Terminator: die Erlösung

Terminator 4: Salvation taugt nichts. Das Interessante an der Diskussion um diesen Film ist, dass selbst die Leute, denen er gefällt, angeben, man solle den Film nicht mit seinen Vorgängern vergleichen. Genauer gesagt den ersten beiden Teilen. Natürlich seien die besser, aber das sei kein Maßstab. Wann, wenn nicht bei der Fortsetzung einer Filmreihe, sind die früheren Teile denn dann ein Maßstab? Wann darf man gute Filme überhaupt als Maßstab nehmen, um schlechte Filme abzustrafen? Diese anspruchslose Haltung sabbernder Halbaffen teile ich nicht. Darum werde ich hier auch kein Wort darüber verlieren, ob die Action von Terminator 4: Salvation gut oder schlecht inszeniert wurde.

Ich werde Teil 4 stattdessen mit den ersten beiden vergleichen – in Bezug auf drei Haupteigenschaften.

Terminator: Salvation (2009)

Terminator: Salvation (2009)

1. Plot: Im Film gibt es drei Arten von »Realismus«. Da ist zum einen die Konzeptlogik. Das Konzept eines Films sollte vom Zuschauer hingenommen werden. Für die Terminator-Reihe bedeutet das die Existenz von Zeitreisen und Robotern, die wie Menschen aussehen. Die für die Wirkung eines Films wesentlich wichtigeren Kategorien sind die Handlungslogik auf der einen und die Wirklichkeitslogik auf der anderen Seite. Wirklichkeitslogik bedeudeut: die Filmwelt funktioniert grundsätzlich genauso wie unsere Welt, mit Ausnahme von bereits im Konzept des Films festgeschriebenen Änderungen. Handlungslogik wiederum betrifft die Bedürfnisse der Filmhandlung, innerhalb von etwa zwei Stunden eine angemessene Geschichte zu präsentieren. Die Terminator-Reihe spielt jeweils in unserer Gegenwart oder nahen Zukunft (1984 und 1996), außer den Robotern und der Zeitreise. Gleichzeitig gibt es am Ende der Filme jeweils praktische Fabrikanlagen mit Schrottpressen bzw. Lavabädern, um einen dramatischen Konflikt zu gewährleisten. Handlungslogik dient als »Pflaster« für Lücken in Wirklichkeitslogik; ist der Film gut gemacht, fällt dem Zuschauer nicht auf, dass es überhaupt eine Lücke gibt.
Und damit sind wir bei einem Problem von Terminator 4: Salvation. Der Plot hat einen ganzen Batzen von wirklichkeitslogischen Problemen, die nicht durch entsprechende Notwendigkeit wettgemacht wird. Wenn Terminatoren mal von Musik und Feuer angelockt werden und mal nicht, wenn eine ultimative Waffe gegen die Terminatoren nicht eingesetzt wird, wenn der wichtigste Mensch überhaupt von den Terminatoren nicht einfach terminiert wird, wenn eine Tierkrankenschwester ad hoc schwierigste Operationen durchführt, dann geschieht das zwar auf Handlungslogik, aber die ist nicht zwingend, sondern nur ein Zeichen von Faulheit. Dem Zuschauer wird schmerzhaft vor Augen geführt, dass er einen Film sieht und alles nur dem Drehbuch gehorcht. Spannung geht verloren, stattdessen ächzt oder kichert man.

2. Terminatoren: In den Vorgängern, sogar im dritten Teil, waren die Terminatoren absolute Tötungsmaschinen. Die Hauptfiguren flohen die meiste Zeit, und der Hauptkonflikt bestand in der Frage, wie man diese Monster stoppen könne. Im vierten Teil gilt das nicht mehr. Das ist an sich kein Problem; Aliens hat den Sprung von Horror zu Action auch geschafft. Der Unterschied war, dass bei Aliens gut ausgerüstete Soldaten gegen die Monster standen, wo es vorher einfache Arbeiter waren. Die ersten Terminator-Filme aber hatten auch jeweils geübte Kämpfer (Kyle Reese im ersten Teil, Sarah Connor und den T-800 im zweiten) und zumindest halbwegs vernünftige Waffen, und nach dem dritten Teil gingen Atombomben über den USA und der Welt hoch; die Widerstandskämpfer waren mal genauso normale Menschen wie du und ich, und sehr viel ruhige Gelegenheiten für Waffenforschung hat es auch nicht gegeben. Es gibt also keinen konzeptlogischen Grund, warum in diesem Film Terminatoren en masse zerschossen werden sollten. Werden sie aber.
Dazu kommt, dass der Terminator immer eine Repräsentanz maschineller und kühler Logik war. Hingegen hat Skynet anscheinend Militärbasen beim Angriff verschont, seltsam unnütze Terminatormodelle gebaut und lässt Kyle Reese am Leben. Skynet ist nicht mehr gefährlich, sondern ein Idiot.

3. Die Figuren: Mit anderen Worten Sarah Connor. Sarah Connor war im ersten Terminator die klassische Horror-Überlebende. Im zweiten Film aber war sie die coolste Sau auf dem Planeten. Obwohl sie ihren Sohn John liebte, machte sie ihm Vorwürfe, dass er sie retten kam und ihr gegen Skynet helfen wollte, anstatt sich an einem sicheren Ort aufzuhalten. Sie war muskelbepackt, sie kam aus eigener Kraft aus der Anstalt raus, und obwohl sie grenzwertig psychotisch war – wer wäre das nicht mit ihrem Wissen –, brachte sie es doch nicht übers Herz, den Erfinder von Skynet zu erschießen, sondern gewann ihn stattdessen für die Rebellion. Sarah Connor würde sogar Ellen Ripley in den Arsch treten.
Der vierte Teil scheißt drauf. Terminator ist jetzt ein Jungenspiel. Ja, es gibt Moon Bloodgood, die auch eine Nacktszene hat. Dieser sexy Pilot darf abstürzen, sich vor Vergewaltigern retten lassen, und dann ihre gesamte Rasse aus Liebe zu einer Maschine verraten, die sie einen Tag lang kennt. Eine der Maschinen, die die Menschheit ausrotten wollen. Das ist eben weibliche Logik. Und die andere Frau, John Connors, darf als Schwangere die Männer anfeuern und ein wenig verbinden sowie eben am Ende diese völlig idiotische Operation durchführen. Es ist ja nicht so, dass die Leute einerseits um das Überleben kämpfen und John andererseits nicht in seiner Mutter ein etwas anderes Frauenbild kennt. Scheiß drauf.

Der erste Terminator erzählte von der Unabwendbarkeit der Zukunft. Der zweite davon, dass man sie doch ändern könne. Am Ende des zweiten Films war der »Tag der Abrechnung« verhindert worden. Die Zukunft verändert. Die Terminatoren besiegt. Teile 3 und 4 (sowie die bereits geplanten 5 und 6) entstanden nur aus finanziellen Überlegungen. Sie sind überflüssig, und niemand hat sich die Mühe gemacht, nach einer Geschichte zu suchen, die sich zu erzählen lohnt. Das merkt man.
Manchmal ist ein Drehbuch so schlecht, dass kein Film der Welt es mehr rausreißen kann, und schon gar kein Film, der mit derartigen Kapriolen seines Stars Christian Bale und einem begrenzten Regisseur wie McG geschlagen ist. Terminator 4: Salvation ist scheiße, und die Tatsache, dass Leute trotzdem zufrieden ihre zehn Euro Eintritt dafür zahlen, ist beschämend. Warum sollte jemand noch Filme wie die ersten beiden Terminator drehen, wenn sich Popcorn und Tickets auch bei solchem Dreck verkaufen?
Eben. Ihr seid schuld.

Comments 1

  1. avatar Carsten wrote:

    Aber hallo! Hab ihn grad gesehen. Was für ein Schrottfilm!

    Posted 07 Nov 2009 at 17:10

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