Roman Polanski wurde in der Schweiz festgenommen und wegen eines 30 Jahre alten Strafbefehls gegen ihn in die USA verschifft. Dort wird er vor Gericht kommen, weil er 1977 Sex mit einer Minderjährigen hatte, etwas, was er selbst in einem Interview1 zehn Jahre später nicht verstehen konnte: »Warum sollte ich wegen meiner Vorliebe für junge Frauen bestraft werden?« In einer Petition2 haben sich Künstler dafür ausgesprochen, Polanski freizulassen, darunter:
Fatih Akin, Woody Allen, Pedro Almodovar, Wes Anderson, Jean-Jacques Annaud, Asia Argento, Darren Aronofsky, Monica Bellucci, Alfonso Cuaron, Luc et Jean-Pierre Dardenne, Jonathan Demme, Stephen Frears, Terry Gilliam, Wong Kar Waï, David Lynch, Michael Mann, Barbet Schroeder, Martin Scorsese, Tilda Swinton, Tom Tykwer, Wim Wenders
Diese und andere nahmhafte Personen des Filmgeschäfts – seht euch die volle Liste unter dem Link an – lassen mich schlucken.
Nun kann man nicht sagen, dass die Unterzeichner notwendigerweise Polanski in Schutz nehmen wollen, sondern sich eher für die Freiheit der Kunst aussprechen und der Tatsache, dass Filmemacher bei Festivals “geschützte Räume” beträten. Kann beispielsweise eine chinesische Regisseurin, die als Dissidentin gesucht wird, sich darauf verlassen, nicht nach China ausgeliefert zu werden, wenn sie ein Festival besucht? Was, wenn ein us-amerikanischer Regisseur wegen eines als blasphemisch empfundenen Films in Saudi-Arabien mit Verhaftung rechnen muss – darf er noch nach Cannes fahren, ohne verhaftet zu werden?
Für mich ist dieser Punkt aber ein Sturm im Wasserglas. Es gibt Auslieferungsabkommen, und es gibt Verbrechen, für die Länder Täter an andere Länder ausliefern oder eben nicht. Da sind Regisseure oder Künstler nicht anders als andere. Und Polanski wurde nicht wegen seiner Kunst verhaftet.
Polanski wurde verhaftet, weil er im Alter von 43 Jahren einem 13-jährigen Mädchen Alkohol und Beruhigungsmittel verabreichte, es halbnackt fotografierte, dann zu ihm in den Whirlpool stieg und das halb bewusstlose Mädchen, das mehrfach “Nein” sagte, vergewaltigte. Polanski hatte nicht mal einvernehmlichen Sex mit einer Minderjährigen: er setzte eine Minderjährige unter Drogen und hatte Sex gegen ihren ausdrücklichen Willen.
32 Jahre sind eine lange Zeit, um endlich zu Polanski aufzuschließen und ihn vor Gericht zu stellen. Mitleid habe ich trotzdem nicht. Vielmehr empfinde ich das als schönes Zeichen, dass der Rechtsstaat einen langen Arm hat und sich Kindervergewaltiger überlegen müssen, ob sie ihrer Neigung nachgeben wollen.
- via Politblogger [↩]
- via Alyssa Rosenberg [↩]

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