In diesem Blog hatte ich um Alternativen zu den aktuellen Blockbustern gebeten, zu Filmen, die vielleicht etwas älter sind, aber dafür qualitativ hochwertiger. Filme, die man hochhalten kann, wenn mal wieder jemand Transformers: ROTFL verteidigt. Filme, die man jederzeit einfach reinlegen und angucken kann. Einer dieser Filmtipps war The Boondock Saints.
Und ich muss gleich enttäuschen.

The Boondock Saints (1999)
Zum Glück ist Der Blutige Pfad Gottes (deutscher Titel) keine Komödie, sondern eigentlich ein Actionfilm. Die beiden Brüder geraten nämlich mit russischen Mafiosi aneinander, und nachdem sie die Russen in Notwehr töten, haben sie eine Erleuchtung: Gott will, dass sie mit dem Abschaum auf den Straßen aufräumen und alle Gangster, Drogendealer usw. bestrafen. Also töten. Zum Glück kennen die Jungs einen italienischen Kleingangster, der von allen nur ausgenutzt wird und sich darauf freut, sein Insiderwissen an die Rächer zu verkaufen.
Bewusst habe ich bislang keine Schauspieler genannt, weil eigentlich nur eine Figur halbwegs sehenswert ist. Das liegt nicht daran, dass auch nur diese eine Figur mehr als grobe Charakterisierungen erfährt, aber Willem Dafoe spielt den FBI-Agenten, der den beiden auf der Spur ist, eben sehenswert. Dieser Agent ist auch ein Angelpunkt des Films, denn wir erleben die Taten der »Heiligen« jeweils in einer Rückblende, wenn der Agent das Geschehen anhand der Indizien wiedergibt.
Das Problem mit Der Blutige Pfad Gottes ist aber vor allem seine Zurückhaltung. Der Film ist eindeutig ein reiner Actionfilm, aber alle Zutaten bleiben in Ansätzen. Weder haben wir eine wirkliche Beziehung zu den Figuren, dazu sind sie zu karikaturhaft, noch haben wir einen wirklichen Hass auf die Übeltäter, sodass wir sie einfach sterben sehen wollen. Wir sehen nur, dass die Stammkneipe der Jungs geschlossen werden soll und dass einige Typen eine Stipshow besuchen. Der Effekt des angeblich allgegenwärtigen Verbrechens bleibt außen vor, und dann fallen auch die Rechtfertigungen flach, dass unsere heutige Welt eben Rächer abseits des Gesetzes brauche. Im Gegenzug werden die Hauptfiguren aber auch nicht als Irre oder zwielichtig dargestellt, um uns die Gewalt im Halse stecken bleiben zu lassen. Der Film geht definitiv davon aus, dass dies Helden sind, rechtfertigt das aber nicht, und wenn man als Zuschauer gezwungen ist, diese Rechtfertigung aus der eigenen Erfahrung zu ziehen, so kann man sich darüber streiten, ob das die Guten sind.
Schließlich sind auch die Actionszenen nicht so gelungen, wie sie sein müssten, um darüber hinwegzutrösten. Gewalt wird nicht als brutale Gewalt inszeniert, sondern schon mit einem Element des Coolen; gleichzeitig ist die Choreographie nur mittelmäßig.
All das macht diesen Film zwar unterhaltsam, aber keinesfalls zu einem großen Wurf. Es gibt keine Hassfiguren, keine wirklichen Identifikationsfiguren, kaum mitreißendes. Vor zehn Jahren fand ich den Film allerdings klasse.

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