Gamer

Erinnert sich noch jemand an Running Man? Damals war Arnie ein zu Unrecht Verurteilter, der in einer Gladiatorenshow ums Überleben kämpfen sollte. Er entkam der Show, wurde für tot erklärt, aber dann deckte er mit Hilfe des Untergrundes auf, dass die Sendung Unschuldige zu Verbrechern machte, und tötete den Showmaster (und die Gladiatoren). Ein schnörkelloser Actionfilm mit einem Hauch Medienkommentar.

Gamer ist ein Remake, aber weder schnörkellos noch sonstwas.

Gamer (2009)

Gamer (2009)

Der Plot von Gamer hat einen überlebensgroßen Nachteil: Second Life und das Internet mit BMEzine und was weiß ich. Gamer will uns weismachen, wenn Menschen andere Menschen als Avatare steuern könnten, dann ergäben sich daraus nur sexuelle Exzesse und nicht etwa Leute, die mal Selbstmord ausprobieren oder einen bewaffneten Banküberfall. Insofern erübrigt sich schon die Grundidee, nach der diesem »Society« genannten Real-Second Life die Killershow »Slayer« folgt, in der man in Ego-Shooter-Manier Todeskandidaten steuern kann; wenn ein Kandidat 30 Kämpfe überlebt, kommt er frei.

Der »Held« der Geschichte ist Gerald Butler, der kurz vor dieser 30 steht, der Bösewicht ist der Spieleerfinder, der die ganze Welt beherrschen will – was dem »Helden« aber egal ist. In meiner ersten Fassung dieser Kritik bin ich dezidiert auf den Plot eingegangen und warum dieser abstrus und inkonsistent ist, aber jetzt will ich es mit einem Vergleich versuchen: Nehmt den bescheuertsten Videospielplot, den ihr kennt, die unsinnigste aller Geschichten. Der Autor dieses Plots würde Gamer sehen und sagen: Was für ein Unsinn!

Kennt ihr das Geheimnis von Actionszenen? Sie sind dann spannend, wenn etwas auf dem Spiel steht, und der Zuschauer weiß, was auf dem Spiel steht. Wenn sie ein Ziel haben. Die ersten Actionszenen von Gamer haben weder innerhalb des Films noch narrative Ziele. Sie dienen einzig dazu, Geballer zu zeigen, bei denen Menschen zwar blutig auseinanderfliegen, aber die dem »Helden« zugefügte Gewalt trotzdem kraftlos ist. Wenigstens, und da dürfen wir dankbar sein, ertönt nur zweimal das gruselige Cover von Sweet Dreams von einer sich gerade gut verkaufenden MTV-Klongruppe. Dafür tanzt und singt der Bösewicht beim Showdown zu Frank Sinatra – und das ist leider ebenso unpassend für den Rest des Films wie der Moment, indem ein betrunkener Kämpfer sich in den Tank eines Autos erbricht und hineinpinkelt, um es als Kraftstoff zu benutzen. Also kein absurdes Meisterwerk.

Aber gut, ich bin nicht die Zielgruppe, weil ich ansatzweise konsistente Plots oder eineinvierteldimensionierte Figuren will. Die Zielgruppe sind Jungs, die Computerspiele spielen. Wie sieht Gamer diese »Gamer«? Wir sehen drei: Einer ist ein verzogener reicher Bengel, der aber am Ende irgendwas machen darf. Einer ist eine Frau mit Oberlippenbart (wir sehen nur den Bart und hören ihre Stimme), die einen männlichen »Society«-Avatar hat, und einer ist ein fetter, nackter, schwitzender, fressender und sich an Mord aufgeilender (ehrlich, er masturbiert) Kerl, der die Frau des Helden als Avatar für »Society« gekauft hat. Gamer ergötzt sich daran, was für niedere und unmenschliche Kreaturen Computerspieler sind – als Film für eine längst umfassend mit dem Computer vertraute Generation ein hoffentlich tödlicher Schnitzer.

Meine Betrachtung von Gamer lief folgendermaßen ab:
(1) Das ist wohl die Zukunft. Sieht aus wie heute. Mit Scheißmusik. Also wie heute.
(2) Ah, der Held. Ui, blutig und brutal. Könnte was werden.
(3) Was? Nein. Niemals.
(4) So ein Unsinn.
(5) Oh Gott, wann geht der Film endlich los. Ist ja gut.
(6) Ethanol pinkeln? Wenigstens lustig.
(7) Also bitte.
(8) Is klar.
(9) Hallo? Wie jetzt?
(10) Nein, nein, nein, nein, nein.
(11) Ist es vorbei? Bitte mach, dass es vorbei ist.
(12) … Sinatra? Hilfe!
(13) Ui, das war spannend.
(14) Oh Gott, so ein Unsinn.
(15) Abspann! Hurra!
(16) Ob nach dem Abspann noch was… lieber schnell ausmachen.

Langweilig, unsinnig, zynisch der Zielgruppe gegenüber. Gamer ist der Film, den die CDU über Videospiele und Internet drehen würde: Nicht mal genug Phantasie, was wirklich Schlechtes zu machen.

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