Auch zur kommenden Bundestagswahl hat die Bundeszentrale für politische Bildung wieder ihren Wahlomaten aktiviert, bei dem den antretenden Parteien diesmal 38 Fragen gestellt wurden. Man selbst nimmt Stellung zu den Fragen und kann dann sehen, welche Parteien am ehesten mit den eigenen Ansichten und Schwerpunkten übereinstimmen. Und wenn man mit einer Frage nicht so viel anfangen kann, dann weiß man auch, was man noch nachlesen könnte, sowie man auch sonst natürlich die Möglichkeit hat, differenziertere Parteistandpunkte nachzulesen.
Mein Ergebnis ist erwartungsgemäß frustrierend.
Von möglichen 94 Punkten erhielten bei mir die Linken 72, die Grünen 70 Punkte. Mit Abstand folgten die Piraten (62) und die SPD (61), dann die FDP (52) und schließlich die CDU (29). Eigentlich sollte meine Wahlentscheidung also relativ klar zwischen Grün und Links sein.
Aber…
Leider zeigen sich auch diese Parteien sehr fortschrittsfeindlich. Sowohl Linkspartei als auch die Grünen sind für einen Stopp von Tierversuchen, ich bin emphatisch dagegen. Grüne und Linke sind beide gegen Gentechnik in der Nahrungsmittelproduktion, eine m.E. ebenfalls unhaltbare Forderung. Dass ich mit meiner Befürwortung von Atomkraftwerken nicht auf einer Linie mit diesen Parteien stehe, wusste ich ja schon.
Dass man bei Tierversuchen nach der Notwendigkeit fragt und unnötiges (!) Leid vermeidet, ist nicht falsch. Aber die Geschichte medizinischer Fortschritte ist untrennbar auch mit Tierversuchen verbunden. In aller Regel sind solche Versuche reglementiert und werden zielgerichtet eingesetzt. Eine Tierversuchsstudie ist ja nicht der erste Schritt in der Forschung, sondern der letzte, bevor man einen Stoff am Menschen testet (eigentlich auch ein Tierversuch). Das zu verbieten ist fortschrittsfeindlich und tatsächlich auch unmenschlich, denn Kranke werden dadurch länger zum Leid gezwungen, als es sonst nötig wäre.
Ähnlich verhält es sich bei gentechnisch manipulierten Lebensmitteln. Gen-Food ist nur eine spezialisierte Weiterentwicklung von Kreuzungen, wie sie seit Jahrhunderten im Tier- und Pflanzenreich stattfinden. Durch diese gezielte Manipulation kann man produktivere Nahrungsmittel züchten, oder gesündere bzw. nährstoffreichere oder krankheitserreger-ärmere. Durch gentechnisch manipulierte Lebensmittel sind bereits Millionen Menschen vorm Verhungern bewahrt worden. Hier werden (auch) Menschenleben gerettet.
Leider sehen die Gegner nur Monsanto und schalten ab. Sie sehen Gen-Saatgut, das sich nicht selbst fortpflanzen kann, damit man der Produktionsfirma jedes Jahr neues Saatgut abkaufen muss, und diese künstliche Kundenbindung geht ihnen gegen den Strich. Es ist unternehmenskritische oder gar -feindliche Ideologie, die hier beschworen wird, und anstatt (womöglich zu Recht, auch wenn ich da nicht sicher bin) das Verhalten Monsantos anzuprangen, wird die Gentechnik als Feind ausgemacht. Von etwaigen Unsinnsvorstellungen und Verschwörungstheorien mal ganz abgesehen.
Meine anderen beiden Schwerpunkte sind Gleichberechtigung auf der einen Seite (Frauenquote, Adoption für Homosexuelle usw.) sowie Datenschutz (hier nur Online-Durchsuchung). Hier finden sich aber beide Parteien ebenso wieder wie bei einer Schulreform, Lohngerechtigkeit, der Vermögenssteuer usw, und hier ist es auch, wo andere Parteien ihre Unterschiede zu meinen Standpunkten offenbaren.
Ich bin also auch mit dem Wahlomaten so klug als wie zuvor. Oder anders gesagt ist es schade, dass ich mich zwischen Technik und Gleichberechtigung entscheiden muss.
Na ja, das sind meine Sorgen. Trotzdem kann es sich lohnen, den Wahlomaten zu benutzen, allein um die unterschiedlichen Partei-Standpunkte zu sehen. Und ich warte dann eben auf die nächste Wahl. Wie sagt man?
Grün ist die Hoffnung.

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