Heute wurde mir an der Uni ein Flyer der Organisation Big Brothers Big Sisters Deutschland in die Hand gedrückt, ein Mentorenprogramm für Jugendliche. Um ehrlich zu sein, habe ich mir den Flyer sogar freiwillig genommen. Die Idee ist, dass sich Erwachsene 14-täglich mit Kindern und Jugendlichen zusammentun, um denen einen Halt außerhalb der Familie zu geben. Eine m.E sehr gute Idee. Bei der Lektüre des Flyers fielen mir aber auch die Illustrationen und die geschilderten Erlebnisse auf, die doch stark in eine typische Geschlechterkiste passten. Da ja aber ein Flyer stark verkürzte Informationen bietet, bin ich mal auf die Webseite gegangen (siehe oben).
Und das habe ich gefunden:
Bilder von Jungen: Beim Fußball, beim Hämmern, vor einer Graffitiwand mit Basketball, beim Holzschnitzen, beim Rudern, beim Klettern, beim Football, beim Lesen, beim Zusammenschrauben von Elektronik, beim Fußball (noch mal), beim Kartenspielen, beim Klettern (noch mal), beim Rutschen, beim Boule.
Bilder von Mädchen: Beim Vier-gewinnt-spielen, beim Scrabble, beim Federball, am Globus, beim Rollerbladen, beim Seifenblasen-Blasen, beim Spaghettikochen, beim Tauziehen, beim Skateboarden, beim Klötzchenbauen, beim Basteln, beim Lesen.
Erfahrungsberichte
Illknur (Mädchen):
Wir wollten eigentlich Schlittschuh laufen, aber Carla hatte die Uhrzeit falsch gelesen. Die Eishalle war zu. Also sind wir in die Stadtbücherei gegangen. Da haben wir vier tolle Bücher ausgeliehen für mein Referat über Marienkäfer. Ich dachte immer, es gibt nur welche mit Punkten, aber es gibt ja auch welche ohne Punkte.“ Eislaufen sind die beiden dann bei ihrem zweiten Treffen gegangen.
Auch in der „langen Nacht der Museen“ in Mannheim waren sie zu zweit unterwegs, haben Handpuppen gebastelt und gemeinsam getöpfert. „Das war voll gut“, schwärmt Ilknur. Aber es müssen nicht immer Highlights sein. Einmal hat sie mit ihrer Mentorin das Referat über die Marienkäfer geübt und in der Schule eine gute Note dafür bekommen.
Ugur (Junge)
Ugur ist glücklich: Er hat es geschafft, von einem Baum zum anderen zu balancieren – in stolzen sieben Metern Höhe, wo auch manch Großer weiche Knie bekommt.
(…)
Der Speyerer trifft sich häufig mit Freunden zum Schwimmen, fährt Rad, und er dreht regelmäßig seine Runden im Wald mit Mischlingshündin Polly. Nun freut sich Ugur, wenn er ihn dabei begleiten kann. Und Polly setzt sich brav, wenn Ugur „sitz!“ sagt, weil sie weiß, dass sie dann ein Bröckchen Hundefutter aus seiner Hosentasche bekommt.
Wie gesagt: ich finde die Idee super. Aber kann ich nicht mit einem Jungen auch mal Basteln oder mit einem Mädchen Fußballspielen? Der eine Junge, der liest, ist entsprechend jung (sie lesen Astrid Lindgren); dafür darf auch mal ein Mädchen Skateboard fahren (Rollerblades sind ja wie Eislaufen eher Frauendomäne, würde ich aus meiner eigenen Erfahrung ganz unwissenschaftlich vermuten).
Als Kind waren wir mal in den Ferien auf einem Reiterhof. Das fand ich super, auch als Junge. Und die Mädels, die ich im Basketball trainiert habe, standen den Jungs nicht besonders nach. Aber es scheint zumindest so, als ob die Rollenbilder, die bei Big Brothers Big Sisters Deutschland (ohne Komma) vermittelt werden, die klassischen Rollen sind. Mädchen kochen Spaghetti, Jungs arbeiten mit Holz.
Oder sehe ich das zu eng?

Comments 1
Also ich denke, das siehst du tatsächlich zu eng. Solche Angebote wollen (und sollen) ja reale junge Menschen ansprechen. Und entgegen der medial verbreiteten Fiktion sind bei den realen Menschen diese Rollen nicht nur am weitesten verbreitet sondern auch akzeptiert.
Und das ganz ohne Zwang oder Indoktrination, es entspricht den Interessen der weit überwiegenden Mehrheit des jeweiligen Geschlechts.
Die mediale Fiktion dagegen speist sich aus den abweichenden Interessen einer teilweise winzigen Minderheit. In sich logisch, schließlich bringt das die Aufmerksamkeit, von denen die Medien mittelbar leben.
Ich weiss nicht ob es gut wäre, hier mittels massiven Brainwash den Kiddies was anderers aufzuzwingen. Nur damit eine Minderheit sich nicht mehr in der Minderheit fühlen muss (inklusive dem damit verbundenen Rechtfertigungszwang)
Posted 26 Jul 2009 at 21:41 ¶Trackbacks & Pingbacks 1
[...] des momentanen Uni-Stresses bin ich nicht dazu gekommen, Peter auf seinen Kommentar zeitnah zu antworten. Aber ich möchte noch antworten, und damit Peter das auch sieht, mache ich [...]
Post a Comment