Transgender-Probleme

Ich weiß nicht, in wie fern die deutsche Realität der hier geschilderten us-amerikanischen ähnelt, aber trotzdem finde ich es lohnenswert, sich über die Dinge Gedanken zu machen, die für Menschen wie mich selbstverständlich sind und es nicht mehr sind, wenn man zwischen den normalen Geschlechtern steht. Queen Emiliy hat in Why I hate filling out forms1 sehr eindrucksvoll geschildert, was auf die Person zukommen kann.

Hier ein paar Auszüge.


Stellt euch vor, ihr geht ins Krankenhaus wegen Herzanfall-ähnlichen Symptomen. Weil ihr behandelt werden wollt, outet ihr euch nicht als Transsexuelle. Der Pfleger füllt das Formular aus und schreibt »weiblich«, und ihr lasst es stehen. Alles ist in Ordnung, der Doktor behandelt euch ausnahmsweise normal, vielleicht wegen der Präsenz von Mutter, Tante und Cousin (eine der ersten Lektionen als Transgender im Umgang mit Ärzten: lasst Zisgender zusehen2. Bringt eure Mutter oder eure_n Partner_in mit in den Untersuchungsraum)

Eine Woche später und ich – also, ihr seid in der Neurologie, um einen Spezialisten zu sehen und ein MRT zu machen, und einer der Empfangsleute kommt zu euch und fängt an zu kreischen, dass ihr ein VERDAMMTER LÜGNER seid weil in eurem Formular weiblich steht aber ein Computercheck eure Geburtsurkunde gefunden hat und eine alte Behandlung aufgetan hat. Darum entscheiden sie, dass euer Name auch nicht stimmt, und es braucht drei Besuche in drei Abteilungen mit eurer geänderten Geburtsurkunde (der Name, noch nicht das Geschlecht). Schließlich stecken sie einen Merkzettel auf eure Akte, auf dem euer Name, euer verdammter amtlicher Name in Anführungszeichen steht, als sei es ein Spitzname. Und diese Leute sollen euch helfen.

Jetzt stellt euch vor, was in einem Notfall passiert.

Stellt euch vor ihr seid ich, sechs Monate vorher, und ihr seid jung und naiv und dumm, und ihr glaubt, dass »männlich« anzugeben hilft euch bei der Behandlung (ha!), als ihr euch selbst einweist, weil ich Atemprobleme habt. Und der Typ wirft einen Blick auf eure Formulare und euer kaum atmendes Selbst, und weigert sich, das Zimmer zu betreten. Er steht da einfach am Eingang, und ihr müsst ihm Symptome zurufen und ihr sitzt da und wisst, wenn ihr zusammenbrecht wird dieser Mann zögern und überlegen, ob er euch helfen soll.

Den Rest könnt ihr auf Englisch unter dem Link lesen. Ein Kommentar beschreibt sogar, dass Monatskarten für öffentliche Verkehrsmittel ein Geschlecht beinhalten und ein TG verhaftet wurde, weil der Busfahrer überzeugt war, da eine_n Schwindler_in vor sich zu haben.

Ich denke, die meisten von uns haben irgend ein Merkmal, dass sie in den Augen der “normalen Gesellschaft” zum Außenseiter macht, mehr oder weniger stark. Trotzdem führt man sich selten vor Augen, was für Schwierigkeiten und alltäglichen Ärgernisse für jene auftreten, die dieses Merkmal nicht einfach privat halten können und noch dazu als starke Abweichler von der Normalität gelten. Seine eigene Identität ständig zu unterdrücken oder aber starken Vorurteilen ausgesetzt zu sein sind keine gangbaren Optionen. Eine Bekannte, die sich für (freiwilliges) Lesben-Outing einsetzt, erzählte von einer Frau, die ihre Neigung bis zum Tod ihrer Mutter nicht auszuleben wagte und nun, selbst in gehobenem Alter, erst ihre eigene Identität leben möchte. Und die Situation für Transgender ist wahrlich noch schwieriger als die von Homosexuellen.

Hoffentlich helfen Berichte wie dieser, auch unter nicht-Betroffenen Aufmerksamkeit zu schaffen. Es ist nötig.

  1. via Obsidian Wings []
  2. zisgender bezieht sich auf Personen, deren gefühltes und körperliches Geschlecht übereinstimmen []

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