Ein Mord geschieht in der osteuropäischen Metrolpole Besžel. Inspektor Tyador Borlù, einer der besten Ermittler der Stadt, geht der Sache auf den Grund. Sehr schnell stößt er aber auf ein Problem: die Tote lebte und arbeitete in der Schwesterstadt Ul Quoma. Das Problem dabei: Ul Quoma befindet sich geographisch am selben Platz wie Besžel, wird aber von den Stadtbewohnern ungesehen, ebenso wie die Bevölerung Ul Quomas Besžel unsieht. Schließlich handelt es sich bei den beiden Städten um unterschiedliche Nationen mit nicht immer guten Beziehungen.
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Es stellt sich für Inspektor Borlù also die Frage, ob die Tote über den normalen Grenzübergang nach Besžel kam, oder ob es sich um einen illegalen Übertritt handelt, um Breach. Dann wäre nämlich die geheime und übermächtige Grenzmacht mit dem selben Namen für die weitere Ermittlung verantwortlich. Dazu kommt, dass es sich anscheinend nicht um einen einfachen Mord handelt, denn die Tote war bessessen von Orciny, der angeblichen dritten Stadt, die in den Räumen zwischen Besžel und Ul Quoma existieren soll…
Ich bin ein großer Fan von China Miéville. Er schafft es, das Seltsame an seinen Geschichten glaubwürdig zu machen. So auch in The City & the City. Anders als in früheren Werken steht hier aber die Funktionsweise der Stadt nicht im Vordergrund, sondern handelt es sich um einen eigentlich ziemlich herkömmlichen Kriminalroman, der nur zufällig in diesen beiden zusammengewobenen Städten spielt. Im Verlaufe des Buches wird es geradezu normal, dass die Figuren ständig Straßen und Personen unsehen, und wie perfide die Gesetze der Zwitterstadt ausgenutzt, aber auch ausgehebelt werden können.
Damit wird die Ermittlung zum Hauptfokus des Romans, und hier muss ich fast »leider« anfügen. Denn obwohl die Umgebung faszinierend seltsam ist und die Figuren sehr klar gezeichnet werden, ist der Plot nicht so fesselnd, wie er wohl sein müsste. In früheren Büchern hat China Miéville großartige einzelne Szenen geschrieben und mit oft weit ausufernden Plots verstrickt, welche die Welt greifbar machten und über das Geschehen hinaus blickten. Hier aber bleibt er einzig bei den Ermittlungen, und dann wünscht man sich manchmal schon eine knappere und direktere Erzählung.
Trotzdem ist The City & the City kein schlechtes Buch; die seltsame Doppelstadt und die Figuren trösten leicht über kleine Längen hinweg, und es gibt auch hier spannende Momente. Außerdem widersteht sich das Buch wie die früheren Werke auch einer tieferen Betrachtung: Unsehen wir nicht auch ständig Personen und Ereignisse, die uns nicht direkt tangieren?
Aber von China Miéville erwarte ich mehr. Dieser Mann hat in Iron Council die vielleicht besten achtzig Seiten Roman geschrieben, die ich je gelesen habe, und hat in seinen Büchern mein Hirn gesprengt und meinen Horizont erweitert. Insofern ist ein einfach nur gutes Buch, indem er auch ein paar Chancen vergibt, ein wenig enttäuschend.
Hoffen wir, dass er sich eines Besseren besinnt. Und bis dahin kann man getrost The City & the City lesen.


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