Shopping-Center-King

Ich sehe die momentane Komödienschwemme im Soge Judd Apatows sehr kritisch. Darin geht es meistens um unreife, nicht unbedingt attraktive Männer – zum Beispiel Seth Rogen –, die am Ende eine tolle Frau kriegen und klassisch konservative Werte bejahen. Frauen sind in diesen Filmen nur Objekte, die man anhimmelt und am Ende gewinnt und die angeblich komischen Witze sind meistens verharmloste Taten von Arschlöchern oder Irren. Daneben gibt es natürlich auch noch die harmlosen Komödien, die niemandem etwas tun, wie der Kaufhaus-Cop mit Kevin James, in dem ein übergewichtiger Möchtegern-Polizist sein Kaufhaus verteidigt.

Nehmt dagegen den Shopping-Center-King mit Seth Rogan, in dem ein übergewichtiger Möchtegern-Polizist sein Kaufhaus verteidigt. DAS nenne ich Kino!

Observe and Report (2008)

Observe and Report (2008)

Es klingt komisch, aber Observe and Report, so der englische Titel, ist tatsächlich ein grandioser Film. Es ist nämlich ein Schlag in die Fresse der Fans der oben genannten Pseudo-Komödien. Ein harter, grandioser Schlag in die Fresse.

Ronnie (Rogen) ist der Leiter der Sicherheit in seinem Kaufhaus. Als ein Exhibitionist den Parkplatz unsicher macht, wittert er seine Chance, endlich die Welt zum Guten zu verändern und mit ein wenig Glück nebenbei noch die süße Brandi (Anna Faris) aus der Kosmetikabteilung für sich zu gewinnen. Also versammelt er seine Mannschaft und schwört sie darauf ein, den Täter zu schnappen und die Lorbeeren nicht an den Polizisten Harrison (Ray Liotta) abzugeben.

Was für ein Typ wird eigentlich Sicherheitsmann im Kaufhaus? Hier sind es allesamt Waffennarren und Möchtegern-Rambos, und vor allem Ronnie teilt die Welt in einfache Lager ein. Ach so, und die Pillen, die er zwischendurch nimmt, die haben nichts zu bedeuten…

Shopping-Center-King beginnt als etwas abseitige Version des Kaufhaus-Cops, und Seth Rogen nimmt einen mit in die Welt von Ronnie, der sich gerne mehr Ansehen und vor allem auch Brandi wünscht, der mit seiner alkoholkranken Mutter lebt und vielleicht eine kleine gewalttätige Ader hat. Schritt für Schritt folgen wir ihm und fragen uns immer mehr, ob wir das, was er da gerade tut, noch gutheißen können. Wenn sich das schlechte Gefühl dann endgültig bestätigt, wird klar, wie viele Warnsignale vorher noch durchgewunken wurden, und jetzt fragen wir uns eher, ob es dieser Film ganz in Komödientradition wagt, Ronnie seine Wünsche zu erfüllen und ihn zum Helden zu machen.

In feministischen Blogs wurde über die Vergewaltigung gesprochen, die in dem Film durch ein komatöses »Hör nicht auf« gerechtfertigt zu werden scheint. Und vielleicht wollte Jody Hill auch wirklich nur eine grenzüberschreitende Komödie machen. Hat er aber nicht. Er hat einen Film gemacht, in dem klar aufgezeigt wird, worüber wir da sonst eigentlich lachen. Ähnlich wie Punch-Drunk Love aus Adam Sandlers Standardfigur eine bedrohliche und gleichzeitig bedauernswerte Gestalt machte, so wird hier der tollpatschige patriotische Kindsmann Seth Rogen in die Realität geholt und wir merken: das ist nicht witzig. Dabei machen Rogen und die wirklich gute Darstellerriege in der zweiten Reihe viel des Reizes aus, und Ray Liotta als unsympathisce Stimme der Vernunft ist grandios.

Der Shopping-Center-King ist wahrlich ein großartiger Film, eine bitterböse Abrechnung mit dem aktuellen Kino. Aus vollstem Herzen empfohlen.

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  1. From Derangierte Einsichten - Vergleich on 06 Aug 2010 at 14:50

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