Der Film zum Spielzeug bekommt von mir eine etwas ungewöhnliche Kritik. Da mir ein Bekannter Screenshots zur Verfügung gestellt hat, kann ich ein paar der besten Szenen damit illustrieren. Es wird also etwas bunter, wenn die internationale Spezialeinheit “G.I. Joe” (klingt schon so international) die Welt rettet.
Das erste, was mir bei G. I. Joe auffiel, war die Gewalt. Ich hatte zugegeben einen typischen Actionfilm erwartet, der in den USA als PG-13 durchgeht, also kein Blut, Kameraschwenks vor dem Tod usw. Dabei hatte ich nicht bemerkt, dass G. I. Joe in Deutschland ab 16 freigegeben ist. Mit Grund. Gleich zu Beginn wird im Mittelalter (in einer der vielen seltsam unnützen Sequenzen) einem Schurken eine Maske aus glühendem Eisen angelegt. Auch werden Messer in Augen gerammt, Köpfe in die Luft gesprengt, ein Gabelstapler ersticht jemanden – alles blutlos, aber dennoch sehr brutal. Die absurdeste Szene hat einen Bösewicht, der von explodierenden Granaten gegen die Wand geschleudert wird und von dort auf einen Hochspannungskasten fällt, wo er zu Tode gestromt wird.

Nicht der letzte explodierende Kopf
Und dann ist da noch die Verfolgungsjagd durch die Straßen von Paris, die nicht nur unfassbar schlecht mit den Örtlichkeiten arbeitet (da stehen Charaktere fast direkt gegenüber und sind gleich darauf mehrere Straßen entfernt), sondern in deren Verlauf zwar keiner der “Joes” stirbt, aber dafür geschätzte 500 Unschuldige, weil rücksichtslos mit Raketen um sich geschossen wird, Autos explodieren und kollidieren und all das mit einer Art und Weise, die Erfolg suggeriert (weil die Joes eben nicht getroffen werden – “puuh, es hat nur eine Gruppe von Pantominen erwischt”).
Die Story von G. I. Joe ist übrigens schnell erzählt: Ein Waffenhändler baut eine tolle Waffe: Nanoroboter fressen alles auf, was ihnen im Weg steht. Er will die Waffe für seine Zwecke einsetzen. Anstatt ein paar Waffen für sich abzuknapsen oder so zu tun, als sei die Waffe ein Fehlschlag, liefert er sie der NATO aus und lässt sie dann wieder von seinen Geheimtruppen stehlen – dabei kommt dann G. I. Joe ins Spiel und engagiert den Spezialsoldaten Duke (Channing Tatum, der erst dann mitspielen wollte, nachdem er sich vergewisserte, dass G. I. Joe nicht kriegsverherrlichend ist). Zu den Leuten des Waffenhändlers (Christopher Ecclestone) gehört auch die Baronin (Sienna Miller), Dukes Ex-Verlobte. Außerdem gibt es Ninjas, weiße und schwarze. Der gute Ninja ist schwarz und hat die lächerlichste Gesichtsmaske seit… ewig.

Diese Maske hat Lippen – und ist beweglich
DIe Tatsache, dass G. I. Joe keinerlei Strategie oder Taktik anwendet (ganz us-amerikanische Armeetradition *zing*), fällt nicht weiter ins Gewicht, weil auch der Bösewicht nicht dazu fähig ist. Denn dieser Waffenhändler kann seine eigene Waffe nicht scharf machen, sondern benötigt dazu einen unschuldigen Wissenschaftler. Darum musste Anna, Dukes Ex, den Baron heiraten (und zur Baronin werden), Monate im Voraus. Oh, sie haben die Daten, um die Waffe scharf zu machen, nur komischerweise nicht den richtigen blauen Laser.
Natürlich hat niemand damit gerechnet, dass Duke zurück ins Spiel kommt. Der wollte Anna schließlich heiraten, und erst, als er den Tod von Annas Bruder verschuldete, konnte er Anna nicht mehr in die Augen sehen. Er mied Anna, und in einem großartigen Höhepunkt maskuliner Sensibilität sah er sie nur noch einmal wieder: bei der Beerdigung, an der er auf seinem Motorrad vorbeifuhr. Im Regen. Mit Sonnenbrille.

Männer sind sensibel
Alles klingt so wie der typische schlechte Hollywoodfilm. Und es gibt kein Vertun, G. I. Joe ist schlecht. Aber nicht in einer Art und Weise, die mich wütend macht. Eher unbeholfen schlecht. So ist dies ein Beispiel für einen coolen Einzeiler. Der Bösewicht hat Duke in seiner Gewalt und droht: »Ich werde dafür sorgen, dass du ziemlich unglücklich wirst.« Duke blickt ihm in die Augen und knurrt: »Ich bin schon unglücklich.« Fuck yeah, nimm das!
Ansonsten ist G. I. Joe natürlich Technoporn, es gibt eine Fülle von glänzenden Waffenspielzeugen, die zischen und zonken und bummen und fiuhen. Es gibt tolle Kampfanzüge, Frauen haben Uniformen mit Dekolletée oder tragen gleich Fetischkleidung. Und es ist das letzte Zeichen von Menschlichkeit, wenn man nicht auf Frauen schießt.
Trotzdem ist G. I. Joe längst nicht so sexistisch, wie ich das befürchtet hatte. Eher im Gegenteil. Die Frauen sind tatsächlich einfach Teil des Teams und rocken, sie müssen nicht übermäßig gerettet werden, sondern retten sich mehrfach selbst – oder retten sogar Kerls. Und der unglaubwürdige Wandel Annas von Sweetheart zu skrupelloser Terroristin wird im Film aufgegriffen und geschickt erklärt, sodass ich nicht einmal damit Probleme hatte, dass sie am Ende zu Duke zurückkehrt (Spoiler für Leute, die noch nie einen Film gesehen haben).

Mist: Die Boote hatten sich hinter dem Wasser versteckt
G. I. Joe ist hirnlos und laut, aber nicht beleidigend (Hallo, Mr. Bay). Klar tauchen hier U-Boote auf, die sich scheinbar hinter Wassertropfen versteckt hatten. Klar laufen Leute mit Straßenklamotten am Nordpol rum. Klar wird hier “keltisch” als schottische Heimatsprache bezeichnet. Ein schönes Beispiel gab mir auch Wikipedia, natürlich keine offizielle Quelle für den Film, in dem über eine Soldatin steht: “Da sie die Schule so früh verließ, verstand sie nicht, warum sich Männer zu ihr hingezogen fühlten.”
Und dann gibt es noch zwei Szenen, die nicht unerwähnt bleiben sollten. In einem Rückblick wendet sich Duke während eines Kampfeinsatzes an Annas Bruder: “Hier, nimm ein Double Bubble, die haben mir immer geholfen.” Dann teilen Sie sich ein Kaugummi. Kurz darauf hat Duke wieder eins in der Hand, und ein anderer Soldat sagt: “Ist das Double Bubble? Gib mir das!” Duke antwortet: “Aber das ist mein letztes!” Es hilft nichts, er muss es abgeben. Ja, Double Bubble gibt es wirklich, und ja, das ist Schleichwerbung ohne Schleich.
Oh, eine Sache noch: Der Untertitel des Films, und explizites Motto der Spezialeinheit lautet “Wenn alles andere fehlschlägt – sie nicht” (When all else fails – they don’t).

Fail
So sieht das dann aus, wenn sie nicht versagen. Die Nanoroboter werden ihnen gestohlen. Der Angriff auf den Eiffelturm endet im Sturz des Eiffelturms. Und der große Geniestreich des Bösewichts – ist erfolgreich. G. I. Joe – wenn alles andere fehlschlägt, sind sie auch keine wirkliche Hilfe. Großartig, dass nicht einmal dieses speziell für den Film geschaffene Motto umgesetzt werden kann.
Großartig? Ja. G. I. Joe ist, wie gesagt, dumm und laut. Immer laut. Ständig pufft und zischt irgendwas, die Kamera schüttelt sich und dann wird auch schon wieder geballert. Aber weil der Film zumindest nicht offensichtlich menschenfeindlich ist (Hallo, Mr. Bay), kann man sogar Spaß dabei haben. Am besten mit ein paar Kumpels, die alle bereit sind, das alles nicht zu ernst zu nehmen, sondern sich über die Lippen auf der Maske des Ninjas zu amüsieren. Wenn man aber nicht drüber lachen kann oder will, dann sollte man G. I. Joe lieber ganz bleiben lassen.

Comments 2
Naja, ganz die gleiche Meinung teil ich nicht.
Posted 20 Mar 2010 at 16:55 ¶Ich fande G.I. Joe bemerkenswert gut, bin eigentlich kein Fan von Action Filmen, erst recht nicht von Comic Figuren aber der Film hatte mich echt positiv überrascht.
Stimmt schon, die Guten wurden natürlich typisch Heldenhaft gemustert, und die halbe Zerstörung von Paris schien wie ein Mückenstich. Aber es ist ein Film, man sollte nicht alles zu sehr ernst nehmen. Die zwei Ninjas, Storm Shadow (der weiße) und Snake Eyes (der, wie sollte es auch anders sein, Schwarze). Snake Eyes erinnert mich ja stark an Darth-Vader, aber ich finde ihn doch recht Cool. Allein schon weil er nicht redet, und somit kein Mist von sich gibt. Über die Darstellung seines Kostüms lässt sich streiten, aber wenn man wirklich den Film von vorne rein dumm findet und schlecht bewertet, sollten so kleine Details wie Lippen in der Maske doch von wenig Bedeutung sein. Es gibt dann doch noch genug Handlungen, die man Schlecht heißen könnte. Was mich ziemlich gestört hatte, war der Tod von Storm Shadow. Wie Scarlett so schön sagte: “Und töten alle Bösen”. Das haben die Joes wohl Wortwörtlich genommen und dementsprechend auch umgesetzt.
Und um zu dem Satz: “G. I. Joe – wenn alles andere fehlschlägt, sind sie auch keine wirkliche Hilfe. Großartig, dass nicht einmal dieses speziell für den Film geschaffene Motto umgesetzt werden kann”. Dem kann ich so nicht zustimmen. Sie haben es immerhin geschafft, Moskau, Washington und noch eine Stadt zu retten. Von daher also, kann man nicht behaupten sie hätten total versagt. Und zu dem Satz: “Ist das Double Bubble? Gib mir das!” – das stimmt so nicht ganz. Ich weiß zwar nicht wie du auf Double Bubble kommst, aber Breaker sagt nur: “Du hast ein Kaugummi?” und keine bestimmte Kaugummi Sorte.
Wie schon erwähnt, ich fand den Film in vielen Hinsichten sehr gut gelungen, kann ein paar deiner erwähnten Kriterien wirklich null verstehen.
Nun, ich habe den Film im Originalton gesehen – und da heißt es DoubleBubble. Ganz klar vernehmbar. Ich übersetze diese Zitate nur nach Möglichkeit, damit Leute, die des Englischen nicht so mächtig sind, dem auch folgen können.
Und ich stimme zu, dass man eigentlich Charakterdesign nicht unbedingt an die erste Stelle setzen muss, aber die Maske des Ninjas ist wirklich zu dämlich.
Posted 20 Mar 2010 at 18:54 ¶Post a Comment