Wo ist Sarah Connor?

Die Alien-Reihe ist gut, aber die beste Actionheldin der Welt ist für mich immer noch Sarah Connor. Die Art und Weise, wie vor achtzehn Jahren Linda Hamilton eine wirkliche und wahre Actionheldin spielen durfte, die nicht in erster Linie sexy sein musste, sondern in erster Linie tough sein durfte, ist immer noch unerreicht. Sarah Connor brauchte weder einen Latex-Anzug, noch musste sie sich in einen Mann verlieben. Selbst Selene (aus den beiden ersten Underworlds) und Lara Croft aus tomb Raider können das nicht von sich behaupten. Sarah Connor war außerdem meine erste starke Frau im Kino, noch vor Sigourney Weaver.

Ich will also starke Frauen in Abenteuer- oder Actionfilmen. Wo sind sie?

lindahamilton

Ich meine, dass ich nicht übertrieben anspruchsvoll bin. Ich weiß, dass es unsinnig wäre, in einer Verfilmung von Prince of Persia tatsächlich persisch aussehende Schauspieler zu bekommen, ähnlich wie in Avatar: The last Airbender asiatische Schauspieler lächerlich sind. Als weißer heterosexueller Mann will ich gar keine nicht-Weißen, nicht-Heterosexuellen in einer Heldenrolle, nur Frauen, die tatsächlich die Initiative übernehmen und nicht nur aussehen dürfen.

Transformers hat Megan Fox als Anhängsel für Shia la Boef, die eben mitkommt. In G.I. Joe ist die böse, sexy Leder tragende Frau die Ex des Helden und wird am Ende von ihm wieder konvertiert, nicht etwa umgekehrt. 9 hat einen männlichen Helden und eine von den neun Puppen ist natürlich eine Frau und romantische Verbindung. In Camerons Avatar werden 2 Männer in die Körper von Aliens verfrachtet, und es gibt natürlich ein sexy, kaum bekleidetes weibliches Pendant zum verlieben. Astroboy erzählt von einem Roboterjungen und seinem männlichen Freund.

Nebenbemerkung: How to Seduce Difficult Women – ehrlich? Wie man schwierige Frauen verführt? Genau das ist es – Frauen in Abenteuerfilmen sind meistens Objekte, die verführt werden müssen, und wie gesagt zu allererst einmal schlank und sexy sein müssen.

The Wolfman erzählt die Geschichte eines männlichen Werwolfs. Sherlock Holmes hat die bekannten männlichen Helden, aber natürlich auch als Neuerung eine sexy Gegenspielerin, die wir in Unterwäsche sehen dürfen. Und bevor sich jemand beklagt: In Hollywood-Filmen werden ständig Figuren anderer Herkünfte zu Weißen gemacht, werden ständig Frauenrollen in Männerrollen verwandelt – warum nicht auch mal umgekehrt? Da versteckt man sich plötzlich hinter dem Quellenmaterial, ohne dass man es muss.

Beispiel: Whiteout mit Kate Beckinsale ist im Comic-Original eine Geschichte mit zwei Frauen als Heldinnen. Im Film bleibt Beckinsale und bekommt einen Mann daneben gestellt – dafür wird schon für den Trailer eine Duschszene mit Kate gedreht. In erster Linie sexy eben.

Der Fantastic Mr Fox zeigt den tollen Herrn Fuchs und seinen Sohn, seine Frau darf ihn bestaunen. The Vampire’s Assistant zeigt einen jungen Mann, der Assistent eines Vampirs wird und ein tolles exotisches Mädchen kennenlernt. In Gamer wird Gerald Butler von einem anderen Mann gesteuert. In Surrogates entdeckt Bruce Willis eine Verschwörung.

In Zombieland darf Woodie Harrelson einem jungen Mann helfen, selbstbewusst zu werden und eine Freundin zu kriegen. In Law Abiding Citizen wehrt sich Gerald Butler gegen Jamie Foxx. Where the Wild Things Are sieht toll aus, wie dieser kleine Junge seine, und nicht etwa ein Mädchen ihre, Phantasiewelt erkundet. Gentlemen Broncos wird sicher nicht nur einen lustig abgedrehten Jugendlichen haben, sondern auch eine Freundin, die er gewinnen kann. In Planet 51 schließlich kommt der männliche Astronaut auf den Alienplaneten und trifft dort den unsicheren Jungen, der am Ende eine Freundin hat.

Argh! Es ist so weit, dass ich mich auf einen Biografiefilm von Amelia Earhart freue, weil Amelia zwangsläufig über eine Frau sein muss, ohne gleich Sex in the City zu sein mit Beziehungskisten.

Warum? Warum kann man nicht einmal bei diesen Filmen eine Frau in die Hauptrolle stecken? Selbst Pixar hat nur männliche Helden – demnächst das erste Mal nicht, dann gehts natürlich um eine Prinzessin. Ich will die männlichen Hauptrollen ja nicht abschaffen, aber wie wäre es mit ein wenig Gleichgewicht? Und wo wir dabei sind, mit nicht-Weißen, ohne gleich ein Kulturereignis daraus zu machen? Terminator: Salvation hat eine einzige nicht-weiße Figur, nämlich die pseudo-starke Moon Bloodgood, die sich von Männern retten lassen und die Menschheit verraten darf, aber vorher ihren Busen zeigt. Transformers hat die schwarzen Karikatur-Roboter und den dialogarmen Kumpel des weißen, zwanzigjährigen Armee-Majors. Übrigens, Hollywood, es gibt schwarze Schauspieler, die keine Rapper sind. Seht euch nur The Wire an.

Inzwischen hängt mir das absolut zum Hals raus… und als weißer, heterosexueller Mann werde ich ja wenigstens repräsentiert. Ich will mir gar nicht ausmalen, wenn ich das nicht wäre. Wenn ich mich mal in einem Film sehen wollte, aber eine schwarze Frau wäre. Oder ein asiatischer Schwuler. Von Transgendered will ich gar nicht reden. Oder mal nicht-monogamen und liebevollen Partnerschaften. Oder Atheisten und Skeptikern, die nicht bekehrt werden. Oder…

Terminator 2 ist fast zwanzig Jahre alt. Die Aliens ebenso. Und Jackie Brown älter als zehn Jahre. Anscheinend ist es unmöglich, würdige Nachfolger zu finden. Es gibt jedes Jahr nur sehr wenige Versuche, weibliche Helden zu präsentieren, und davon ist die Mehrzahl ebenso scheiße wie bei den Männern. Aber wenn die Leute sich Hulk nicht ansehen, liegt das nicht daran, dass das Publikum keine Männer in Heldenrollen sehen will. Geht aber niemand in Elektra, liegt es eben an der fehlenden Attraktivität von Frauen in der Heldenrolle. Frauen sollen in Filme gehen, weil da Frauen drin sind, das reicht. Siehe auch Mamma Mia.

Wie aber kann ich dem Studio demonstrieren, dass ich Sarah Connor sehen will, wenn es keine Sarah Connor gibt, die ich mir zehnmal im Kino ansehen könnte? Wie kann ich meine Nachfrage spürbar machen, ohne dass es ein Angebot für mich gibt? Soll ich mir Whiteout ansehen, weil es immerhin eine sexualisierte Heldin gibt, oder lieber nicht, weil es eigentlich zwei Heldinnen sein müssten und nicht sexualisiert? Soll ich ganz auf Kinofilme oder Abenteuerfilme verzichten, bis es auch solche gibt, die nicht nur den üblichen Standard zeigen?

Zum Abschluss und zur Versöhnung, kein Abenteuerfilm aber trotzdem ein Film, auf den ich mich bislang freue: Whip It! Der Trailer sieht klasse aus. Schade, dass das so eine Ausnahme ist.

Comments 3

  1. avatar Lethreon wrote:

    Du bist halt nicht die Zielgruppe sondern die Millionen anderen die lieber männliche Helden und halbnackte Frauen sehen wollen.

    Terminator 2 halte ich da für ein schlechtes Beispiel um zu belegen das auch weibliche Helden funktionieren. Da hat schließlich noch Arnold als mächtiger Terminator mitgespielt der Sarah ja am Ende dann auch gerettet hat als ihr die Munition ausging.

    Sarah Connor musste sich übrigens doch verlieben. Du hast doch Terminator 1 gesehen, oder?

    Posted 10 Sep 2009 at 20:33
  2. avatar Lethreon wrote:

    Ich persönlich habe übrigens nichts gegen weibliche Helden solange der Film mich unterhält.

    Posted 10 Sep 2009 at 20:34
  3. avatar Patrick wrote:

    Ich habe auch nichts gegen männliche Helden, aber nur?

    Und Terminator sowie Terminator 2 sind ganz verschiedene Paar Schuhe. In Teil 1 ist Sarah Connor die klassische “Heldin” von Slasher-Filmen, also flüchtendes Opfer, das am Ende aber den Spieß umdreht.

    In Teil 2 jedoch… natürlich ist Terminator 2 Arnies Film, aber Sarah Connor leidet vor allem im Director’s Cut unter keiner der typischen Actionbraut-Krankheiten. Wenn John sie retten kommt, hätte er das nicht nur nicht unbedingt gemusst, sondern sie beschimpft ihn noch deswegen.

    Genauer: T2 ist als Arnie-Vehikel inszeniert, aber Sarah Connor ist absolut gleichberechtigt und, was den Plot angeht, sogar bevorrechtigt. Und sie muss am Ende nicht von Arnie gerettet werden – John Connor muss das. Sarah würde auch für John sterben, und kann nicht mal mit einem Stahlspike in der Schulter dazu gebracht werden, ihn zu verraten – nicht nur dass, sie hätte John gerettet, wenn ihr nicht die Kugeln ausgegangen wären. Eine Kugel mehr…

    Sarah Connor handelt nicht dumm in T2. Sarah Connor ist eine Actionheldin, die auch so aussieht. Sarah Connor hat die interessanteste Psychologie der vier Hauptfiguren (die beiden Terminatoren, John). Arnie kriegt die One-Liner und den gehobenen Daumen, und Linda Hamilton kriegt den Rest.

    Posted 10 Sep 2009 at 21:23

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