Zunächst eine kleine Einführung: KBR ist eine ehemalige Tochterfirma von Haliburton, die im Irak einige lukrative Bauaufträge bekommen hat. Jamie Leigh Jones war eine der Frauen, die für KBR an diesen Aufträgen arbeitete – und sie ist eine der Frauen, die während ihrer Arbeit für eine der Auftragsfirmen im Irak vergewaltigt wurde und anschließend Probleme hatte, den Vorfall überhaupt einzuklagen.
Und das ging so.
Jones wurde von ihren Kollegen unter Drogen gesetzt und danach vergewaltigt, und zwar von einer ihr unbekannten Zahl von Männern. Dabei trug sie Prellungen, Blutungen und sogar ein gerissenes Brustimplantat davon. Damit Jones aber keine medizinische Untersuchung bekam, welche die Vergewaltigung beweisen würde, sperrte man sie in einen Frachtcontainer.
Aus diesem Container entkam sie nur, weil einer ihrer Bewacher ihr erlaubte, sein Handy zu benutzen. Jones rief ihre Eltern an, diese verständigten ihren Kongressabgeordneten und dieser wiederum schaffte es, sie in die USA zu bringen und versorgen zu lassen.
Damit war die Geschichte aber nicht zu Ende. Als Jones damit vor Gericht wollte, teilte man ihr mit, dass sie mit allen beruflichen Querelen vor ein Schiedsgericht müsse – das sei Teil des Standardvertrags für Aufträge wie den, welchen KBR unterschrieben hatte. Und KBR betrachtete die Massenvergewaltigung und das Einsperren als berufsbezogene Querelen. Danach verzögerte man die Entscheidung des Schiedsgerichts, bis Jones nach über einem Jahr darauf klagte, überhaupt wegen des Vorfalls klagen zu dürfen – und gewann glücklicherweise. Es gab mindestens vier weitere ähnlich gelagerte Fälle. Nicht, dass dies KBR davon abgehalten hätte, Aufträge von der US-Regierung zu bekommen.
Jetzt hat Senator Al Franken, der Komiker, der mich seit seinem Amtsantritt wirklich positiv beeindruckt, eine Initiative in den Senat eingebracht, die es verbietet, in Standardverträgen Vorfälle wie Vergewaltigung zu internen Angelegenheiten zu erklären.
30 Republikaner haben dagegen gestimmt, unter anderem, weil sie dies für einen Angriff auf Haliburton hielten.
Weibliche Soldaten, die ohnehin eine hohe Schwelle für sexuelle Belästigung haben müssen (es gibt viele Macho-Sprüche), wissen von Übergriffen und Vergewaltigungen zu erzählen. Die jeweilige Bevölkerung natürlich sowieso – und also auch zivile Firmenangestellte. In einer rechtlosen Situation wie dem Krieg fühlen sich anscheinend viele Arschlöcher befugt, den Polanski zu machen. Umso schlimmer, dass diesen Opfern oft das Medienecho fehlt.
Darum Lob an Al Franken, und pfui den Senatoren.
Kleines Detail am Rande: wie mir ein Kommentar ins Gedächtnis rief, ist KBR auch noch eine der Firmen, die durch schlampige Arbeit mit minderwertigen Materialien aufgefallen ist – unter anderem bekamen Soldaten Elektroschocks durch Duschköpfe. Ich überlege, wo ich einen längeren Beitrag über KBR gehört habe, in dem noch viel mehr Schlampereien aufgeführt wurden. Jedenfalls scheint dies eine wirklich “saubere” Firma zu sein.

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