Das Ende der Alten Medien

Im Iran wurde gewählt, und die Nachwehen der Wahl sorgen für große Unsicherheit über die unmittelbare Zukunft dieses Landes. Dies ist ein Moment, wo tatsächlich das Ausland auf diesen großen Staat schaut und wissen will, was los ist. Das ist der Moment, in dem die alt hergebrachten Medien beweisen können, dass sie eine Informationsherrschaft haben, dass all die kleinen und großen Schnitzer, die man im BildBlog lesen kann, oder die Stefan Niggemeier auf seinem Blog dokumentiert, oder oder oder – dass all diese Schnitzer nur Randerscheinungen eines im Herzen doch auf Information gerichteten Systems sind. Jetzt können sich die Medien mit ihren Korrespondenten, Auslandsstudios usw. profilieren und zeigen, dass Blogs und das Internet eben kein Ersatz sind.

Tun sie aber nicht.

Ich warte nicht auf die zögerlichen und gerne auch einseitigen Berichte. Schon gar nicht warte ich darauf, in der Zeitung am nächsten Tag nur eine Schlagzeilensammlung zu bekommen mit einer unfundierten Meinung am Rande. Wo die Alten Medien jetzt mit Analysen punkten könnten, schieben sie nur hinterher, was anderswo schneller zu lesen ist.

Stattdessen lese ich Andrew Sullivan, der tweets und Bilder und ähnliches sammelt. Iraner schreiben trotz Nachrichtensperre übers Internet, organisieren sich, informieren andere. Der unter Hausarrest stehende Kandidat Mousavi meldet sich in der Farsi-sprechenden BBC und landet im Internet, lange bevor die englischsprachige mitkommt.

Es gibt Bilder auf Twitter, Videos auf YouTube, Nachrichten über Twitter und Blogs, und Nachrichtensammlung über Blogs und Foren. Zeitungen (und Fernsehsender? Ich habe kein TV) verschlafen die Hälfte.

Das ist wirklich eine faszinierende und erschreckende Entwicklung, wie sehr sich Medienleute auf eigenen Lorbeeren ausruhen, ohne zu merken, dass die schon längst verwelkt sind. Bei der Tagesschau sind neun verschwundene Deutsche im Jemen wichtiger positioniert und die Hälfte der Nachrichten handelt davon, dass ARD und ZDF nicht mehr berichten dürfen. Bei Spiegel Online sieht es etwas besser aus, auch wenn hier ebenfalls der Jemen dominiert.

Aber allerorts nur Nachrichtenwiedergabe. Gerade in der jetzigen Situation wäre ich froh über jemanden, der mit Hintergrundwissen die erscheinenden Informationen einordnen kann, analysiert, bewertet. Wie umfassend sind Demonstrationen? Ich richte mich jetzt nach Angaben anderer Iraner und filtere selbst, weil die großen Medien dies nicht können oder wollen. Steinmeier kritisiert den Iran? Na toll. Und? Demonstrationen werden für illegal erklärt und Leute gehen trotzdem auf die Straße? Und? Wie viele? Wo überall? Was bedeutet das?

Wenn die Journalisten ebenso ratlos sind, wenn sie auch nur wiederkauen können und wild spekulieren – dann brauchen wir sie nicht. In den Worten von Stefan Niggemeier: Geht sterben!

Post a Comment

Your email is never published nor shared. Required fields are marked *