»Weißt du was, Yugovitch? Ich glaube, das könnte mein Meisterwerk sein.« Nach meinem ersten Kinobesuch habe ich noch bestritten, dass Inglourious Basterds ein Meisterwerk sein könnte. Dank eines Kinos in Düsseldorf habe ich den neuen Streifen von Quentin Tarantino noch einmal im Original gesehen, und jetzt bin ich nicht mehr so sicher. Vielleicht lag es daran, dass ich den Untertiteln für das Französische nicht mehr folgen musste, vielleicht auch daran, dass es wesentlich mehr englisch gesprochene Stellen in dem Film gab, als ich mir vorgestellt hatte, und das diffuse Gefühl einer Synchronisation des Deutschen, wie man es auch manchmal in Fernsehwerbungen hat, sich so erklärte.
Jedenfalls war der zweite Eindruck noch besser als der erste.
Beim zweiten Mal bemerkte ich beispielsweise, dass Tarantino in einer entscheidenden Szene Bridget von Hammersmarck (Diane Kruger) wie Marlene Dietrich inszeniert – ein grotesker Vergleich, aber gerade im Kontext der Szene, in der Hammersmarck gerade nicht die Welt zu Füßen liegt, ein schöner Konter. Überhaupt fällt Kruger zwar immer noch negativ auf, aber längst nicht mehr so extrem, wenn sie einen deutschen Akzent im Englischen hinkriegt (den sie in Wahrheit nicht hat).
Grober Schnitzer: an einer Stelle im Film fragt Til Schweiger: »Finden sie nicht, dass ich ruhig bin?« und im Original lautet die Antwort: »Wo Sie so fragen: doch.« In der deutschen Fassung allerdings: »Wo Sie so fragen: Nein, tun sie nicht.« Mehr konnte ich bei diesem zweiten Sehen nicht ausmachen, aber es mag durchaus noch mehr solcher Schnitzer geben, was ich schon für sehr fahrlässig halte.
Die größte Verwandlung macht Brad Pitt durch, der sich mit einem mittelamerikanischen Akzent durch den Film nuschelt, dass es eine Freude ist. In einer Szene des Films verhört Pitt mit Hilfe eines deutschsprachigen Basterds (Gideon Burkhardt) einen deutschen Soldaten. Wo hier eine Übersetzung stattfindet – der Basterd ist Dolmetscher für den Soldaten ebenso wie für Pitts Aldo Rayne – haben wir in der deutschen Fassung des Films erst Pitt, der seine Fragen auf deutsch stellt, und dann Burkhardt, der diese nochmal wiederholt. Das wirkt schon komisch. Auch ist mir die Narbe Aldo Raynes aufgefallen, die sich über seine Kehle zieht und von einem vergangenen Kampf zeugt, den wir aber nie gezeigt bekommen. Sehr schönes Detail. Und Christoph Waltz spricht hier sogar Deutsch, Französisch, Italienisch und Englisch.
Vor allem aber sind mit Details im Text aufgefallen, die alles Fragwürdige an Inglourious Basterds beantworten. Ja, Tarantino setzt Juden explizit mit Nazis gleich, die deutsche Soldaten »zerstören« wollen, und mit Arabern, die Selbstmordattentate durchführen, und mit KZ-Mördern, die wie Ratten wieselnde Opfer ermorden. Er sagt uns auch, dass angesichts der schlechten Kriegslage ein propagandistischer Film wie »Stolz der Nation« wie gerufen kommt, quasi die nationalsozialistische Rachephantasie und Version des Films, den wir auf der Leinwand sehen. Und wenn sich das hochstehende Publikum an den Filmtoten ergötzt, vergeht den wirklichen Soldaten die Lust, da sie die Realität darin erkennen.
Hier zeigt Tarantino eine erwachsene Haltung zum Film, der eben gerade nicht Realität ist, und durchaus auch eine zwiespältige Sicht auf die Art von Unterhaltung, die er produziert. Nicht, dass er damit seine eigenen Werke dekonstruiert, aber er erkennt zumindest an, dass es auch andere Sichtweisen geben kann, und zeigt gleichzeitig, dass es eben nicht gewünscht ist, die Rachephantasie von der Leinwand ins Leben zu übertragen. Denn dort sind vielleicht auch deutsche Soldaten nicht nur Judenmörder, sondern tapfer, oder frisch gebackene Väter, oder… und das ohne Zaunpfähle oder offensichtliche Metaphern, sondern einfach nur zusätzliche Elemente des Textes.
Und nicht nur, wer deutschen Soldaten Vertrauen schenkt, kommt darin um, sondern auch, wer den Basterds vertraut, bekommt Probleme. So ist es am Ende zwar ein Wunschtraum, der hier inszeniert wird, aber keiner, den man so ohne weiteres und ohne Bedenken in die Realität übertragen kann. Verdienen einige der Leute ihre Strafe? Ohne Frage. Das ist aber nicht dasselbe, wie sie zu bestrafen. Das Happy End gibt es eben nur im Kino.
Inglourious Basterds ist jedenfalls auch einen zweiten Blick wert, und ich möchte noch einmal meine Empfehlung wiederholen, den Film im Original zu sehen, wenn es irgend möglich ist. Dadurch wird er nur noch dichter und besser.

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