser “Artikel” meine Vorstellungen von der Realität, noch dazu, wo er anscheinend sogar in der SZ am 14.11. abgedruckt wurde.
Dieser verbale Fellatio, den Kurt Kister da an seinem Unteroffizier und Dressman verübt, stinkt nach einer Verehrung, wie sie unpassender kaum sein kann. Da werden Bob Dylan und Rudyard Kipling bemüht, und dann wird gänzlich unironisch der Verteidigungsminister auch zum Kaschmir-Minister.
Wollen wir nur hoffen, dass sich unser sexy Kaschmir-Womanizer nicht die Haare färbt. Dann wäre er wahrscheinlich nicht mehr tragbar. Politisch, meine ich.

Post a Comment