Wanted

Wanted ist schwer zu kritisieren, zumindest, wenn man etwas Neues sagen will. Schließlich sagt Wanted das Meiste selbst. “Das Beste am Feierabend ist, dass morgen alles wieder von vorne beginnt.”1 Nein, das ergibt keinen Sinn, und ist symptomatisch für die “Qualität” des “Drehbuchs”: Nicht einmal einfache Meckereien kriegen die richtig hin.

Wanted (2008)

Wanted (2008)

Wanted ist die schlimmste Art der Wunscherfüllung. Die Hauptfigur ist der frustrierte Bürosklave Wesley (James McAvoy), der von seinem “besten Kumpel” und seiner ständig meckernden Freundin betrogen wird; er hat eine fette, ständig meckernde Karikatur von einer Vorgesetzen. Dann erfährt er, dass er der Sohn eines Meisterassassinen ist, wird in die Geheimloge aufgenommen, weil er übernatürliche Talente hat, und arbeitet mit der forschen aber potentiell erreichbaren Sexgöttin Angelina Jolie zusammen. Er ist reich, und die Sexgöttin wird natürlich dabei helfen, die Freundin eifersüchtig zu machen, weil sie dann sofort wieder von ihrem Lover wegwill, und weil dieses – kurz und bündig – Arschloch von einem Typen unser Held ist, darf er nicht nur seine fette Chefin vor versammelter Mannschaft runterputzen, sondern seinem Kumpel auch noch eine Tastatur in die Fresse pfeffern. Er ist eben der Auserwählte, der darf das.

Es dauert auch nur wenige Wochen, dann ist dieser Schlumpf der beste Attentäter der Loge. Die Loge tötet Menschen, deren Namen ihnen ein magischer Webstuhl verrät – eine groteske Allmachtsidee, die nicht wirklich von Wanted zurückgewiesen wird. Es gibt allerdings mehr als einen Webstuhl – einer steht in “Istanbul, Arabien” – und es gilt die gänzlich uninteressante Frage, wem Wesley nun glauben wird.

Die Story ist hanebüchen, die Charaktere so unsympatisch, wie sie nur sein können, und trotzdem macht Wanted damit nicht den entscheidenden Fehler. Der entscheidende Fehler ist vielmehr, dass die Assassinen einerseits unfehlbare Meisterschützen sind – sie schießen sogar um die Ecke – und gleichzeitig einander beständig verfehlen. Das ist in hektischer, aber nicht mal unrettbarer Weise inszeniert, aber auch hier wieder ohne wirkliche Ideen – Shoot’Em Up putzt sich mit Wanted in dieser Beziehung den Hintern ab. Es gibt nur einen Moment, in dem der Film so verrückt und abstrus wird, dass er Spaß zu machen beginnt, obwohl selbst hier die Schraube noch zu weit angezogen wird, und das ist bei explodierenden Ratten kaum möglich.

Wanted ist ein strunzdummer Film, der nicht einmal weiß, wann genug ist. Am Ende sagt Wesley abschätzig, noch vor kurzem sei er “gewöhnlich und jämmerlich wie wir” gewesen, dann spricht er in die Kamera: “Was zur Hölle hast du zuletzt getan?” Die Implikation ist, dass Wesley einerseits der große coole Macker ist und der Zuschauer andererseits ein fauler Sack, der sich, anstatt die Welt zu retten, lieber Mist wie Wanted ansieht. Was, zugegeben, ein ernsthafter Kritikpunkt ist.

  1. Original: “The best thing about the end of the day is that tomorrow it starts all over again.” []

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