Deutschland sei im “Club der besonders bedrohten Länder” angekommen, so schreibt die Süddeutsche Zeitung1 in ihrem Artikel über die nicht umgesetzte Terrorwarnung des “Deutschen”. Bei dieser “bislang massivsten Drohung” handelte es sich um Video, in dem eine Woche vor den Wahlen ein Anschlag für zwei Wochen nach den Wahlen angekündigt wurde.
Dieser Vorfall illustriert die Beziehung zwischen Politik und Terror wunderbar.
Wie die Süddeutsche ebenfalls weiß, ist in Deutschand “das Netzwerk der potentiellen Dschihadisten bis in die kleineren Knoten den Behörden bekannt.” Die Gefahr, dass Al Quaida also tatsächlich eine Zelle in Deutschland etablieren kann, die dann einen erfolgreichen Anschlag planen könnte, ist relativ gering, Videobotschaft hin oder her. Ausdrücklich auch, weil die Behörden ihre Arbeit machen.
Das ist aber nicht der Tenor, den man vorgesetzt bekommt. Denn Furcht versetzt Menschen in die unglückliche Position, nicht mehr richtig denken zu können und noch manipulierbarer zu werden. Mit Furcht lassen sich Bürgerrechte abbauen und Kontrolle unter dem Mantel der Sicherheit einführen.
Und genau da ist die Beziehung zwischen Al Quaida und Machtpolitik. Wenn Al Quaida Terrordrohungen ausstößt, die zwar mit allergrößter Wahrscheinlichkeit nicht ausgeführt werden (können) und dennoch als “massive Drohung” verstanden werden müssen, dann wird Angst transportiert. Diese Angst bringt eine Woche vor der Wahl Stimmen für Parteien, denen Sicherheit über Freiheit geht.
Eine solche Partei wiederum wird in ihren Aussagen die Drohung Al Quaidas stark reden und damit dieser so bedrohlichen Organisation Status und Zulauf verschaffen. Es ist geradezu eine symbiotische Beziehung, die da eingegangen wird.
Ich weiß nicht, ob es ein Zeichen von aufgeklärtem Umgang mit dieser Gefahr darstellt oder nur ein Kennzeichen des durch und durch schläfrigen Wahlkampfes ist, dass die Terrorwarnung so verhältnismäßig wenig Spielraum in der vorwählerischen Berichterstattung bekam. Jedenfalls funktioniert diese Symbiose anscheinend noch nicht so gut, wie sie könnte.
Das hält die Süddeutsche nicht davon ab, eine perpetuelle Bedrohung zu skizzieren:
Die Gefahr sei damit aber nicht vorbei, erklärte einer der dänischen Gesprächspartner dem deutschen Innenstaatssekretär Hanning. Diese Terroristen hätten Geduld, und Zeit spiele bei ihnen keine Rolle.
Wie schon die Erste Allgemeine Verunsicherung – die Musikgruppe, von der ich mein erstes Konzert erleben dürfte – in ihrem Welthit Banküberfall wusste: “Das Böse ist immer und überall.”
Ob das stimmt oder nicht: es reicht, wenn wir dran glauben. Das nächste was dann dran glaubt, ist die Freiheit.
- via Politblogger [↩]

Comments 1
Tja, wie sagte mal jemand: Stimmt das Feindbild, stimmt das Weltbild. Früher hatte man in Deutschland Angst vor den bösen Kommunisten (oder den bösen Faschisten wenn man auf der Ostseite der Mauer gelebt hat), heute haben wir eben gemeinsam Angst vor dem Islamismus. Das traurige ist nur, dass kein Innenminister aufhören wird uns in unserer Freiheit zu beschränken, weil ja immer Rechte für seine Nachfolger übrig bleiben.
Posted 26 Oct 2009 at 23:59 ¶Post a Comment