Forrest Whitaker ist großartig. Wenn in einem Film Forrest Whitaker nicht in der Lage ist, zu glänzen, sondern nur ab und an vampirhaft zu glitzern, hat das Drehbuch ein Problem. Wenn aber nicht Forrest Whitaker, sondern Keanu Reeves die Hauptrolle in diesem Film hat, dann…
…ja, dann handelt es sich um Street Kings.

Street Kings (2008)
Jedenfalls sollte man nicht an Bud White denken, noch an L.A. Confidential, denn Street Kings verliert jeden Vergleich (Forrest Whitaker ausgenommen). Die Aufnahmen aus L.A. bringen nicht so viel Stimmung rüber, und die Handlung ist zwar viel geradliniger, aber trotzdem weniger spannend.
Das liegt an Keanu Reeves. Um James Ellroys harte Sprüche sprechen zu können, muss man entweder ein totales Bad Ass sein (Guy Pierce) oder ein gebrochenes solches, der erkennbar nur das nachäfft, was er mal glaubte (Russel Crowe). Keanu Reeves hat genau einen Gesichtsausdruck und braucht die Hilfe der Filmmusik, damit wir wissen, wie eine Szene aus seiner Sicht zu verstehen ist. Er ist völlig falsch gecastet. Seine Figur ist ein schmutziger Cop, der sein Leben umkrempelt, wenn auch nicht seine Arbeitsweise. Keanu Reeves macht nicht eine Sekunde lang den Eindruck, als verstehe er irgendwas in der Handlung, geschweige denn dass er zu einer neuen Erkenntnis kommt.
Dass bei Ellroy die Helden auch kaltblütig erschießen dürfen, ist bekannt. In L.A. Confidential kann man daraus sogar einen Standpunkt ableiten. Hier ist es eben so, ohne tiefere Gründe. Am Ende steht Reeves als klarer Mörder dar, aber unzweifelhaft auch als Held, ohne Ironie, ohne Hinterfragen.
Das alles klingt nicht gut, aber Street Kings ist trotzdem ansehnlich. Die Shoot-Outs sind ordentlich abgefilmt und – anders, als ich es in einer anderen Internetkritik las – man hat wenigstens ein Gefühl für die Örtlichkeit, wenn die jeweiligen Parteien sich in Türen verstecken, Umwege nehmen oder sich sonstwie bewegen und dies tatsächlich mit Blick auf die Räumlichkeit gefilmt wird.
Ansonsten gibt es stereotype Figuren, und man weiß nach spätestens zenn Minuten, wie genau der Film ausgehen wird. Aber das stört nicht so sehr, dass man vor Langeweile ächzt. Stattdessen ist Street Kings absolut durchschnittliche Genreware, die vor allem anderen an der Hauptrolle krankt, aber auch mit einem besseren Schauspieler kein Riesenwurf wäre. Und Forrest Whitaker hat trotzdem noch ein oder zwei sehr gute Szenen, bevor er den traditionellen Schurken mimen muss.

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