Das Duell ist hinter uns, und Steinmeier und Merkel haben ihr bestes getan, eine schlummernde Öffentlichkeit nicht aufzuwecken. Der diesjährige Wahlkampf zeigt sehr schön, wo das Problem mit Politberatern und Spindoktoren liegt. Kurz gesagt: Die Politik hat ihre Lektionen vom Fernsehprogramm gelernt.
Lang gesagt: In den Wahn, das größtmögliche Publikum anzusprechen, ist es zu einer Umkehrung gekommen. Es gibt kein wirkliches Programm mehr, weil ein solches manchem nicht gefallen könnte. Anstatt gezielt Menschen zu sich einzuladen, gilt die Devise, niemanden abzuweisen. Und die Gefahr, dass sich jemand abgewiesen fühlen könnte, sorgt dafür, dass man ja keine Stellung bezieht.
Gibt es noch wirkliche Unterschiede zwischen SPD und CDU? Wenn ja, werden sie möglichst klein gemacht, bis nur noch ein oder zwei übrig bleiben, die dann als Wahlentscheidung dienen sollen. Steinmeier ist eine Kreatur der Umfrageinstitute, Merkel eine Kreatur des Wartezimmers: der eine richtet sich nach dem Wind, die andere wartet einfach, bis alle anderen weg sind und sie übrig bleibt. Wer kein Profil hat, stößt sich nirgends, und wer nicht agiert, macht keine Fehler.
Es ist diese Inhaltsleere, die von Leuten wie Philip Missfelder auf die Spitze getrieben werden, die den modernen Politiker ausmacht. In anderen Ländern gibt es wenigstens Hassfiguren wie Berlusconi. Aber Menschen mit Profil werden zwar von Werbebotschaften suggeriert, fehlen jedoch in der Politik. Selbst ein Obama, der vor der Wahl wie ein solcher erschien, erweist sich seit derselben als eine ebenso leere Gestalt.
Franz-Walter Steinmeier gibt sich als besonnener Staatsmann, der alle Meinungen anhört und dann die beste auswählt. Was auf den ersten Blick ideal aussieht, nämlich nach dem Gewinn von Argumenten anstelle von Ideologie, erweist sich auf den zweiten Blick fatal. Nicht jede Politik kann wissenschaftlich ausgerechnet werden. Soll man Geld für Entwicklungshilfe ausgeben? Soll man jemanden auf den Mond oder den Mars schicken? Soll Hartz IV möglichst gering oder möglichst hoch bemessen werden? Soll es eine Frauenquote geben? Die Unterschiede in den Positionen zeigen hier keine Rechenfehler, sondern moralische oder ethische Filter, welche die Entscheidung prägen.
Welche Filter aber haben diese Spitzenkandidaten, die sich auf Parteitagen ohne Gegenkandidaten durchsetzen? Die seit Jahren keine parteiinternen Querelen haben wollen, keine Gegenmeinungen, sondern nur Gehorsam? Die vielleicht sogar nur mit Listenplätzen überleben, ohne Wahlkreise zu gewinnen? Ein Lächeln, ein Handschlag, und dann weggehört.
Am Ende bleibt kein Unterschied. In dieser Form dürfen CDU und SPD gerne sterben gehen. Man wird sie nicht vermissen.

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