SkepCheck: Gespräche mit den Toten

Dies ist Teil 5 von 6 der Serie SkepCheck

Es ist eine übliche Behauptung, dass Medien (wie in der erfolgreichen TV-Serie Medium) mit den Geistern verstorbener Menschen Kontakt aufnehmen können. SIe richten Hinterbliebenen Nachrichten aus, oder aber sie helfen der Polizei bei der Lösung von Verbrechen. Leider sind die Resultate nicht so eindeutig, wie oft behauptet wird, und darum sind diese Medien heute Gegenstand des nächsten SkepChecks.

(c) Peter SchütteDie Behauptungen: Wie oben bereits geschrieben, behaupten Medien, dass sie mit Toten Kontakt aufnehmen können. Sie erhalten Nachrichten wie »in der Nähe von Wasser« oder »B… Bernd? Britta?«

Fragen:

  • Warum gibt es niemals wirklich eindeutig identifizierende Informationen? Anstelle von »Ich sehe eine Uniform« als Oberkategorie von Militär, Polizei, Feuerwehr, Postdienst und Flugbegleitern könnte es doch auch heißen: »Ich sehe die Uniform eines Generals mit sieben Orden.«
  • Ebenso bei Mordopfern: Warum heißt es da »Die Leiche liegt im Wald« oder »der Täter war männlich mit kurzen Haaren« anstatt von »Die Leiche liegt etwa fünfzig Meter hinter dem alten Blockhaus im Stadtwald« oder »Der Täter hatte die Tätowierung einer Schlange mit Brille auf dem rechten Handrücken«?
  • Warum gibt es keine gesicherten Erfolge von Medien in der Verbrechensaufklärung, sondern nur Behauptungen, die sich oft als falsch erweisen, wenn man bei der Polizei nachfragt?
  • Warum hat nicht jede Polizeidienststelle ein Medium? Warum klären Medien nicht hauptberuflich Verbrechen auf?
  • Warum gibt es keine Informationen, die nur der Tote wissen kann? »Susanne bereut, dass sie dir damals nicht erlaubt hat, deinen Bauchnabel piercen zu lassen« oder »Martin sagt, sein Passwort sei 278451.«

Fazit: Medien arbeiten i.d.R. mit der Technik namens »Cold Reading«, also dem Lesen von Körpersprache, Aussehen usw. seines Gegenüber. Dazu gehören gute Ratekünste – beispielsweise gibt es unter den älteren Toten eine große Mehrheit von Männern, die einmal Uniform getragen haben. Schließlich profitieren Medien noch davon, dass das menschliche Erinnerungsvermögen sehr schlecht ist. Wenn ein Medium also sieben Mal rät und einmal halbwegs richtig liegt, wird das »Opfer« dieses eine Mal als klaren Treffer für sich interpretieren und die anderen sechs Mal vergessen. Das hat man in vielen Vergleichen von Tonbandaufnahmen und Erfahrungsberichten festgestellt.

Als klaren Treffer für sich interpretieren? Ja, das machen Menschen auch. Wenn das Medium sagt: »B… ich kriege ein B« antwortet das Opfer: »Ich hatte einen Onkel namens Björn« und erinnert sich, das Medium hat den Namen seines Onkels gekannt.

Wenn ich hier von Opfern spreche, meine ich das auch so. Medien verhindern, dass trauernde Menschen mit ihrem Verlust abschließen können, und verlangen für ihre Scharlatanerie auch noch Geld. Dabei will ich nicht ausschließen, dass manche Medien auch selbst glauben, mit Toten sprechen zu können. Aber das erklärt die offenen Fragen nicht. Bei der Verbrechensbekämpfung führen Medien evtl. dazu, dass falschen Fährten gefolgt wird und die Ermittlung behindert wird.

Anders als beispielsweise bei der Homöopathie kann man hier nicht einmal anführen, dass die »Opfer« sich wohl fühlen und ein Placebo bekommen. Medien schaden ihren Opfern finanziell und emotional.

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Comments 1

  1. Marco wrote:

    James Randi hat einen lesenswerten Artikel über das Medium Patricia Putt geschrieben, die unter kontrollierten Bedingungen ihre Kräfte beweisen wollte. Wenig überraschend ist sie bei dem Versuch gescheitert und fand im Nachhinein natürlich reichlich Gründe, warum ihre Kräfte nicht funktionierten.
    Interessant ist auch wie die Testperson in alle Vorbereitungen und Abläufe eingezogen wird, um spätere Beschwerden und Manipulationsvorwürfe auszuschließen.

    http://www.guardian.co.uk/science/2009/may/12/psychic-claims-james-randi-paranormal

    Posted 22 Jul 2009 at 4:31 pm

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