Ich hatte ja schon mal einen Beitrag, der die Schwierigkeiten behandelte, die werdenden deutschen Müttern bei einer späten Abtreibung begegnen können: »Sondern, weil nach einem ungeschriebenen Gesetz in keinem bayerischen Krankenhaus ein Arzt ein Kind nach der 22. Woche abtötet, wenn seine Behinderung mit dem Leben vereinbar ist – Bundesgesetz hin oder her.«
Dabei haben es deutsche Ärzte besser als us-amerikanische.
In den USA müssen Ärzte, die Abtreibungen durchführen – und das gesamte Personal – damit rechnen, dass die Nachbarn mit Bildern von abgetriebenen Föten und der Aufschrift »Babymörder« beschickt werden, dass die Schule des Kindes, der Arbeitsplatz eventueller Partner_innen mit ebensolchen Anrufen bedacht werden. Da werden Fenster eingeworfen, manchmal fallen Schüsse, und Morddrohungen gibt es natürlich auch. Oder Bilder, auf denen man selbst in einer Zielscheibe zu sehen ist. Alles von der sogenannten Fraktion »Pro Leben«.
Man kann also zumindest nachvollziehen, wenn sich Ärzte schwertun, Abtreibungen anzubieten. Nachdem kürzlich Dr. George Tiller von einem Abtreibungsgegner ermordet wurde, gibt es in den gesamten USA nur noch einen einzigen Arzt, der Abtreibungen auch nach dem ersten Trimester durchzuführen bereit ist (und sein Leben entsprechend unter ständigem Polizeischutz führt): Doktor Warren Hern ist bereits siebzig Jahre alt und der letzte seiner Zunft. Egal, wie legal Abtreibungen auch sind, wenn für Millionen von Frauen nur ein Arzt zuständig ist, dessen Rentenalter eigentlich bereits erreicht wäre, dann haben die Arschlöcher bereits gewonnen.
Doktor Warren Hern hat ein tolles Portrait im Esquire bekommen1. Es lohnt sich wirklich, das zu lesen, und dann der Gottlosigkeit Berlins und Hamburgs zu danken, durch die bei uns Frauen zumindest punktuell geholfen werden kann.
- via Hathor Legacy [↩]

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